●●● An dieser Stelle soll zu herausragenden oder nebensächlich erscheinenden und im Informationschaos untergegangenen oder alles andere erdrückenden Ereignissen, Aktionen, Statements und AUSsprüchen, die angeblich für sich selbst sprechen, EINspruch eingelegt werden. EINspruch wäre ebenfalls angesagt, sollten sich jene AUSsprüche nachträglich als fakes oder schlichte Propagandablasen erweisen, die hierdurch in ein neues Licht gerückt werden. ●●●
01.06.2026 Ernst-Ulrich Knaudt
Erster Lektüreversuch
Meine Probleme mit „Probleme einer Revolution im Iran“
Soll dieser Text1 sowas wie die Botschaft des Papstes an die Gläubigen oder eine Art Aufruf der KPR an die faschistische Internationale Linker Putinisten in Europa oder was weiß ich an wen und wohin auch immer sein? Ich hoffe, daß nicht! Diese Frage läßt sich hier jedenfalls nicht auf Anhieb beantworten. Der im Umgang mit politischen Texten wie Probleme einer Revolution im Iran weniger versierte Les-er2 wird hinter diesem vielleicht eine pro-israelische oder eine links-putinistische Gruppe vermuten. Am allerwenigsten jedoch heutige – auch keine früheren – MLer, die bei unseren europäischen Zeitgenossen ohnehin schlechte Karten haben, weil sie nach wie vor das „Manifest der Kommunistischen Partei“ von Marx und Engels als ihr gemeinsames Programm hochhalten.
Probleme einer Revolution im Iran besteht, so wie ich diesen Text lese, aus zwei Teilen: einem politischen und einem praktischen, wobei ich mich ausschließlich mit dem politischen Teil befassen werde, in dem es auf Seite 2[b] heißt: »Ohne Frage geht es Israel nicht um eine Eroberung … sondern … die Ausschaltung des Militärapparats des Iran«. Beschränkt auf das rein Militärische würde ich dem zustimmen. Was fehlt, ist erstens: der politische und historische Hintergrund für Israels Verteidigungskampf gegen die heute aus Rußland, China und Iran bestehende anti-‘westliche‘ ‚Axe‘ als direkte Nachfolgerin der in den 40er Jahren aus Hitler-Deutschland, Japan und Italien gegen die damaligen Demokratien und die Anti-Hitler-Koalition gebildeten faschistischen Achsenmächte und zweitens: der historische Hintergrund für den seit mehr als zweitausend Jahren geführten Kampf des vom Römischen Imperium über die ganze Welt verstreuten jüdischen Volkes und seine Rückkehr nach Israel und Juda (Jerusalem). Dafür und für die Wiederherstellung der von den Römern vernichteten jüdischen Staatlichkeit hatten die Chancen nach der Niederlage Deutschlands und des Osmanischen Reiches gegen die Ententemächte im 1. Weltkrieg (gegen den Britischen Empirealismus, Frankreich, das Russische Zarentum und die USA) nie günstiger gestanden.
Im Gegensatz dazu ist für die sich an den heutigen Achsenmächten (der ‚Axe‘) orientierende anti-‘westliche‘ deutsche Linke, die Verteidigung der jüdischen Staatlichkeit gleichbedeutend mit der Rückkehr ‚der Juden‘ nach ‚Palästina‘, das selbst aber nie ein Staat, eine Nation, sondern lediglich die Sammelbezeichnung für einen von arabischen Großen Grundeigentümern bewirtschafteten und verwalteten Landstrich innerhalb des Osmanischen Reiches gewesen war und dessen Bewohner wahrscheinlich auf die Philister zurückgehen, die nie eine Nation gewesen sind und auch keine hatten werden wollen. Und selbst wenn die mit dem Islamismus fraternisierende anti-‘westliche‘ Linke zu diesem ernsthaft Abstand gewinnen wollte, müßte sie akzeptieren, daß zwischen der Rückeroberung des von den Römern geschleiften Tempels von Jerusalem – einem Kernsymbol jüdischer Staatlichkeit – einerseits und der Islamisierung der Anrainer am südlichen und westlichen Rand des Mittelmeers andererseits -– nach der Devise: glaub‘, Ketzer oder stirb! – ein weiterer Unterschied darin besteht: daß mit dem Exodus der Juden Richtung Westen auch die Wurzeln des heutigen (‚westlichen‘) Kapitalismus nach Europa exportiert, die Vormachtstellung des europäischen Feudalismus durch die Bauernkriege erschüttert und die Besiedlung Nordamerikas und schließlich die Gründung der USA unter ‚westlich‘-kapitalistischen Vorzeichen entscheidend vorangetrieben worden waren. (Wovon sich der ‚westliche‘ Antisemitismus ebensowenig trennen läßt wie der Versuch der ‚westlichen‘ Linken, ihre Vorliebe für die pseudo-revolutionäre ‚Militanz‘ des Islamismus mit ihrer nach wie vor irgendwie bestehenden Ablehnung des Antisemitismus auf einen Nenner zu bringen und an die Stelle des ‚westlichen‘ Kapitalismus einen rötlich schimmernden islamistischen Gottesstaat zu setzen.) Mohammed statt Augustinus und Luther? Was für ein ‚gewaltiger‘ revolutionärer ‚Fortschritt‘!
Der Marxsche Kommunismus ist auf dem Boden der Großen Französischen Revolution und der Pariser Commune entstanden, die selbst wiederum in den Aufständen der mitteleuropäischen Bauern gegen ihre Ausplünderung und Unterdrückung durch die europäischen Feudalherren und die christlich-feudale absolutistische Monarchie („L’État c’est moi!“– Der Staat bin ich!) ihre Wurzeln haben. Marx hatte bereits vor seinem Job als europäischer Korrespondent der New YorkDaily Tribune in den 60er Jahren die demokratisch-revolutionären USA im Blick gehabt: die sich 1776 von der britischen (konstitutionellen) Monarchie getrennt hatten und ohne König und Adel ihre ‚westlich‘-demokratische Verfassung in blutigen Bürgerkriegen gegen die Sklavenhalter-Staaten des Südens verteidigen mußten und die innerhalb der heutigen Entwicklung des Kapitalismus die objektiv günstigsten Voraussetzungen für die proletarische Revolution besitzen. Gerade dies macht, verglichen mit dem Alten Europa und der vom heroischen Paris und seiner teils kommunistisch teils bonapartistisch geprägten Arbeiterklasse, deren Nimbus vom Leninismus und von Stalin auf eine in Rußland bis Ende des 19. Jahrhunderts noch kaum vorhandene Arbeiterklasse hatte übertragen werden sollen, den Unterschied zu den USA aus, (wo das Wort ‚Kommunismus‘ weit über die Bourgeoisie hinaus nur als Schimpfwort Verwendung findet). Das Alte Europa hat im weiteren Verlauf der Geschichte des ‚Westens‘ zwar gelernt, dem heimischen Kapitalismus einige Giftzähne wegzureformieren und beruhigende Kommentare anläßlich seiner Einkreisung durch die ‚Axen‘mächte, beginnend mit der Planierung syrischer Großstädte mit Putins Faßbomben, in die Welt zu setzen. Dieses mußte aber erst vor dem Hintergrund der inzwischen alles beherrschenden Weltmarktkrise des Kapitals (oder der Weltwirtschaftskrise) durch den Volkskrieg à la Clausewitz der Ukrainer gegen den großrussischen Faschismus wachgerüttelt werden, um die gegen den deutschen National-Sozialismus erkämpfte ‚westliche‘ Demokratie heute gegen Putins faschistische Herrschaft zu verteidigen. Diesem ach so ‚lupenreinen Demokraten‘ à la Gerhard Schröder!
Dem steht heute als Bollwerk gegen jegliche revolutionäre Veränderung – ob durch die Verteidigung der ‚westlich‘-demokratischen oder die proletarische Revolution – der faschistisch imprägnierte autokratische Kapitalismus Rußlands und Chinas, kaum anders als in den 30-er und 40-er Jahren der deutsche Faschismus, erneut als Feinde der Menschheit gegenüber. Als unmittelbare Folge zweier (an sich selbst) gescheiterten proletarischen Revolutionen, haben die beiden welt-hegemonistischen Führungsmächte der ‚Axe‘, so wie Stalin und Hitler 1939 in ihrem kurzlebigen Bündnis (und mit den katastrophalen Folgen, die bis heute nachwirken), erneut den ‚Westen‘ zu ihrem Hauptfeind erklärt –, dem sie im Bündnis mit der ‚Dritten Welt‘ und US-amerikanischen Multimilliardären die komplette Vernichtung androhen oder, was von ihm dann noch übrigbleibt, durch ‚außer-ökonomischen Zwang‘ auf Vordermann zu bringen und in den ‚östlich‘-autokratischen Kapitalismus ‚einzubinden‘ – wozu bekanntlich aber ‚immer Zwei gehören‘…!
Der gegenwärtig aktivste Gegenspieler des ‚Westens‘ ist seit 2014 das mit der Annexion der Krim und des Donbas (dem östlichen Teil von ‚Novo Rossija‘) unter der Herrschaft Putins als Neuem Zaren in der Blutspur des deutschen Faschismus, nur in entgegengesetzter Richtung, immer weiter nach Westen vordringende Rußland, das bereits von Marx und Engels als der entscheidende Gegner des ‚westlichen‘ Proletariats ausgemacht worden war und wogegen die beiden kommunistischen Theoretiker in engem Austausch mit Befürwortern des ‚archaischen‘ Kommunismus der Russischen Dorfgemeinde – der ‚commune rurale‘ – einen von den späteren Leninisten abweichenden Weg für die proletarische Revolution in Europa ausgemacht hatten, den sie in einem gemeinsamen Vorwort zur Neuübersetzung des Kommunistischen Manifests ins Russische in wenigen Sätzen skizziert haben.3 Dabei widerstrebt es heute besonders den moskowitisch geprägten ‚Antifaschisten‘– bzw. ‚Kommunisten‘– zu akzeptieren, daß es nach 1945 gerade die ‚Sozialistische‘ Siegermacht gewesen ist, die es inzwischen zu einer faschistischen Weltmacht gebracht hat, die ähnlich wie Hitler, der in den 30-er Jahren die Slowakei, die einst Teil des seit Jahrhunderten nicht mehr existierenden „Heiligen Römischen Reiches“ gewesen war, seit der Annektion der Krim (2022) mit dem gleichen Argument wie Hitler 1938 ‚die‘ Ukraine in das „Russische Reich“ zurückholen will und dazu einen Krieg gegen einen souveränen Nachbarstaat angezettelt hat, um ihn dem neuen „Zarenreich“ einzuverleiben. (Für die westdeutsche Linke ist es in den 60er Jahren dagegen nie ein Problem gewesen, die USA –„USA, SA SS!“ – als faschistisch zu bezeichnen…)
Für einen bei der Lektüre Eures Aufsatzes in der „materialistischen Geschichtsauffassung“ ungeübten Blick des Lesers auf die Geschichte des ‚Westens‘ – zu der sowohl das historische Judentum wie auch die Hegelsche Dialektik an herausragender Position gehören – liefert Ukrajina (= der Staat Ukrajina), nicht jedoch: die Ukraine (laut Putin lediglich eine Provinz innerhalb Großrußlands), gegenwärtig das nüchtern-heroische Gegenbeispiel für den anti-hegemonistischen Widerstand in der Auseinandersetzung der ‚westlichen‘ mit der ‚russischen Welt‘.
Für den Putinismus und das bei Putin unvermeidlich durchschimmernde Gangstertum (von dem sich der heutige US-Präsident bei einem frühen Moskau-Aufenthalt höchstwahrscheinlich inspirieren ließ), steht die Identität von: ‚die Welt‘ (mir) und ‚russisch‘ (russkij) sowie die Verschmelzung beider Begriffe zur Russischen Welt (russkij mir), versinnbildlicht in der matrioschka, im Mittelpunkt des Putinschen Selbstbildes, sodaß alles, was nicht russkij ist, rein kulturalistisch – bzw. sozial-darwinistisch betrachtet–, in dieser Welt keine politische Existenzberechtigung hat und daher in den Gulag gehört.
Was nichts anderes als eine russophil verfremdete faschistische Rassentheorie auf den Spuren Hitlers ist. Nach den Kriterien des russkij mir wird das Lebensrecht der nicht-russischen Bewohner dieses Planeten von Rußland entweder bestätigt oder bestritten. Mit welchem Ergebnis, darüber entscheidet in letzter Instanz …die Atombombe! Was hier nicht weiter ausbuchstabiert zu werden braucht. Außerdem ist dieses Lebensrecht käuflich, wie der Einsatz von in ‚westlich‘-modernen Kriegen vollkommen ungeübten Nordkoreanern – für Putin so eine Art Stolperdraht – beweist, die von den Ukrainern wie die Hasen abgeschossen werden konnten. Was Letztere, bei ihrem tiefen Entsetzen über soviel Menschenfeindlichkeit, vielleicht auf die Idee gebracht haben könnte, die von Iran an Rußland gelieferten Drohnen, zunächst in Privatinitiative und Heimarbeit (Volkskrieg!) nachzubauen, was nach dem Übergang zur industriellen Produktion – die inzwischen von ‚westlichen‘ Firmen kopiert wird – erweitert werden soll und was dem ukrajinischen Verteidigungskrieg eine überraschende Wendung verliehen hat, welche die an die Deutschen gerichtete inständige Bitte um die Lieferung des Taurus-Marschflugkörpers zu Makulatur werden ließ…
(Womit sich meine Kritik an Eurem Text bereits jenseits der materialistischen Geschichtsauffassung bewegt, …wohin auch immer!)
Zweiter Lektüreversuch
Weitere Probleme mit„Probleme einer Revolution im Iran“
Dieser weitere Lektüreversuch geht nach wie vor von einer Zweiteilung Eures Textes aus: in eine pro-israelische und eine marxistisch-leninistische Hälfte, wobei Ihr als Leninisten mit Letzterer Probleme zu bekommen scheint, wenn Ihr Euch unter der Zwischenüberschrift „Zur Bedeutung der zwischenimperialistischen Gegensätze der Großmächte“ [2c] von den linken Putinisten (und vom Putinismus generell) abzugrenzen versucht, deren ‚Westpolitik‘ auf eine erneute Spaltung des Potsdamer Nachkriegs-Deutschlands und die zweite Auflage der Deutschland-Politik der SED hinausliefe. Anstelle der Adenauerschen: die (zweite) ‚Wiedervereinigung‘ à la Putin, bei der nach 25 Jahren ‚Fremdherrschaft‘, die vom »imperialistischen« ‚Westen‘ zerstörte DDR u.a. mit Hilfe ‚hybrider‘ Aktionen wiederhergestellt werden soll, um sie von ihrer kulturrevolutionären ‚westlichen‘ Denk- und Lebensweise zu ‚befreien‘ und in einem zweiten Anlauf Deutschland vollständig zu russifizieren?
Und was Israel betrifft, gehe es diesem, wie Ihr schreibt, in seiner Auseinandersetzung mit Iran nicht einfach nur um »eine Eroberung (???), sondern um eine möglichst weitgehende Ausschaltung des Militärapparats des (?) Iran«, um den jüdischen Staat »vor weiteren Angriffen zu schützen« [2b]. Dies mag für die rein militärische Einschätzung zutreffen. Jenseits derselben, und wenn wir von der materialistischen Geschichtsauffassung ausgehen, verweist der Verteidigungskampf Israels gegen die aus Rußland, China und Iran bestehende ‚Axe‘ – der direkten Nachfolgerin der Achsenmächte der 40er Jahre! –, auf die dreitausend-jährige Geschichte Israels und seinen Kampf für einen eigenen ‚westlichen‘ Staat für das (s.o.) vom Römischen Imperium über die ganze damalige westliche Welt verstreute Jüdische Volk: der nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg, angesagt war und eine zweite Chance bekommen sollte.
Es geht hier also nicht nur um die »Ausschaltung des Militärapparats« eines erklärten Feindes der von Israel mit aller Kraft gegen die ‚Axe‘ verteidigten ‚westlichen‘ Demokratie, sodaß sich die gegenwärtige deutsche Israel-Politik nicht mehr ausschließlich auf Merkels wackelige deutsche ‚Staatsraison‘-These zu stützen braucht. Zumal den Europäern durch den antijüdischen Pogrom der HAMAS, (einem Schützling Irans), am 07.10.2023 am Rande von Gaza demonstriert wurde – und was von den Europäern offenbar immer noch nicht als ihr eigenes, unmittelbar gegen sie gerichtetes, Ding verstanden wird –, daß auch sie, abgesehen von den durch die ‚Axe‘ inspirierten hybriden Aktionen islamistischer Halsabschneider und Vergewaltiger, längst selbst zu einem konkreten militärischen Ziel für künftige Offensiven der ‚Axe‘ gegen den ‚Westen‘ geworden sind – ob sie das (zur Kenntnis nehmen) wollen oder nicht! Hinzu kommt, daß nach Trumps ‚Rückkehr‘ zur Monroe-Doktrin die bisherige ‚westliche Führungsmacht‘ längst ihre ganz eigenen »imperialistischen« Wege geht…
Bezogen auf das rein Militärische und dessen Zielbestimmung: der „Ausschaltung des Militärapparats des Iran“ und der offensiven Verteidigung Israels gegen die ‚Axen-Mächte‘, stimme ich mit Euren Überlegungen im wesentlichen überein (s.o.). Was darin fehlt, ist – wenn wir von der Marx- und Engelsschen materialistischen Geschichtsauffassung ausgehen – der historische Hintergrund für die seit mehr als dreitausend Jahren geführte Auseinandersetzung um die Staatlichkeit Israels. Es fehlt auch die nach der Zerstörung des Jüdischen Tempels in Jerusalem über das ganze Römische Imperium – oder die ganze spätantike ‚Westliche Welt‘– erfolgte Zerstreuung des jüdischen Volkes und sein Kampf für die Rückkehr nach Israel. Aber vielleicht hat diese Welt erst kapitalistisch werden müssen – um kommunistisch werden zu wollen! –, sodaß nach der Niederlage des Osmanischen Reiches (und Preußen-Deutschlands!) gegen den Britischen Empirealismus im Ersten Weltkrieg sich diese Tür in die Staatlichkeit Israels zugleich als einzige Überlebenschance für das Jüdischen Volk geöffnet hatte. Denn solange, wie es Kapitalismus gibt, wird es Antisemitismus geben. Dieser mag vielleicht sein äußeres Aussehen verändern, seine Methoden ändern sich nicht.
Dagegenvertritt die anti-‚westliche‘ deutsche Linke mit ihrem Sinn für ‚ausgleichende Gerechtigkeit‘ die Auffassung: wenn der (‚westliche‘) „Imperialismus“nach dem von den Deutschen an den Juden verübten Menschheitsverbrechen diesen die Rückkehr nach Palästina ermöglicht habe, dasselbe ebenso gut auch für die ‚Ureinwohner‘ Palästinas gelten müsse. Dem steht die historische Tatsache gegenüber, daß der Name ‚Palästina‘ sich auf die gesamte von den Römern im Vorderen Orient geschaffene Provinz, und nicht allein auf eine von den Philistern (?) bewohnte Region gleichen Namens am östlichen Rand des Mittelmeers und auf die Sammelbezeichnung für einen Gebietsstreifen innerhalb des Osmanischen Reiches bezog, der von arabischen Großen Grundeigentümern bewirtschaftet, an Kleinbauern verpachtet (und auch an zionistische Einwanderer verkauft) wurde; eine Region also, die innerhalb der ehemaligen Römischen Provinz mit Namen Palästina und unter den einander abwechselnden Großreichen des Vorderen Orients nie eine Nation gewesen war, und auch nie eine hatte sein wollen. Die also erst unter der von Gamal Abdel Nasser 1964 gesponserten Gründung der PLO – als verspätete Retourkutsche der Arabischen Liga auf den Teilungsplan der UN aus dem Jahr 1948, und dessen Realisierung nach deren Niederlage gegen die frisch gegründete Israelische Armee obsolet geworden war und von den Palästinensern nach ihrer Vertreibung aus Palästinsnern bewohnten Städtenj Dörfern durch die ‚Zionisten‘ als Katastrophe (nakba) bezeichnet wird. Dabei wird gerne übersehen daß die Vertreibung der Palästinenser derjenigen der Deutschen aus den von der Roten Armee eroberten ost-deutschen Provinzen nicht ganz unähnlich ist, weil die Palästinenser Mitte der 30er Jahre ihren anti-imperialistischen Aufstand gegen die britische Mandatsmacht der Führung des Groß-Muftis von Jerusalem, Husseini, unterstellt hatten, der bei Hitler in Berlin ein- und ausging. Ein Verhältnis, das sich in den 60er Jahren fortsetzte, als die PLO unter den Einfluß der Sowjetunion geriet und dieses Verhältnis zu einem wichtigen Bestandteil der sowjetischen Außenpolitik im Nahen Osten wurde…
Wie also passen der unter der Regierung der National-Sozialistischen(!) deutschen Arbeiter(!)partei (NSDAP) verübte und von der Mehrheit der Deutschen befürwortete oder notgedrungen geduldete Massenmord an den deutschen und europäischen Juden mit dem Ende der 40er Jahre in Israel in der Entstehung begriffenen Jüdischen Staat einerseits und dem Anspruch der arabischen Bewohner Palästinas andererseits auf die von ihnen erhobenen Forderung nach einer palästinensischen Staatlichkeit zusammen?
Letzter Lektüreversuch
Einige Probleme, die ich mirnicht zu eigen machen werde
Bei meinen Problemen mit Eurem Text hat sich bis hierhin herausgestellt, daß es sich vielleicht nicht unbedingt um dieselben Probleme handeln muß, deren Lösung wir jeweils für bedeutsam halten.
Von mindestens drei politischen Ereignissen der letzten Jahre hat sich jedes einzelne als ein Staatsverbrechen herausgestellt, das entweder an Völkermord grenzt oder bereits einer ist: erstens, der faschistische Überfall der Russischen Föderation auf ihren Nachbarstaat Ukrajina; zweitens, das von der Hamas vor Gaza organisierte Massaker an israelischen Kibbuzbewohnern und Besuchern eines Rockkonzerts, und drittens, die Massen-Erschießung von (wahrscheinlich) mehr als 30.000 Demonstranten gegen das Mullah-Regime in Teheran durch Armee und Hezbollah. Bei jedem dieser Verbrechen gegen die Menschheit (humanity!) stellt sich an uns die (berechtigte) Frage, nicht nur, »wie das alles einzuordnen« sei, sondern auch, wie wir vor diesem Hintergrund und in dieser Situation »aus linken Stammtisch-Debatten zu ernsthaften Ergebnissen von Analysen und belastbaren Hypothesen, die eine kommunistisch fundierte Orientierung geben« [1c] , gelangen werden? Fakt ist, daß alle drei Staatsverbrechen politisch und juristisch auf das Konto der ‚Axe‘ gehen, was ihren faschistischen Charakter eindringlich vor Augen führt. Nürnberg wartet…
Abgesehen davon würde ich den politischen Ertrag von »Stammtischdebatten« als Lösungsversuch für unsere gemeinsamen „Probleme“ grundsätzlich bestreiten: sie erzeugen allerhöchstens einen Kater! Dies leider auch, wenn es sich dabei um, wie Ihr schreibt, »die Möglichkeiten und Probleme einer Revolution zum Sturz des Regimes im (?) Iran« handelte, »die alle kommunistischen Kräfte in der ganzen Welt beschäftigen sollten.« [1c].
Dazu stellen sich folgende Fragen:
1. Wer nach allem bis hierhin Gesagten diese »Kräfte« (überhaupt) sein könnten;
2. Welche Gemeinsamkeiten zwischen diesen und uns bestehen;
3. Was sich nach dem ‚kühnen Befreiungsschlag‘ der Trump-Regierung gegen das Mullah-Regime in Iran an ‚der Weltlage‘ grundsätzlich geändert haben soll?
4. Was das Mao-Zitat: „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen“ (dessen Autor von Euch ungenannt bleibt) nach über 100 Jahren Oktoberrevolution und nach dem, was bis heute aus dieser gefolgt ist, bei der mit jenen »kommunistischen Kräfte(n)« anzustrebenden Diskussion außer einer Zitatensammlung herauskommen soll?
In meinen „Lektüreversuch(en)“ war in Verbindung mit der (kritiklosen) Weiterverwendung der Leninschen Imperialismustheorie, die in der zweiten Hälfte Eures Textes in dem Satz gipfelt, daß »der deutsche Imperialismus unser Hauptfeind« sei [4b], von mir bewußt nicht darauf eingegangen worden, daß die beiden Hälften Eures Textes einander grundsätzlich widersprechen und strategisch betrachtet einander gegenseitig ausschließen, sodaß meine Versuche, beide Teile eures Aufsatzes auf einen Nenner zu bringen, scheiterten.
Vorläufiges Fazit: ‚Westlich‘-demokratische und auf der Grundlage des Manifests der Kommunistischen Partei agierende revolutionäre Bewegungen müssen zwar nicht von vornherein zueinander in einem antagonistischen Gegensatz stehen. Aber solange wir nicht darüber hinauskommen, daß einerseits »der deutsche Imperialismus unser Hauptfeind« ist, aber das Selbstbestimmungsrecht der Nationen durch die ‚Axenmächte‘ grundsätzlich nicht anerkannt und auf brutale Weise mit Füßen getreten wird, muß sich das Proletariat entscheiden, worin in dieser Zwangssituation nicht nur subjektiv sein Hauptinteresse, sondern auch objektiv der Hauptwiderspruch besteht. Wenn es meint die Bourgeoisie stürzen zu sollen, könnte es sich bei dieser Gelegenheit auch zum Komplizen des Faschismus machen; wenn es andererseits diesen ausschließlich in einem Bündnis mit der Bourgeoisie meint bekämpfen zu sollen, würde es zum Komplizen der Bourgeoisie gegen die eigenen Klasseninteressen werden. Die Verteidigung der ‚Westlichen‘ Demokratie muß nicht in jedem Fall den ‚Burgfrieden‘ mit der Bourgeoisie bedeuten. Eine solche Konstellation würde aber ein weit höher entwickeltes politisches Klassenbewußtseins voraussetzen, als durch die Beschränkung auf den Trade-Unionismus erforderlich ist.
Bei meinen Problemen mit Euren »Probleme(n) einer Revolution im Iran« hat sich bisher nur andeutungsweise herausgestellt, daß »der deutsche Imperialismus«, also die ‚westliche‘ deutsche Bourgeoisie, – in der gegenwärtigen Situation – nicht der »Hauptfeind« des Proletariats, weder in Deutschland noch im ‚westlichen‘ Europa, ist, weil die ‚westliche‘ Demokratie – vom Marxschen Kommunismus erst gar nicht zu reden – von den Axen-Mächten beseitigt und durch eine faschistische Autokratie ersetzt werden soll. Der »deutsche Imperialismus« hat in zwei Welt-Kriegen entscheidende Niederlagen hinnehmen müssen. Er wird (vorerst) nicht mehr aufstehen, um die Welt in einem dritten Versuch unterjochen zu wollen. Preußen ist tot; es sei denn, Moskau wollte mit einem Preußen in Mecklenburg-Vorpommern dessen Wiederauferstehung feiern. Wie das Leben so spielt, sind im Kapitalismus die Weltherrschaftsambitionen der deutschen Bourgeoisie an die Siegermächte der letzten beiden Weltkriege übergegangen, während sich der »deutsche Imperialismus« mit taktischer Klugheit an die neue Situation angepaßt hat. Das wird unbedingt zu berücksichtigen sein, wenn, wozu sie im Jahr 1914 nicht in der Lage gewesen waren, heute die Kommunisten erklären, daß »der deutsche Imperialismus unser Hauptfeind« sei. Als eine kurz hintereinander zum zweiten Mal geschlagene Welthegemonialmacht wird das vorerst nicht der Fall sein…
Exkurs
Irrwegeaus demgenderistischen Sprachenverkehrskindergarten
Unter dem Les-er oder den Les-ern werden in den Öffentlich-Rechtlichen Medien und der sich in ihnen immer stärker durchsetzenden Gendersprache, und abweichend von den Empfehlungen des Rats für Deutsche Rechtschreibung, keine entweder männlichen oder weiblichen Personen, die lesen (und schreiben) können, verstanden. Vielmehr sollen durch die radikale Unterdrückung männlich klingender (sic!) Wortendungen, die wegen ihrer Pluralbildung (Plural = Mehrzahl) als ‚frauenfeindlich‘ verstanden werden könnten, diese aus unserem Wortschatz eliminiert werden, sobald bei einem Wort, wie dem Les-er, auch nur der geringste Verdacht auf Frauenfeindliches aufkommt. Das wird gewiß auch für einen Les-er wiemich gelten, der sich auf das Argument zurückziehen wollte, daß der Les-er mit seiner angeblich rein männlichen Endsilbe doch genauso gut auch ein Gattungsbegriff sein könnte, durch den eine bestimmte Eigenschaft als typisch, charakteristisch, ständig wiederkehrend bezeichnet wird. – Daraufhin zunächst Schweigen im Walde!
Hinzu kommt, daß der Les-er mit seiner ausgesprochen männlichen Endung auch in der Mehrzahl als die Les-er sein frauenfeindliches Treiben fortsetzt. Dagegen hilft nur eine radikal-feministische Lösung, indem der Les-er und die Les-er zu einem Einheitsleser fusionieren, sodaß im deutschen Sprachenverkehrskindergarten der Unterschied zwischen dem Geschlecht und der Gattung bedeutungslos wird und der Les-er bzw. die Les-er (= der/die Les-er) eliminiert werden können, die im Plural ihre fürchterlich männlich klingenden Endungen dadurch verlieren, daß die Singular- und Pluralformen des Les-ers und der Les-er, also: der/die Les-er, zu einem einzigen Ausdruck miteinander verschmelzen: zu denLeser-in/nen!!!
Womit, nachdem der Les-er, durch die radikal-feministische oder ‚geschlechtergerechte‘ Wortbildung der Leser-in/nen ersetzt wurde, sich der Les-er aus dem deutschen Sprachraum verabschieden darf und nach seinem Verschwinden jede sprachliche Gemeinsamkeit zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht und der Unterschied zwischen Geschlecht und Gattung, verschwunden ist. Als einzige Gemeinsamkeit zwischen beiden Formen bleibt die zwischen Frauen und Frauen, die zur Frauen-Politik (v)erklärt wird. Ähnliches gilt auch für das Neutrum, worunter sich noch etwas Männliches versteckt halten könnte! Aber da das Kind seit Sigmund Freud kein geschlechtsloses Neutrum mehr ist, und Gemeinsamkeiten zwischen kindlicher Geschlechtlichkeit und derjenigen im Erwachsenenleben entweder bestritten oder übertrieben werden, gilt das grammatische Neutrum in der Gendersprache als ständiger Fremdkörper.
Als nicht weniger problematisch erweist sich der Fall des Mensch-en, der, als Gattung(sbegriff) par excellence, männlichen Geschlechts ist, die Öffentlich-Rechtlichen Medien aber nach ihrer Genderisierung mit Gattungsbegriffen nichts mehr zu tun haben wollen. Wie sich am Beispiel des Demonstranten zeigt, und was sich bei den Demonstrant-en im Plural fortsetzt, müssen diese, nachdem der Demonstrant als Gattungsbegriff gestrichen wurde, daher annehmen, an einer rein männlichen Veranstaltung teilzunehmen. Da hilft auch der Hinweis herzlich wenig, daß im Lateinischen mit demonstra-ntes, einem vom Infinitiv: demonstra-re abgeleiteten Partizip Präsens, in dem alle drei Geschlechter friedlich koexistieren, sodaß der Demonstrant, der sowohl im Plural wie auch als Sammelbegriff kein Problem darstellt, von den Genderist-innen als Sinnbild notorischer ‚Frauenfeindschaft‘ in den Mittelpunkt gestellt wird. Als naheliegende Konsequenz müßten sich die Demonstranten eigentlich in (Tag und Nacht?) Demonstrie–rendeverwandeln. Und da das dem Genderismus stark entgegenkommende, aber völlig geschichtslose Partizip Präsens (Wiki: Mittelform der Gegenwart) mit den Demonstrie–renden inzwischen sogar den Öffentlich-Rechtlichen Medien als allzu übertrieben vorkam, werden nun diese partizipialen Wortungetüme durch die Mensch-en ersetzt. (Spaßeshalber ließe sich für bestimmte Sendungen eine Strichliste mit den in ihnen aufgetretenen Mensch-en anlegen, um herauszubekommen, wie es in den Öffentlichen Medien um den Mensch-en bestellt ist…) Da also beide, sowohl die Demonstrie-renden als auch die Mensch-en ein gemeinsames grammatisch Schicksal teilen, ließe sich daraus im Umkehrschluß ableiten, daß alle Menschen von Natur aus Demonstrierende sind…!
Womit wir auf dem vorläufigen Gipfel genderistischer Sprach-Absurditäten angelangt sind. Denn obwohl der Mensch als höchste Gattung eigentlich über allen anderen (einschließlich der tierischen) Gattungen steht – und radikale Tierschützer daher ausgemachte Menschenfeinde sein müssen –, und weil der Mensch sich selbst und dem Menschen als Gattungswesen gegenüber alles bedeutet – auch als Hobbesischer Wolf –, haben die Öffentlich-Rechtlichen Medien diese Klippe männlicher Anmaßung dadurch umschifft, daß sie schließlich die (permanent?) Demonstrie-renden aus ihrem Dauerzustand erlöst haben und nur noch als dieMensch-en auftreten lassen. Was den Zuschau-er oder den Zuhör-er (die bis dahin ein Zuschauend-er und ein Zuhörend-er gewesen waren), in seinem berechtigten Argwohn bestärken muß: daß hier nicht nur an der Grammatik, sondern auch an der Sache selbst, den harten facts, herumgeschraubt wird! Was den im empörten Nazi-Sound deutschtümelnder Chef-Demagogen von der putinistischen AfD ebenso in den Kram paßt wie den linken Putinisten mit ihrer knallhart ‚anti‘-kapitalistischen Denke und ihrem Diskurs über die ‚systembedingte‘ Unterdrückung der Frau durch den Kapitalismus.
Und da im Deutschen aus sprach-geschichtlichen Gründen – die sich von den rein historischen nicht immer astrein trennen lassen – die Gattungsbegriffe in ihrer grammatische Form meistens männliche sind, egal, ob dieses Maskulinum entweder das Geschlecht oder die Gattung bezeichnet, wird in der sexualisierten Grammatik der Genderisten die (maskuline) Gattungsbezeichnung (der Mensch!) mit dem gender (dem männlichen Geschlecht) ‚gleichgestellt‘ und als extrem ‚frauenfeindlich‘ auf den Index gesetzt, um die deutsche Sprache auch von ihren letzten ‚machististischen‘ Relikten zu ‚befreien‘. Diese völlig geschichtslose Gleichmacherei erstreckt sich schließlich auch auf den Menschen als ‚kulturellem‘ Gattungsbegriff: wie dem Zeitungsles-er, Fußballspiel-er, Autofahr-er usw., usf. mit all ihren ‚männlichen‘ (= männlich klingenden) Wortendungen, sodaß nicht nur bei dem Zeitungsles-er, obwohl ein Gattungsbegriff, und mit der genderistischen Brille betrachtet, dieser erneut auf ein ‚rein‘ männliches Wesen reduziert wird, bei dem Geschlecht und Gattung zusammenfallen und beide (auf der abstrakten ‚Ebene‘) miteinander absolut gleich sind. Was sich auch auf die Berufsbezeichnungen ausdehnen ließe, deren Träger nach der genderistischen Logik alle eine rein männliche Tätigkeit ausüben – obwohl das bei vielen Berufen real längst nicht mehr der Fall ist –, die sich mit Hilfe des geschlechts- und geschichtslosen Partizips Präsens problemlos auf den genderistischen Index setzen lassen. Und zwar, nachdem sich aufgrund der Gesetze des Marktes und der kapitalistischen Produktionsweise der Warencharakter der menschlichen Arbeitskraft in Verbindung mit der ‚geschlechtergerechten Sprache‘ und der im Kapitalismus üblichen brutalen Gleichgültigkeit beiden Geschlechtern (genders) gegenüber dies alles längst zur Norm geworden ist!
Für das Kapital ist bekanntlich die menschliche Arbeitskraft, – wie alle (ver-)käuflichen Dinge – eine Ware. Und ähnlich, wie die Waren, sind in den Verfassungen der ‚westlichen‘ Demokratien alle Menschen gleich, während die Ware, erst nachdem für sie ein Käuf-er gefunden wird, ihren Warencharakter verlieren und für den Konsumenten ihren ‚persönlichen‘ Charakter als Gebrauchswert entwickeln kann. Der Unterschied zwischen Tauschwert und Gebrauchswert wird am Beispiel der Kunstwerke klar, die einerseits als höchster Ausdruck der künstlerischen Schöpferkraft des Menschen gelten, aber sobald sie anstatt in einem Museum, in einem Auktionshaus hängen, ihre gesamte‚Persönlichkeit‘ und Individualität verloren haben. Aber anders als der Kunstliebhaber in einem Museum, müßte der Kapitalist die zufällige persönliche Begegnung mit einer seiner Arbeitskräfte wohl eher als persönliche Peinlichkeit empfinden, weil er sich entscheiden muß, wie diese Begegnung zu interpretieren sei: als persönliche Begegnung mit einem menschlichen Gegenüber oder mit einer (abstrakt menschlichen) Verkörperung seiner Arbeitskraft als Ware? Um derartige Peinlichkeiten von vornherein zu vermeiden, legt das Kapital großen Wert auf Anonymität.
Im Unterschied dazu ist in einer Talk Show nichts ‚zufällig‘ und für den Zuschauer alles ‚Persönliche‘, das in sie eingestreut wird, mit Vorsicht zu genießen oder zu 99 Prozent ein fake, der nur dazu da sein soll, einen Wirkungstreffer zu erzielen – während dem unbefangenen Zuschauer, der die ‚persönlichen Einstreuungen‘ des Talk Masters für bare Münze nimmt, diese als Gipfel der Peinlichkeit erscheinen müßten. Diese scharfe Grenzziehung zwischen der Show und der Person müssen Talkmaster, Politiker, Journalisten, Kapitalisten etc., um sich nicht (auch nicht vor sich) selbst lächerlich zu machen, unbedingt einhalten. Bei den ‚Sozialen‘ Medien gehört gerade dies zu den üblichen Gestaltungsmitteln und -methoden ihrer Macher und läuft auf den systematisch erzeugten (Selbst-)Betrug hinaus. Dabei hilft auch nicht wirklich, wenn die bei diesem Geschäft in die Falle Gegangenen sich in einen ‚anderen‘ Gesellschafts-Zustand hinüber träumen, wo die eigene Arbeitskraft keine (Mehrwert produzierende) Ware und nach Proudhon ‚Eigentum‘ kein ‚Diebstahl‘ ist. Selbst wenn Proudhon mit seinem Ausspruch recht hätte, bliebe die bürgerliche Gesellschaft weiterhin in Arbeitskraftbesitzer und Kapitalisten oder in Lohnarbeit und Kapital gespalten.
Außerhalb der Fabrik tritt der Lohnarbeiter als Besitzer einer gewissen Geldsumme, dem Arbeitslohn, und abzüglich seines Tributs an den Staat, als potentieller Käufer von Waren aus dem Warenkapital der Kapitalistenklasse auf Waren, die zuvor von der Arbeiterklasse eigenhändig produziert wurden, damit sich der Arbeitslohn in die Konsumptionsmittel der Familie des Lohnarbeiters und das Warenkapital in den Profit des Kapitalistenklasse verwandeln werden. Und während dem Geldbetrag im Besitz des Lohnarbeiters dessen Herkunft als Arbeitslohn nicht mehr anzusehen ist, treten Käufer und Verkäufer einander als Gleiche gegenüber, sodaß die Gleichheitsprinzipien der ‚westlichen‘ Demokratie hier eindeutig kein fake sind. Ihr Manko – auch das in dem Satz Proudhons – besteht darin, daß von der ‚westlichen‘ Demokratie, auch vonseiten ihrer – auch kommunistischen – Gegner Dinge verlangt werden, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Verfassung und der darin vorhandenen inneren Widersprüche von sich aus nicht lösbar sind. Daß aber der Sturz der ‚westlichen‘ Demokratie durch wen auch immer und unter diesen Voraussetzungen einen Freifahrtschein für die Ausbreitung von faschistischen Autokratien Richtung ‚Westen ‘ bedeuten würde.
Als Vertreter antagonistischer Klassen(-interessen) treten die Besitzer des sich in Konsumptionsmittel verwandeln werdenden Arbeitslohns dem Besitzer des Warenkapitals, das sich (vermittelt durch -zig Agenten und Zwischenhändler) in Profit verwandeln soll, oder die Lohnarbeit als Geldbesitzer dem Kapital als Warenverkäufer einander (erneut) gegenüber, wobei dem Geld des Lohnarbeiters seine Herkunft als Arbeitslohn nicht mehr anzusehen ist, sodaß für einen Moment Käufer und Verkäufer einander als Gleiche gegenüberstehen. Ähnliche Probleme wie die Genderisten mit der Verschiedenheit von Geschlecht und Gattung haben auch die Ökonomisten mit der grundsätzlichen Verschiedenartigkeit der Interessen der Lohnarbeit(er) und des Kapitals oder damit, daß ein Paar Schuhe aus zwei verschiedenen Schuhen besteht, die nicht mehr zusammenpassen , wenn man sie verkehrt herum anzieht.
Computer können von ‚Menschen‘ verfaßte Texte ‚lesen‘, ähnlich wie die Tiere zwischen Mensch und Tier eingespielte Gesten und Verhaltensweisen in eigene Handlungen zu übersetzen lernen. Zu einem solchen Verhalten soll auch der genderistisch konditionierte ‚Mensch‘ von Genderisten und Staat animiert werden, nachdem eine ursprünglich kulturrevolutionäre Bewegung mit ihrem Sinn für die Differenzierungen in den Beziehungen zwischen den Geschlechtern sich auf den Genderismus (Judith Butler) eingelassen hatte und damit anfing, mit den Öffentlichen Medien zu kooperieren und den Genderismus in homöopathischen Dosen zu verstaatlichen.
Der Genderismus: seine Erfolgsgeschichte begann zunächst damit, daß an die Autofahr-er, um sie von ihrer angeblich machistischen Endungen zu ‚befreien‘, ein garantiert frauenbewegt wirkendes –innen angehängt wurde, und er sich bis in die Öffentlichen Medien ausbreiten durfte, bis diesen die ‚genderisierten‘ Autofahrer-innen schließlich als ein wenig zu erkünstelt erschienen. Seitdem sind nach dem frauen-feindlichen ‚Les-er‘ und ‚Zeitungsles-er‘ auch die geschlechter-gerechten Autofahrer-innen zunehmend out, die schließlich durch die Menschen ersetzt wurden, ein eigenschaftsloses Abstraktum bürokratischer Reformen, das sich für alles oder gar nichts und nach Belieben in jede Leerstelle einsetzen läßt –, wobei auch nur den allerwenigsten aufgefallen zu sein scheint, wie redundant und inhaltsleer der Mensch in Wirklichkeit ist: weil Tiere, was eigentlich eine Binse ist, nun mal keine Zeitungsles-er sind…?
Meine Blütenlese aus den vom Genderismus ins Deutsche eingeführten Sprachklöpse mag für sich genommen als ziemlich skurril erscheinen. Sie wird, wie zu erwarten ist, vielleicht auch ebenso sang- und klanglos wieder verschwinden, wie sie sich mit staatlicher Unterstützung in die Alltagssprache hat einschleichen wollen. Wobei sich noch gar nicht einschätzen läßt, mit welchem Ballast an Rechtschreib-Unsinn sich die heutigen Schulkinder als spätere Erwachsene werden herumschlagen müssen. Sprachbewußte Sprech-er innerhalb der hochdeutschen Sprachfamilie, zu der unzählige Dialekte und nationale Varianten gehören, die einander rasend schnell ablösenden und von der Werbung gepushten Slangs nicht mit eingerechnet, werden auch wissen, daß in der Zeit zwischen 1933 und 1989 mit der Einführung von Sprechverboten und sprachlichen Zwangscharakteren die Tür zum staatlich organisierten Sprachterror aufgestoßen wurde, der heute in den faschistischen Autokratien Rußlands und Chinas, seine Fortsetzung findet. Wer unter Putins Neuem Zarentum den Namen Nawalnys in der russischen Öffentlichkeit laut ausspricht, wird mit ziemlicher Gewißheit eben dort landen, wo Nawalny von Putin und ‚seinen Leuten‘ ermordet wurde. Aber auch in Deutschland werden die Kontrolleure unseres ständig sich wandelnden zwischen-menschlichen Sprachverhaltens nicht ruhen, bis sie den sprachlichen Eigensinn des Mensch-en abgetötet haben, während sie ständig dabei sind, das Überschreiten sprachlicher Fahrbahnbegrenzungen präventiv zu sanktionieren, um das sprachliche Selbstbewußtsein einzuhegen und den Schlüssel in die Spree schmeißen…
Und wie zur Bestätigung dieses Exkurses titelt das Neue Deutschland vom 19.Juni 2026, anläßlich des Parteitags Der Linken mit dem selbstironisch (?) daher kommenden Aufmacher: ARBEITERIN, HÖRST DU UNS NICHT? – (???), womit auf jeden Fall schon mal der Konflikt zwischen der Gattung und dem Geschlecht per ordre di Mufti beigelegt ist. Denn noch vor kurzem hätte das ND die ARBEITERIN vor ihrer letzten Silbe mit einem ‚geschlechtergerechten‘ Bindestrich versehen. Oder meint Die Linke den heutigen von Putin inspirierten deutschen Faschismus allein mit ihrer LINKEN Frauen-Power schlagen zu können? Wenn sie das ernsthaft wollte, dann jedenfalls nicht so. Aber vielleicht will sie das ja auch gar nicht, weil alle Wege nach Moskau führen, um der Gnade Putins teilhaftig zu werden?
Hitler hat sich mit seiner Arbeiterpartei an die Gesetze der Deutschen Rechtschreibung gehalten im Unterschied zu manch anderen Gesetzen, die er skrupellos gebrochen hat. Der ARBEITER enthält als pars pro toto auch die ARBEITERIN so, wie der Kommunismus das Matriarchat, aber das Matriarchat nicht zwangsläufig den Kommunismus. Hitler hat keinen NS-Genderismus erfinden müssen. Die ‚doitsche Frau‘ war für die Nazis stattdessen eine zu ‚Lebenslänglich‘ verurteilte Gebärmaschine und Reparaturwerkstatt für den an der Front erlittenen männlichen Seelenschmerz. In der Unterwerfung der Weiblichkeit ging der NS aber nicht soweit wie für gewöhnlich der Mullah, der einer Neunjährigen die Heiratsfähigkeit attestieren darf. Frappierend erscheint viel eher, daß Hitler in den sozialistischen Traditionen der europäischen ARBEITERBEWEGUNG gewildert hat, die auch vom National-Sozialismus für seine Arbeiter-Partei in Anspruch genommen wurden, die Arbeiter aber bei der nachträglichen Bewältigung des Faschismus so gut wie keine Rolle spielen. Sozialisten gab es in Deutschland seit Lassalle und Bebel, und Arbeiterparteien gab es in ganz Europa. Wirklich neu bei den NAZIS ist die von Mussolini, – vor dem ersten Weltkrieg: Chefredakteur einer sozialistischen Zeitung – geschaffene Kombination aus Nationalismus und Sozialismus, wobei national auf das Revolutionsjahr 1848 zurückgeführt werden könnte und sozialistisch auf das Gothaer Programm der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, von deren Programm sich Marx und Engels 1865 lossagen. Nur demokratisch sucht man in Hitlers national-sozialistischer deutscher Arbeiterpartei vergebens. Vielleicht auch, um den leninistischen Arbeitern um den Bart zu gehen, die nach dem Wahlsieg von Hitlers Arbeiterpartei 1933 bald massenhaft in diese eintraten.
Von seiten des aufmerksamen Les-ers könnte abschließend die Frage gestellt werden: worin sich der Macho-ARBEIT-ER der AfD von der ARBEITERIN Der Linken (mit dem stornierten Bindestrich) schießlich noch voneinander unterscheiden? Daß möglichst viele ARBEIT-ER die AfD bzw. die ARBEITERIN ohne Bindestrich Die Linke wählen mögen? Unter dem Strich darf auch nicht vergessen werden, daß die National-sozialistische deutsche ARBEIT-ERpartei es war, die damit begann, Geschlecht und Gattung mit Nation und Rasse zu einer tödlichen Mischung zu kombinieren. Marx hatte es vehement abgelehnt, anstelle des Manifests der kommunistischen Partei ein nationales oder sozialistisches Manifest zu schreiben, was 1849 vielleicht viel näher gelegen hätte. Wenn das heute als visionär erscheinen mag, dann bezog er diese Klarheit nicht zuletzt von Hegel, Ricardo und vom französischen Sozialismus, der 1871 in Paris zwar heldenhaft gescheitert war, aber ein riesenhaftes Versprechen auf die Zukunft der Menschheit lieferte, dessen Erfüllung sich heute noch drängender als je zuvor stellt…
Meine Untersuchung der aus dem genderistischen Sprachkindergarten herrührenden und ans Absurde grenzenden genderistischen Sprachenverkehrsregelungen sind bisher, soweit mir bekannt, von niemandem als so gefährlich erachtet worden, um sie beispielsweise als besonders wirkungsvolle Varianten der Hybriden Aktionen des Putinismus zu verstehen, so unsinnig sich der Genderismus innerhalb der deutschen Sprachfamilie konkret ausnimmt. Die putinistische deutsche Rechte jedenfalls wartet bereits mit heißem Begehr und voll gespannt auf den nächsten von den Genderisten und der westlichen Linken verbrochenen Sprachklops, für den von Putin bis Trump pauschal dann erneut unsere ‚westliche‘ Dekadenz haftbar gemacht wird. Die Verteidiger der ‚westlichen‘ Demokratie sollten sich angesichts der dem ‚Westen‘ drohenden faschistischen Autokratie der Axen-Mächte auch angesichts dieses Exempels eines besseren belehren zu lassen.
1 „Probleme einer Revolution im Iran. Zur Einschätzung der aktuellen politischen Lage und ihrem Hintergrund“ in: GEGEN DIE STRÖMUNG 4-5/2026.
2 Vgl. den abschließenden Exkurs: „Irrwegeaus demgenderistischen Sprachenverkehrskindergarten“.
3 »Das „Kommunistische Manifest“ hatte zur Aufgabe, die unvermeidlich bevorstehende Auflösung des modernen bürgerlichen Eigentums zu proklamieren. In Rußland aber finden wir, gegenüber rasch aufblühendem Schwindel und sich eben erst entwickelndem bürgerlichem Grundeigentum die größere Hälfte des Bodens im Gemeinbesitz der Bauern. Es fragt sich nun: Kann die Obschtschina, eine wenn auch stark untergrabene Form des uralten Gemeinbesitzes am Boden, unmittelbar in die höhere des kommunistischen Gemeinbesitzes übergehen? Oder muß sie umgekehrt vorher denselben Auflösungsprozeß durchlaufen, der die geschichtliche Entwicklung des Westens ausmacht? Die einzige Antwort hierauf, die heutzutage möglich, ist die: Wird die russische Revolution das Signal einer proletarischen Revolution im Westen, so daß beide einander ergänzen, so kann das jetzige russische Gemeineigentum am Boden zum Ausgangspunkt einer kommunistischen Entwicklung dienen.« Karl Marx, Friedrich Engels: [Vorrede zur zweiten russischen Ausgabe des „Manifests der Kommunistischen Partei“]. (MEW 19,296).