Kommunismus 

Zwei Briefe zum Kommunismus

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Vorbemerkung
Diese beiden Briefe hätten erst nach Ablauf dieses Jahres unter der Kategorie KOMMUNISTISCHE KORRESPONDENZ hier bzw. auf der Web Site des communist correspondence blog veröffentlicht werden sollen. Wenn dies vor der Zeit geschieht, dann weil die Diskussion besonders über zwei Fragen keinen Aufschub duldet:

– wie hältst du‘s mit der Linken,

(die zum ersten Mal in einem Bundesland der alten BRD an die Regierung kommen und nach der nächsten Bundestagswahl wahrscheinlich an der Regierung beteiligt werden wird) und

– wie mit dem Kommunismus

(der VR China, die die frühere Sowjetunion als Hinterland der ‚westlichen‘ Linken dabei ist abzulösen und die sich 80 Jahre nach der letzten Weltwirtschaftskrise als ernstzunehmender Kandidat für die politische Bewältigung ihrer sozialen Folgen den Interessen der Weltbourgeoisie anempfiehlt)?!

Chinas Neue Bourgeoisie hat aus dem Scheitern des Kommunismus in der Sowjetunion und dem Zusammenbruch ihres Staatsapparates gelernt: Anstelle des Proletarischen Internationalismus, der ohnehin nie etwas anderes denn eine großrussische Farce gewesen war, vertritt sie den nationalen Egoismus, den sie bei der Alten Bourgeoisie vorgefunden hat – auf chinesisch, d.h. auf der Grundlage eines orientalisch-despotischen Staatskapitalismus, unter dem das private Kapital die ‚Freiheit‘ hat, sich der Selbstherrschaft der Kommunistischen Partei zu unterwerfen oder unterzugehen. Es darf bezweifelt werden, ob die westlichen Kapitalisten, einschließlich jener, die in China immer noch märchenhafte Profitraten einfahren, auch nur einen Moment schwanken werden, wenn sie vor die Wahl zwischen der ‚westlichen Freiheit‘ und der Rettung ihre Profite gestellt sind. Die Kantische Ethik gehört bei ihnen wie bei ihren Politikern nicht gerade zu ihrer Leib- und Magenlektüre. Abgesehen davon haben sie genug mit den dem Kapitalismus innewohnenden Antinomien zu tun, die von Früh bis Spät zu bändigen sind.

Den Parteigängern des Marx-(Engels)schen Kommunismus ist es bisher nicht gelungen, ihr theoretisches Schneckengehäuse zu verlassen und der Alten und Neuen Bourgeoisie politisch entgegenzutreten. Ein Grund dafür ist, daß sie es für ausreichend gehalten haben, den Marxismus der Neuen Bourgeoisie bisher als unmarxistisch und konterrevolutionär zu entlarven, obwohl dieser längst keine ‚Abweichung‘ mehr vom Pfad revolutionärer Tugenden darstellt, sondern schlicht unter marxistische Propaganda einzuordnen ist, mit der der Machtanspruch für den Machtantritt der Neuen Bourgeoisie legitimiert und ideologisch vorbereitet wird.

Ein weiterer Grund war, daß jene Parteigänger keinen Ausweg aus der politischen Zwickmühle wußten, um das nationale Terrain für den Kommunismus in Deutschland zu verteidigen, ohne in die üblichen Stereotypen des rechten Nationalismus oder linken Anti-Nationalismus zu verfallen. „Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.“ (MEW 4,479) Auch wenn das Proletariat heute weit davon entfernt ist, „sich selbst als Nation zu konstituieren“ oder konstituieren zu müssen, muß es für sich zumindest die Möglichkeit erhalten, diesen Weg überhaupt einzuschlagen.

So groß die Empathie für den aus der Shoah geborenen jüdischen Nationalismus, u.a. vertreten von den Antideutschen, sein mag, so täten sie sich selbst keinen Gefallen damit, wenn sie das Existenzrecht des jüdischen Staates auf der Zerstörung der deutschen Staatlichkeit gründen wollten. Damit würden sie nicht nur den linken (Sozial)imperialismus der ‚westlichen‘ Linken (positiv) bestätigen, die es auf diesem Gebiet nie weiter gebracht hat als sich dieser oder jener anti-’westlichen’ Hegemonialmacht als marxistische Quislinge an den Hals zu werfen: sie würden auch den unaufhaltsam erscheinenden Wiederaufstieg des Nationalsozialismus durch von ihnen übertriebene negative Bestätigungen (‘Bomb Harris, bomb!’) begünstigen.

Die Widersprüche zwischen den Parteigängern des Marx(Engels)schen Kommunismus und dem traditionell konterrevolutionären Kommunismus der deutschen Linken (der sich als Eurokommunismus, linker Sozialdemokratismus, Anarchismus rosa, rot, grün oder schwarz getarnt hat) haben seit der Niederschlagung des ‘Arabischen Frühlings’ durch die neuen Hegemonialmächte einen antagonistischen Charakter angenommen, der sich immer weniger unter einer zunehmend dünner werdenden demokratischen Decke halten läßt. Soweit das Ziel ihrer pseudo-revolutionären Phrasen auf die Vernichtung der deutschen Staatlichkeit hinaus läuft, ähnelt diese Politik der Vernichtung der polnischen Staatlichkeit und derjenigen der baltischen Staaten, die in den 30er Jahren von Hitler und Stalin liquidiert wurde, gefolgt von einer langen Reihe weiterer Länder, die in faschistische bzw. sozialfaschistische Satrapien der Sowjetunion und des Deutschen Reiches verwandelt wurden.

Die fragwürdige Rolle, die seinerzeit die westliche Bourgeoisie in ihrem Existenzkampf gegen den deutschen Nationalsozialismus gespielt hat, steht zwar auf einem andern Blatt, bleibt aber für die Parteigänger des Marx(Engels)schen Kommunismus in ihrem Kampf gegen den neuen Faschismus als Menetekel zwischen München und Potsdam erhalten.

Die hier ‚abgedruckten‘ beiden Briefe sind an Teilnehmer der theoretischen Debatten über den Marxschen Kommunismus gerichtet, die sie auf den Arbeitsspuren von Marx und Engels sich entschlossen haben fortzusetzen. Aber die darin zum Arbeitsprinzip erhobene Verteidigung des Marx(Engels)schen Kommunismus auf theoretischem Gebiet findet nach wie vor zwischen Baum und Borke, im Widerstreit zwischen revolutionärer Theorie und politischer Praxis statt. Die Voraussetzungen dafür, ob daraus eine revolutionäre Praxis entstehen wird, entscheidet sich nicht (allein) anhand der Richtigkeit oder Fehlerhaftigkeit der revolutionären Theorie. Die falsche Entscheidung, ob ich mich bei einem aufziehenden Gewittersturm unter das ausladende Blätterdach eines alten Baums stellen oder platt auf den Boden legen sollte, kann tödliche Folgen haben…

Die Fußnoten wurden nachträglich eingefügt; die eckigen Klammern innerhalb des Textes  haben erläuternden und ergänzenden Charakter. Darüber hinaus sprechen die beiden Briefe für sich und bedürfen keiner weiteren Kommentierung.

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