Kritik 

An Django Schins: Zur Kritik am Projekt partei Marx

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Inhalt

In dieser Antwort an einen Kritiker des Projekts partei Marx (siehe Anhang 1) wird die Neubestimmung des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie durch den Widerspruch zwischen dem Einzelmenschen und dem Kapitalismus, wie er seinerzeit von der Anti-Globalisierungsbewegung vertreten wurde, bezogen auf das Manifest der kommunistischen Partei (KM) zurückgewiesen. Der Kritiker hatte sich ausschließlich zwei Sätze aus »Ein Gespenst geht um in Europa…« ([2001] KOMMUNISMUS 1), worin das Projekt vorgestellt wird, vorgenommen, in denen die »Globalisierungsgegner« kritisiert werden, die »den Tagungskalender des kapitalistischen Weltkrisenmanagements« abarbeiten, um dieses »zu einer vernünftigen Regulierung des Elends auf dieser Welt zu überreden«. Aber der nach den Demonstrationen von Seattle und Genua auf den kontinentalen Sozialforen und den Weltsozialforen unter der Losung »eine andere Welt ist möglich« ausgerufene Aufstand der vielen Einzelnen gegen den »entfesselten Kapitalismus« erweist sich bei näherem Hinsehen als einer der üblichen Trugschlüsse des „linken“ kleinbürgerlichen Spießers über sich selbst und, was ihm Django Schins freudig zugesteht, über sein »durchaus egoistisches Interesse« als »Allgemeininteresse … an allgemeiner Wohlfahrt, das den Sozialstaat trägt«.

Dieses »Allgemeininteresse« wird in Negri/Hardts Empire von der »multitude« als dem neuen revolutionären Subjekt vertreten, deren ‚weltrevolutionäre Bewegung‘ zum Sturz jenes »Empire« (= der Bush-Administration) führen werde. Bereits in Thomas Hobbes‘ Leviathan ist diese »multitude« im Grunde nichts anderes als die Summe der bürgerlichen Individuen, die in einem wechselseitigen Vertrag untereinander vereinbaren, auf das »Recht auf alles«, dessen Ausübungsmonopol sie auf den Souverän übertragen, gegenseitig zu verzichten. Der Aufbruch der Anti-Globalisierer in die »neue Welt«, die »möglich ist«, ähnelt auch nicht zufällig dem Auszug der römischen Plebejer (secessio plebis) auf den mons sacer, d.h. dem von Negri/Hardt erträumten »counter Empire«, das heute in Kuba, dem Iran oder in der Volksrepublik Korea anzusiedeln wäre.

Fazit: In der zu neuen Ehren gelangten Hobbesischen »multitude« sind die aus dem KM herzuleitenden Bestimmungen des Proletariats durch diejenigen der römischen Plebs und die Klassenkämpfe zwischen Proletariat und Bourgeoisie durch den Kampf zwischen den »freien Reichen und den freien Armen«, die beide auf Kosten der Gesellschaft leben (Marx), ersetzt worden.

Die in »Ein Gespenst geht um in Europa…« gestellte zentrale Frage: warum das moderne Proletariat aufgehört hat, »seinem historischen Beruf als Totengräber des Kapitalismus« nachzugehen, wird von dem Kritiker schlicht umgangen. Ihm kommt es wesentlich darauf an, den »Sozialstaat«(Hobbes: »commonwealth«), wie er seit dem Ahlener Programm der CDU von 1947 praktiziert wird, beim Wort zu nehmen, um der ungehemmt sich austobenden Verwertungslogik des Kapitals einen Bremsklotz vorzuschieben, d.h. den angeblich neu entstehenden Manchester-Kapitalismus (genannt: „Neoliberalismus“) durch den Rückgriff auf besagten „Rheinischen Kapitalismus“ zu zähmen.

Derartige Dressurversuche sollen sich nach Michael Brie auch schon in früheren Zeiten durch die Einwirkung des „Sozialistischen Lagers“ auf das westdeutsche Kapital als erfolgreich erwiesen haben, weshalb sich dieses seinerzeit zur Einführung eines politisch modifizierten »Akkumulationsregimes« gezwungen gesehen habe. Unter heutigen Voraussetzungen, d.h. dem nicht mehr nur moralischen Druck, den das neu entstehende anti-‘westliche‘ Lager, auf den „Neoliberalismus“ ausübt, kann sich Uwe-Jens Heuer als Antwort auf die Forderung der »multitude« nach Abschaffung des „Neoliberalismus“ auch eine »Staatsentstehung der sozialistischen Bewegung« vorstellen, deren zwangsläufig dabei hervortretende »barbarische Seite« wegen des quasi »naturgesetzlichen Ablaufs« derartiger Prozesse nicht immer zu vermeiden sei (vgl. REFLEXIONEN).

Solche Staatsschöpfungen »der sozialistischen Bewegung«, die sich unhinterfragt und ohne die leisesten Zweifel zu erregen, im politischen Repertoire der heutigen Linken niedergeschlagen haben, wären etwa zwischen Venezuela, das sich auf dem Weg zu einem zweiten Kuba befindet und dem „rohen Kommunismus“ der Koreanischen Volksrepublik als der radikalen Zuspitzung des notdürftig „westlich“ zivilisierten chinesischen Stamokap anzusiedeln. Daran gemessen laufen die Segnungen des „Rheinischen Kapitalismus“ auf die Gründung einer ‚westlich‘ modernisierten zweiten DDR hinaus. Diesmal unter dem Druck der gegen den Irak-Krieg der USA 2003 gegründeten Achse Peking-Moskau-Berlin-Paris, der ökonomisch in der Ostsee-Pipeline der Firma Gazprom aufgebaut und durch den sozialen Druck des von unserem treusorgenden Sozialstaat herangezüchteten modernen deutschen Plebejertums ergänzt wird, der einer neuen (bonapartistischen) Bourgeoisie erlauben würde, (indem sie völlig verfassungskonform und „demokratisch“ die Machtfrage stellt), ihre alten Machtpositionen wieder einzunehmen. Denn, so Django Schins: »Druck erzeugt Gegendruck…« Wie könnte es anders sein!

Dies die versteckte Botschaft, die aus der von der Sozialstaats-Linken aufgerollten „sozialen Frage“ politisch herauszulesen ist. Dabei wird geflissentlich der Tatsache aus dem Weg gegangen, daß dieser „Sozialstaat“ unter den Bedingungen eines ‚barock‘ anmutenden Steuersystems zugunsten von big money und big business zu einem hohen Prozentsatz von der Masse der „regulär beschäftigten“ lohnabhängigen Bevölkerung finanziert wird. In der politischen Propaganda Der Linken kommt jedoch die Sozialhilfe „vom Staat“ wie die „Armut von der pauvreté. Kein Wunder, daß sich die »Totengräber des Kapitalismus in dessen Hochburgen« im Streik befinden. Lieber zahlen sie ihren Tribut an die deutsche Rest-Armut als unter die Wölfe einer von der wiedervereinigten Linken erträumten Neuauflage der DDR zu fallen.

Die politische Wirksamkeit dieses hervorragenden Kalküls ist aber zum Glück begrenzt. Es wird auf die Dauer nicht verhindern, daß jene »Totengräber des Kapitalismus«, um zu ihrem »revolutionären Beruf« zurückzukehren, sich als Klasse gegen alle Spielarten der Bourgeoisie, ob alte oder neue, linke oder grüne, werden organisieren müssen, um nicht nur sich, sondern die Menschheit vom Joch des Kapitals und der Ausbeutung der Natur durch das Privateigentum zu befreien.

Zu diesen Überlegungen gehört zuallererst die Aufarbeitung der im 20. Jahrhundert uneingelösten revolutionären Strategie der „Partei Marx“, die zwischen zwei Konterrevolutionen – einer präventiven (durch den deutschen Nationalsozialismus) und einer institutionellen (durch den großrussischen Sozialimperialismus) aufgerieben wurde. Ohne sich im Kern als Klasse für sich organisiert zu haben, endet das Gewinnen von sog. Mehrheiten in der Bevölkerung regelmäßig bei dem oben charakterisierten Sozialarbeiter-Sozialismus, von dem sich jener Teil der deutschen Linken ernährt, die es sich nach Django Schins zur Aufgabe gemacht hat, die humanistische Seite der Bourgeoisie gegen ihre barbarische zu stärken und dadurch zu verhindern, daß das deutsche Kapital gegen seine eigenen »Existenzinteressen« handelt. Bei diesen Winken mit dem Zaunpfahl, mit denen sich der »reform-revolutionär-dialektische Klassenkämpfer« gegen den ‚westlichen‘ Kapitalismus bei den Chávez, Ahmadinedschad e tutti quanti den nötigen Rückhalt zu verschaffen hofft, kann unser Kritiker mit der historisch bewiesenen enormen Anpassungsfähigkeit des deutschen Kapitals rechnen, die es im Umgang mit allen möglichen Klassenkämpfern ‚von oben‘ von Bismarck über Hitler bis Honecker bewiesen hat, um seine Monopolstellung auf dem Weltmarkt zu verteidigen oder ein solches zu schaffen, wobei es inzwischen auch gelernt hat, seine Interessen, für die die Völker seit jeher den Kopf hinhalten müssen, auch ohne Anwendung außerökonomischer Gewalt durchzusetzen. Der „Sozialstaat“ dient daher in erster Linie der „sozialen Sicherheit“ des Kapitals und der Aufrechterhaltung des Kapitalverhältnisses, unter welcher politisch opportunen Taktik auch immer!

Dem hat sich die Kernbelegschaft der deutschen Arbeiterklasse mit ihren staatsmonopolistisch formierten Gewerkschaften ziemlich nahtlos angepaßt. Gemessen am Durchschnitt der Reallöhne im Weltmaßstab lägen die deutschen zwar weit darüber und die chinesischen weit darunter. Dennoch verteidigen die deutschen Arbeiter mit der Verteidigung ihres Reallohns die zukünftigen Reallöhne der chinesischen Arbeiterklasse. So gesehen dient die Aussperrung von sog. Billiglöhnern, wie sie, unterstützt von den deutschen Monopolgewerkschaften, von der deutschen Linken gefordert wird, der Aufrechterhaltung der bevorzugten Stellung der Arbeiteraristokratie gegenüber dem „polnischen Klempner“, aber gleichzeitig der Verbesserung jener von „Kapital und Arbeit“ in gemeinsamer Anstrengung geschaffenen Versicherungsagenturen gegen den Klassenkampf.

Ausgehend von der Marxschen Parteilichkeit ist der sozialchauvinistischen Kirchturmpolitik, wie sie auch von Django Schins vertreten wird, die Organisierung des politischen Klassenkampfs des Weltproletariats gegen das Weltkapital entgegenzusetzen, der sich nicht nur gegen die alte Bourgeoisie mit ihrem alten, sondern auch gegen die neue Bourgeoisie, die mit ihrem neuen Faschismus aus dem Realsozialismus und den ursprünglich revolutionären nationalen Befreiungskämpfen der „Dritten Welt“ hervorgegangen ist, zu richten hat. In diesem politischen Klassenkampf bilden diese Bourgeoisien gemeinsam eine Einheitsfront gegen das Weltproletariat.

Django Schins meint dagegen immer noch seine Warnung gegen die alte Bourgeoisie ausstoßen zu müssen, sie solle ja nicht zu glauben, »sich ohne DDR und mit schwachen Gewerkschaften alles erlauben zu können«. Dabei hat er den Einfluß, den der bis an die Zähne bewaffnete Reale Sozialismus einst auf die Klassenverhältnisse in Westdeutschland ausgeübt hat, vor Augen, während er den ökonomischen Druck des westdeutschen Kapitals über die verlängerte Werkbank DDR auf den anderen Teil der deutschen Arbeiterklasse ebenso ignoriert, wie die Tatsache, daß das westdeutsche Kapital diesen moralisch-militärischen Druck auf die sozialen Verhältnisse in Westdeutschland dadurch höchst einträglich hat kompensieren können.

Nachdem diese Geschäftsgrundlage entfallen ist und weil die sich im Weltmaßstab formierenden „Gegenkräfte“ (auch »die staatlichen« s.o. U.-J. Heuer) noch relativ schwach entwickelt sind, bietet Django Schins der westdeutschen Bourgeoisie einen „historischen Kompromiß“ an, um den wild gewordenen Kapitalismus der vielen profitgierigen Einzelkapitalisten im Interesse des »Gesamtkapitalisten« durch staatliche Intervention wieder an die Leine zu legen. Dadurch würde sich Der Linken ein Zeitfenster öffnen, das sie in die Lage versetzt, der »multitude« konkrete »Alternativen« anzubieten.

Die Orientierung am Kommunismus der „Partei Marx“ liefe dagegen auf einen Kommunismus à la Pol Pot hinaus. Bei derartigen Vergleichen sollte sich der Kritiker aber besser an die eigene Nase fassen und sich z.B. die klammheimliche Freude in Erinnerung rufen, mit der die Angriffe des Djihadismus auf die Weltmacht des Kapitals seit jenem 11. September 2001 in der Linken Presse kommentiert werden. Denn dieser religiös getarnte Rassenkrieg läßt sich durchaus als die direkte Fortsetzung jenes gegen die nicht-kleinbäuerliche kampucheanischen Gesellschaft geführten sektiererischen „Klassenkriegs“ begreifen, der 2001 nur eine globale Steigerung in einem religiös getarnten Rassenkrieg gegen die ‚westliche‘ Welt erfahren hat und den die angegriffene kapitalistische Weltmacht ihrerseits nur mit einem Rassenkrieg gegen die arabische Welt zu beantworten wußte, bei dem sie vorgab, die Menschheit gegen den Djihadismus zu verteidigen. Daher gehört der 11. September und seine auf der ‚westlichen Seite‘ von der Linken genüßlich ausgeschlachteten (vermeidbaren) ethnizistischen Reaktionen des „Westens“ zu den politischen Druckmitteln, die es ihr erleichtern, mit der alten Bourgeoisie in dem von ihr angestrebten historischen Kompromiß besser ins Geschäft zu kommen. Der dafür erforderlichen Beschaffung parlamentarischer »Mehrheiten« scheint allein der Popanz des von der partei Marx »imaginierten revolutionären Proletariats als Klasse« im Wege zu stehen, durch den verhindert wird, daß das Kapital ohne „roten Terror“ in die Schranken gewiesen werden würde…

Diesen auf sanftem Wege zu erfolgenden Machtergreifungsphantasien der Neuen Bourgeoisie fehlt bezeichnenderweise jegliche Unterscheidungsfähigkeit zwischen symbolischen und wirk-lichen Klassenkämpfen, vor allem, wenn man sich den leer- und totlaufenden Symbolismus der »Gegenkräfte« in den Metropolen des ‚westlichen‘ Kapitals vor Augen führt, der, wie in alten Zeiten von durch und durch abstrakten und politisch hohl tönenden Bekenntnissen zum „Kommunismus“ begleitet wird, den die Alte Bourgeoisie aus propagandistischen Gründen für bare Münze zu nehmen vorgibt. Ob die Wirk-lichkeit einer revolutionären Massenbewegung mit der Wirk-lichkeit der gesellschaftlichen Widersprüche übereinstimmt, läßt sich wunderbar an der Linken Reaktion auf einen linken ungarischen Politiker demonstrieren, der rundheraus erklärte, daß alle Politiker lügen. Anstatt die üblicherweise zu erwartende Empörung der linken antikapitalistischen Mehrheit zu orchestrieren, wäre dieser Ausspruch eigentlich hervorragend geeignet gewesen, um die Paradoxien vorzuführen, in die sich ein Politiker innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft befindet, und zu zeigen, daß es daraus keinen anderen Ausweg gibt als diese (kretische) Paradoxie (…daß alle Kreter lügen) zu verlassen und statt dessen den politischen Klassenkampf der Klasse der Lohnabhängigen gegen die der Bourgeoisie zwecks Verteidigung der Reallöhne vorzuschlagen, sollen die ungarischen Arbeiter nicht den Faschisten überlassen werden. Sicherlich eine Alternative, die in einem Land, das den un-wirklichen Sozialismus großrussischer Prägung noch nicht lange hinter sich hat, nicht unmittelbar einleuchten mag.

Dagegen paßt es dem Kritiker gut in den Kram, einige lang gehegte Aversionen gegen »parteidiktatorisches« Verhalten aus der „anti-stalinistischen“ Mottenkisten hervor zu kramen. Diese reichen aber wiederum nicht so weit, um sie auch der „kommunistischen“ Stasipartei Westdeutschlands teilhaftig werden zu lassen. Die »permanente Kritik an der DKP« hält er für »geschenkt«, da sich »realpolitisch« ohnehin kaum noch jemand für diese interessiere. Abgesehen davon, daß der Kritiker sich nicht die Frage stellt, warum sich die sogenannte »parteidiktatorische Variante« eigentlich »vor der Geschichte« blamiert hat, wäre es durchaus nützlich, sich darüber hinaus klarzumachen, daß Die Linke nach vergleichbaren Ereignissen wie dem 11.09. ebenso schnell zu einem Anhängsel der DKP werden könnte, wie diese momentan ein Anhängsel Der Linken ist. Aus seinen politisch vage bleibenden Überlegungen, »wie die Widersprüche der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft in Zukunft – emanzipatorisch oder nicht – bearbeitet (sic!) werden« sollen, aus denen sich dann populäre »sozialistische Problemlösungskonzepte« im Sinne der Betroffenen ergeben könnten, läßt sich bei all seinem taktischen Hin und Her die gemeinsame beton-kommunistische Herkunft Der Linken und der DKP nicht verleugnen, die dem voller Inbrunst verbal hoch gelobten, aber in entgegengesetzter Stoßrichtung praktizierten Marxschen Programm ständig Hohn spricht.

Diesem inneren Widerspruch scheint sich auch der Kritiker nicht ganz entziehen zu können, wenn er resigniert feststellt, »daß alle bisherigen Ansätze „gemeinschaftlicher Produktion“ an ihrer ökonomischen Ineffizienz gescheitert« sind. Darin ist ihm ausnahmsweise zuzustimmen. Um aber die Analyse der »Hyperkomplexität gegenwärtiger moderner Gesellschaften« nicht ausschließlich den „marxistischen“ Tuis in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu überlassen, müßte eigentlich der dem Projekt partei Marx unterstellte »Glauben an den Kommunismus« in ein Wissen verwandelt und beides mit der Strategie der Marxschen Partei verbunden werden. Solche Überlegungen werden aber von Django Schins als theologischer Geschichtsdeterminismus und als Suche nach dem Himmelreich auf Erden heruntergeputzt, was er darüber hinaus zum Anlaß nimmt, sich generell zur Rolle der Theologie in der Politik und zur politischen Theologie im allgemeinen auszulassen.

Ob der »Glauben an den zwangsläufigen Kommunismus« dem Bedürfnis „verlorener Seelen“ nach Halt im „Urgrund der Religion“ entspricht oder nicht, damit mögen sich politische Psychologen und Religionskritiker befassen. Ihnen wird Friedrich Engels‘ Anti-Dühring wenig weiterhelfen, wenn es darin heißt, daß die Religion ein Symptom gesellschaftlicher Fremdbestimmung sei, die allein der Kommunismus durch eine »gesellschaftliche Tat« beseitigen könne. (Allerdings nicht so, wie es sich die »Zukunftsgendarmen« (Engels) in der DDR vorgestellt haben, die mit der lautstark erhobenen Parole „Religion ist verboten“, die Religion dadurch nur noch stärker machten.) Folgen wir dagegen der Engelsschen Dialektik, kann es für die kapitalistische Produktionsweise eine revolutionäre oder eine reaktionäre (einfache) Negation in Form all jener faschistischen, sozialimperialistischen, ‚marxistisch-leninistischen‘ »Alternativen zum Kapitalismus« geben (wobei selbst die revolutionäre Aufhebung nicht davor gefeit ist, in eine reaktionäre Negation umzuschlagen).

Der Kritiker müßte sich außerdem grundsätzlich fragen lassen, was er sich überhaupt unter »dem Kommunismus« vorstellt? Der „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ gehört mit Sicherheit nicht dazu, ebensowenig wie die Verteidigung des Sozialstaats, worin er die »Voraussetzung für jeden weiteren sozialen Fortschritt« sieht – über dessen Trümmer die partei Marx angeblich auf ihrem Weg zum Kommunismus brutal hinweg schreite. Dagegen muß das Argument auf taube Ohren treffen, daß es sich bei der Errichtung jenes Sozialstaats um nichts anderes als die „Beseitigung“ der Klassengesellschaft auf bürgerlichem Wege (Bonapartismus) und die politische Entmündigung jedes potentiellen revolutionären Subjekts handelt.

Der Sozialstaat ist das Konzentrat der Erfahrungen der Bourgeoisie mit den bisherigen Klassenkämpfen bei gleichzeitig amtsärztlich verordneter Amnesie des Proletariats als revolutionärem Subjekt; er ist der zivilisierte Faschismus. Losgelöst und getrennt vom Grundwiderspruch der kapitalistischen Produktionsweise ist der Sozialstaat nur auf reaktionäre Weise zu verteidigen. Die Verteidigung des »Sozialeigentums« als »Resultat langer sozialer Kämpfe fortschrittlicher Kräfte« läuft politisch auf die Rückgewinnung der „untergegangenen Königreiche“ des Realen Sozialismus hinaus mit der sich neu formierenden anti-‘westlichen‘ Allianz im Rücken. Der linke wie der rechte Revisionismus sind im Prinzip beide vergangenheitsorientiert. Die politischen Protagonisten des linken Revisionismus können die einfache Frage nicht beantworten, wer denn hier wen bzw. wer sich von wem emanzipieren soll? Ist das Austesten der »Grenzen der Profitdominanz des Kapitalismus« so zu verstehen, daß der ‚westliche‘ Kapitalismus durch einen „anti-kapitalistischen“ Terror- und Polizeistaat ersetzt und von einem anti-‘westlichen‘ Sozialismus abgelöst werden soll?

Da die Untersuchung der wirk-lichen Klassenverhältnisse von den Propagandablasen geballter Sozialstaats-Demagogie ständig zugeschüttet wird, erübrigen sich alle weiteren Fragen nach dem Sinn derartiger Testversuche. Oder die sozialen Bewegungen müßten wirklich ihr demagogisches Sozialarbeiter-Profil ablegen, was zu hundert Prozent unwahrscheinlich ist. Letztlich ist allein vom Marxschen Kapital (und dem KM) her zu begründen, warum der Kapitalismus an den Weltmarkt gebunden und die Arbeiterklasse nur als internationales Proletariat eine revolutionäre Klasse ist, die Arbeiterklassen der westlichen Welt sich aber momentan nicht so bezeichnen lassen, weil sie noch unter der Dominanz ihrer Arbeiteraristokratie stehen. Dennoch macht auch die deutsche Arbeiterklasse objektiv einen Teil des Weltproletariats aus und dies wird auch subjektiv der Fall sein, sobald sie sich als internationale Klasse (wie das ja auch die Bourgeoisie tut) begreift.

Ganz gewiß wird die Entwicklung der deutschen Arbeiterklasse von einer Klasse an sich zur Klasse für sich weder durch eine »philosophische Setzung« am Schreibtisch noch aus den Kämpfen für den von Django Schins beschworenen Sozialstaat erfolgen; denn in beiden Fällen würde es sich dabei um ein fiktives revolutionäres Proletariat handeln. Dagegen wurde die anti-imperialistische Kulturrevolution der 60er Jahre von einem wirk-lichen revolutionären Subjekt getragen, deren tiefgreifende Umwälzungen des Überbaus der ganzen Gesellschaft bis hinauf zur Bourgeoisie sich inzwischen in ihr (sozial)faschistisches Gegenteil verwandelt haben. Dadurch ist der Rückweg zu den revolutionären Wurzeln der 2.-Juni-Bewegung abgeschnitten oder nur als Farce möglich. Diese hatte es versäumt, ihre Kulturrevolution in die, wenn auch von der Arbeiteraristokratie dominierte, Arbeiterklasse zu tragen – oder, wo ein solcher Versuch stattfand, war dieser als arbeiteraristokratischer Mummenschanz mit den bekannten aus den real-sozialistischen Lehrbüchern erborgten Klassenbegriffen und einer entsprechenden Klassenanalyse erfolgt.

Nach den Vorgaben des Kritikers muß sich dagegen die Arbeiterklasse zuerst in einen Teil der »multitude« verwandelt und an den »gesellschaftlichen Kämpfen der Gegenwart (um den Sozialstaat)« teilgenommen haben, um sich »in einem geschichtlichen Prozeß zu einem handlungsfähigen Subjekt (zu) entwickeln«, bevor sie sich irgendwann einmal aus einer Klasse an sich in die Klasse für sich verwandeln darf. Die Kulturrevolution der 60er Jahre wird also nicht mehr in die Arbeiterklasse getragen, sondern letztere hat sich in einen Teil der »multitude« zu verwandeln, um gemeinsam mit »den demokratischen Kleinbürgern« (Marx) einige Korrekturen an den Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft anzubringen, die eilfertig von der Bourgeoisie übernommen werden, um jegliche Voraussetzungen für den politischen Klassenkampf im Keim zu ersticken. Genau darin unterscheiden sich die Parteigänger des »echten Kommunismus« von der angeblich »authentischen Linken«, deren linke Authentizität von jenen, wie es heißt, sträflich mißachtet wird. Dadurch würden diese sich aber nur selbst blockieren. Die einzigen die sich selbst blockieren, sind in Wahrheit jene »authentischen Linken« selbst, die es systematisch versäumt haben, die geschichtliche Entwicklung des Sozialismus seit 1917 auf ihre Authentizität als wirk-liche Klassenkämpfe zu untersuchen. Dies wäre ein erstes Anzeichen in Richtung einer Beseitigung der eigenen Selbstblockade gewesen und durchaus auch keine »objektiv nicht erfüllbare Bedingung«, die von der partei Marx angeblich aufgestellt wird.

In Anlehnung an den von Lenin stammenden Begriff des „imperialistischen Ökonomismus“, womit er die ausschließliche Fokussierung auf die Arbeiterinteressen unter Mißachtung z.B. der Unterdrückung der nicht-russischen Nationen durch das großrussische Zarentum kritisiert, gehört heute in der Umkehrung dieses Begriffs so etwas wie ein „ökonomistischer Politizismus“ zur Grundausstattung der Linken Partei (wenn es z.B. heißt: die Erfüllung dieser Forderung verlangen wir von „der Politik“, und man sich fragt, wer das denn sein soll?). Wer sich andererseits der aus diesem „Politizismus“ abgeleiteten »wirklichen Praxis« nicht beugt, dem wird, wie in unserem Fall, eine »kontemplative Grundstruktur des Denkens« bescheinigt.

Dieses Mißverhältnis zwischen „Theorie und Praxis“ wird in einem Exkurs zu einem Aufsatz von W.F. Haug untersucht, indem die von Haug bemühte Leninsche materialistische Erkenntnistheorie den Marxschen Feuerbachthesen gegenübergestellt wird; d.h. die rein erkenntnistheoretische Entgegensetzung des Subjekts zum zu erkennenden Gegenstand einerseits und die Marxsche Gegenthese andererseits, daß dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit nur zukomme, wenn diese nicht als Frage der Theorie (Denken und Sein, Geist und Materie), sondern als praktische Frage behandelt wird. Nach Haug denken die Mensch im Sozialismus aber anders (notfalls unter Zuhilfenahme des Polizeistaats?), weil hier das »Verhältnis von materieller und ideeller Tätigkeit« von den real-sozialistischen Produktionsverhältnissen bestimmt sei. Im Haugschen Sozialismus herrscht der Materialismus der Produzierenden, im Kapitalismus dagegen der Vorrang der Idee und der Konkurrenzkämpfe der Kopfarbeiter, deren Stellung »im gesellschaftlichen System der Teilung der Arbeit« von Haug nachfolgend untersucht wird.

Dieser Dualismus von geistiger und materieller Tätigkeit ist nach den Marxschen Feuerbachthesen durch eine »“revolutionäre“, …“praktisch-kritische“ Tätigkeit« aufhebbar, für Haug dagegen nicht. Daraus resultiert seine Unfähigkeit, ein dialektisches Verhältnis zwischen „der Waffe der Kritik“ und der „Kritik der Waffen“ herzustellen. Ihm geht es vielmehr um die unmittelbar praktischen Fragen, die sich einem Philosophie-Lehrstuhl-Inhaber im Kapitalismus stellen. Daraus ergibt sich, um auf die von Django Schins eingangs gestellte Frage nach der Praxis zurückzukommen, der Konflikt zwischen dem Berufsdenker auf der einen und dem Nicht-Denker auf der anderen Seite.

Denker müssen auch essen, lautet Haugs These, die von keinem einzigen Berufsdenker falsifiziert werden wird. Dementsprechend versteht Haug, gestützt auf die Leninsche Interpretation der ersten Drei Kapitel des Marxschen Kapital diese als eine auf das »Alltagsbewußtsein« als »unmittelbarem Bewußtsein« zielende ökonomistische Märchenerzählung, worin Methode und Problemstellung des Kapital in äußerst versimpelter Form dargestellt werden, was den Intentionen der damaligen westdeutschen Linken dabei wahrscheinlich sehr entgegengekommen sein muß, um ihre Kapital-Interpretationen von der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit in Deutschland abzukoppeln. Für Haug wird Marx zu einem Vorläufer der Leninschen Widerspiegelungstheorie. Dieser Nachweis gelingt ihm aber nur, weil er Marx zum Kantischen Idealisten stempelt und vollmundig erklärt, daß dadurch »der Anspruch dialektisch-materialistischer Erkenntnistheorie im Hauptwerk von Marx eingelöst« sei.

Daß die Widerspiegelungstheorie aber der 1. Feuerbachthese (s.o.) diametral entgegengesetzt ist, kümmert Haug weniger. Seine praktische Erkenntnistheorie lautet: »Indem die Erkenntnistheorie von der Notwendigkeit der Erkenntnis und den notwendigen Anstrengungen ausgeht, fördert sie die Produktivität, ermutigt zur Aktivität.« Denn der objektive Idealist (Lenin) verlegt die Erkenntnis in die Realität der Sache selbst. Dieser linke Pragmatismus hat mit der Identität von erkennendem Subjekt und revolutionärer Tätigkeit nichts mehr zu tun. Übrig bleibt dann noch die Klärung der »Gebrauchsweisen« der Dinge, um vom »Standpunkt des gesellschaftlichen Lebensprozesses an die Sache« heranzugehen. Das Verhältnis Mensch – Natur läuft darauf hinaus, daß zur Produktion von Lebensmitteln die Natur erkannt werden muß. Wenn dagegen das Denken als erstes gesetzt werde, wird es unwahr und dient allein den Ausbeuterklassen.

Ergo: Nur, wenn der Kopfarbeiter seine materielle Unselbständigkeit erkennt und sein Denken »…der Gesellschaft der Produzenten gemäß ist«, wird das menschenmögliche Maß an Freiheit des Denkens (= Wahrheit) prinzipiell erreichbar sein. (Sonst nicht?)

Die Frage ist nur, ob diese Formel für Marxisten innerhalb des ‚westlichen‘ Kapitalismus ebenso gültig ist wie für Gesellschaften, die sich zum Schein als Gesellschaft der Produzenten ausgeben, in Wahrheit aber eine Diktatur über die Produzenten hergestellt haben. Die durch einen solchen Vergleich zutage tretende Wahrheit besitzt, wie die Geschichte zeigt, eine noch geringere Halbwertzeit als die „ewigen Wahrheiten“, die von dafür bezahlten Ideologen gewöhnlich für die bürgerliche Gesellschaft produziert werden.

Im Gegensatz zum jungen Marx scheint der von Haug zitierte Lenin mit Feuerbach durchaus noch nicht „fertig“ zu sein, sondern einem subjektiven Materialismus bzw. einem vulgär-materialistischen Praxisbegriff anzuhängen. Das Materialistische an der Leninschen Erkenntnistheorie bestehe darin, daß sie »der Aneignung der ideellen Produktion durch die materiellen Produzenten« entgegenkomme. Diese Definition hat mit den tatsächlichen im Realen Sozialismus wirksam gewesenen Widersprüchen leider nicht das geringste zu tun. Haugs Anspruch an die materialistische Dialektik, »Ausdruck und Mittel der Praxis der gesellschaftlichen Menschheit« zu sein, erweist sich auch nachträglich noch als der blanke Hohn, weil diese letztlich nur als Vehikel der System-Auseinandersetzung gedient hat.

Angesichts dieses Mißverhältnisses sollte Haug mit seiner Kritik an der Zitierwut der westeuropäischen Linken und als vorgeblicher Verteidiger der „Klassiker des Marxismus“ aus seinem Glashaus heraus nicht mit Steinen schmeißen. Das hat er mit seiner krassen Fehlinterpretation der Marxschen Feuerbachthesen bereits unter Beweis gestellt. Nicht zuletzt waren es die Tuis des Realen Sozialismus, die es meisterlich verstanden haben, jeden Kritiker mit eine Überfülle an „Klassiker-Zitaten“ einzuseifen. Dummerweise hat sich in der von ihnen viel beschworenen „Praxis“ gezeigt, daß einem Sozialismus, der seine Kanonen gegen die unmittelbaren Produzenten richtet, um die Privilegien seiner neuen Bourgeoisie gegen dieselben zu verteidigen, auch die aller schönste „marxistische“ Zitatesammlung nicht aus dem Schlamassel hilft, zumal Ansicht, Auffassung und Methode der Begründer des Kommunismus der großen Lüge des Realen Sozialismus ihrem ganzen Wesen nach widersprechen.

Abschließend wäre erneut zu fragen, ob die Intentionen der Anti-Globalisierungsbewegung bei näherer Betrachtung nicht viel eher als eine Antwort der „marxistischen“ Linken auf die (klein)bürgerliche, anti-“kommunistische“ Kritik der Masse der Bevölkerung Osteuropas am Realen Sozialismus mit dem Ziel seiner nachträglichen Ehrenrettung zu interpretieren sind, um die Restbestände einer historisch dem Untergang geweihten faschistoiden und in sich selbst erstarrten reaktionären Form des Sozialismus am Leben zu erhalten – wo auch immer und koste es, was es wolle?! (Exkurs Ende)

Diesen Widerspruch versucht Django Schins dadurch zu lösen, daß er überhaupt in Frage stellt, daß die bürgerliche Gesellschaft nach den von Marx systematisch entwickelten Gesetzmäßigkeiten funktioniert bzw. damit auf Dauer gerade nicht funktionieren kann. Denn, so der Kritiker, wer an das Vorhandensein solcher Gesetze glaube, sei ein Metaphysiker. Dieser Gesetzes-Skeptizismus verträgt sich ganz hervorragend mit Haugs erkenntnistheoretischem Utilitarismus.

Mit dem »gegebenen Menschen«, auf den es statt dessen ankomme, landet Django Schins zwangsläufig beim abstrakten Menschen. Die Aufgabe der partei Marx besteht dagegen, ausgehend von der »“revolutionäre(n)“, …“praktisch-kritische(n)“ Tätigkeit« (Feuerbachthesen) darin, die Umschlagpunkte in den Widersprüchen der gegebenen Gesellschaft ausfindig zu machen, die bisherigen Klassenkämpfe einer kritischen Analyse zu unterziehen und das ganze in der revolutionären Öffentlichkeit zu verbreiten.

Die von Django Schins bevorzugte Vorgehensweise läuft statt dessen auf einige Merksätze aus den Sozialwissenschaften hinaus („Druck erzeugt Gegendruck“), von denen ausgehend es aber nicht möglich sein soll, das vom modernen Sozialstaat des Kapitals freigesetzte Prekariat vom Proletariat zu unterscheiden. Dieselbe Skepsis, die er gegenüber dem vom Kapitalismus erzeugten Proletariat (dabei handelt es sich um die »Kopfgeburt« eines blutleeren Philosophen) meint sich vorbehalten zu müssen, wendet er seltsamerweise auf jenes hochgelobte Prekariat mit folgendem absurden Vergleich gerade nicht an: »Die Globalisierungskritiker (GK) haben mit ihren Massenprotesten die WTO immerhin in eine Krise gestürzt. Kennst du eine Arbeiterklasse, die das geschafft hat?«

Abgesehen davon, daß diese Bewegungen eine wichtige Frühwarn-Funktion für die Bourgeoisie darstellen, die ihr dazu verhilft, ihr System an die zunehmenden Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise anzupassen, wären die Führer dieser Bewegungen vor allem dahingehend zu kritisieren, daß sie ihre politischen Karten nicht offen auf den Tisch legen und sich offen zu ihren politischen Zielen bekennen, anstatt diese durch bürgerlich-demokratische Phrasen zu kaschieren. Auf der anderen Seite muß keiner wirk-lichen Massenbewegung der Kommunismus als Ziel vorgeschrieben werden.

Die heutige Linke tut aber mit ihrer „demokratischen“ Heuchelei so als wäre für sie der „Kommunismus“ eine Sache der Vergangenheit und die Ziele der Massenproteste mit den ihren hundertprozentig deckungsgleich. Die Marxschen Kommunisten »haben theoretisch«, wie es im KM heißt, »die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus«. Ohne jeglichen Funken der Kritik liest sich die Propaganda Der Linken gegenüber den von ihr hoch gelobten Massenproteste dagegen wie Frontberichterstattung.

Die Formulierung in »Ein Gespenst geht um in Europa…« vom »Weltkrisenmanagement, dem die Linke wie Versicherungsvertreter« hinterher haste, ist nur darin ergänzungsbedürftig geworden, daß sich inzwischen auch Teile des US-Establishments an diese Bewegung angehängt haben. Das aber bestätigt die Vermutung, daß Die Linke darin ebenfalls ihre eigenen Ziele verfolgt. Nur mit denjenigen Protesten, die in wirk-liche Massenbewegungen umschlagen, ist eine Revolution zu machen. Django Schins‘ »real existierende kapitalismuskritische Subjekte der Veränderung« werden sich dagegen als Phantom erweisen.

Übrig bleibt der Hiatus zwischen Theorie und Praxis, der bei dem Kritiker und dem von diesem bemühten W.F. Haug weit auseinander klafft, da »die Bedeutung der „revolutionären“, der „praktisch kritischen“ Tätigkeit« von beiden ignoriert oder nicht verstanden und aus den Feuerbachthesen eine vulgär-materialistische Erkenntnistheorie zusammengeschustert wird. Ein Abfallprodukt dieser Denkweise ist die Verunglimpfung der gegen jegliche linke Heuchelei gerichteten Dissidenz der partei Marx ganz im Stil und in der Nachfolge dessen, was unter Stalin und Breshnew als pathologische Entartung der Kritik entsprechend „behandelt“ wurde.

Solange der Kritiker der partei Marx in dieser Denkweise befangen bleibt, wird er aus dem Gegenstand seiner Kritik auch nichts lernen.

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