Warum Lenins „letzter Kampf” gegen den linken Sozialimperialismus nicht zu gewinnen war »

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In diesem Streitpunkt wird von Moshe Lewins Hypothese ausgegangen, daß die spätere Sowjetunion anders ausgesehen hätte, wenn Lenin im März 1923 nicht endgültig aus dem Gefecht geschieden wäre, sodaß Stalin langfristig den Sieg davontragen konnte. Letzterer hatte anläßlich der zum Jahreswechsel 1922/23 bevorstehenden Gründung der UdSSR dafür gesorgt, daß Georgien nur als Teil eines eigens zu gründenden transkaukasischen Staatenbundes der Union beitreten sollte, während Lenin gegenüber der von Stalin geführten Fraktion linker Sozialimperialisten schließlich zu der Auffassung gelangt war, daß der Beitritt Georgiens in die Föderation souveräner Sowjetrepubliken nur als einzelner Gliedstaat der Union erfolgen durfte. In diesem Kampf zwischen Stalins großrussischem Zentralismus, der hinter seinen „Autonomisierung“svorschlägen steckte und dem von Lenin verteidigten Selbstbestimmungsrecht der Nationen – und damit der Voraussetzunn des proletarischen Internationalismus – wurde auch die Nachfolgefrage entschieden, für deren „Lösung“ Stalin mehr als 10 Jahre benötigen sollte, um sich sowohl gegen seinen unmittelbaren Konkurrenten Trotzki als auch seine bisherigen Verbündeten Sinowjew, Bucharin e.a. endgültig durchzusetzen.

Mit der Liquidierung des von Lenin verteidigten Selbstbestimmungsrechts der Nation wurden die Ergebnisse der Oktoberrevolution schrittweise von „links“ revidiert und (nach dem 1934 durch den Mord an Kirow ausgelösten Putsch Stalins gegen das ZK) die junge Sowjetunion auf den abschüssigen Pfad eines sozialistisch maskierten neuen moskowitischen Zarentums getrieben. Damit bekamen die von Marx und Engels ausgesprochenen Warnungen vor den Weltherrschaftsambitionen des alten Zarentums eine ungeahnte Aktualität, die durch Stalins Kritik an Friedrich Engels‘ Aufsatz über Die auswärtige Politik des russischen Zarentums bestätigt wurde. So gesehen erweist sich der Widerstand von seiten des linken Sozialimperialismus gegen Lenins Verteidigung des Selbstbestimmungsrechts der Nation zugleich als die Fortsetzung des Kampfes des kleinbürgerlichen Antikapitalismus Proudhons, Bakunins, Luxemburgs und schließlich Stalins gegen die „Partei Marx“, der sich der „Marxist“ Lenin ideell zugehörig betrachtete. In der Stalinschen Sowjetunion verschmolzen der kleinbürgerliche Antikapitalismus und der großrussische Hegemonismus schließlich zu einem alle bisherigen Vorstellungen der Marx-Parteigänger übersteigenden Konglomerat aus zaristischen Weltherrschaftsstrategie und sozialer Demagogie.

Daher wird zunächst der Stellenwert des proletarischen Internationalismus innerhalb der Strategie der „Partei Marx“ ausgehend von einem Vergleich des Marxschen Entfremdungsbegriffs mit Fichtes Überlegungen zur Überwindung der „gallischen“ Fremdherrschaft über die deutsche Nation zu überprüfen sein. Nach der Ansicht von Marx mußte die deutsche Emanzipation nicht in den teutonischen Urwäldern, sondern im Krieg gegen die deutschen Zustände gesucht werden, wozu auch der Kampf gegen die von den europäischen Großmächten nach ihrem Sieg über Napoleon auf dem Wiener Kongreß 1815 vollzogene Zersplitterung der historischen Nationen Europas in der Revolution von 1848 gehörte.

Diese Verbindung der sozialen mit der politischen Revolution stieß in der aufkommenden Arbeiterbewegung von seiten des „linken“ Antinationalismus auf erbitterten Widerstand, von dessen Hauptvertretern die soziale Revolution gegen die politische Revolution ausgespielt und verabsolutiert wurde. Darin zeigte sich, daß die Verfechter des radikalen Gleichheitskommunismus die Fichtesche Verabsolutierung des Deutschseins in ihren eigenen Köpfen noch nicht überwunden hatten. Das geschah zum ersten Mal in der im Manifest der kommunistischen Partei (KM) geübten Kritik an der Verabsolutierung der politischen Revolution durch das deutsche revolutionäre Kleinbürgertum (das zu jener Zeit als neuesten politischen Schrei den Sozialismus für sich entdeckt hatte) und an dessen gleichzeitig bewiesener politischer Unfähigkeit, die mit dem „Schmettern des gallischen Hahns“ eröffneten politischen Revolutionen gegen die europäischen Feudalmächte und gegen die mit diesen verbündete reaktionäre Bourgeoisie radikal zu Ende zu führen. Daher war nur das Proletariat bereit und in der Lage, die Aufhebung des Fichteschen Entfremdungszusammenhangs und die des entfremdeten Proletarierdaseins mit einem Schlag durchzusetzen und zu Ende zu führen, wozu eine Permananzerklärung der Revolution erforderlich war.

Diese Auseinandersetzung mußte mit wechselnden Gegnern Jahr für Jahr von der „Partei Marx“ immer wieder durchgefochten werden. So in der Grußadresse, die Marx 1880 an den Arbeiterkongreß in Genf gerichtet hatte, worin der Befreiungskampf der Polen gegen das russische Zarentum als integraler Bestandteil der Strategie der Internationalen Arbeiterassoziation gewürdigt wird. Nicht zufällig habe, wie Marx bemerkt, die Gründung der Internationale im Jahr des polnischen Aufstands 1864 stattgefunden und nicht zufällig habe die Pariser Commune 1871 in den polnischen Flüchtlingen ihre aufrichtigsten Verteidiger gefunden. Außerdem hätten sich die Revolution in Deutschland und die polnische Unabhängigkeit mit der Fortexistenz des unter der moskowitischen Hegemonie stehenden Staats der Hohenzollern (Preußen) als unvereinbar erwiesen. In diesem Kampf kam es nach Marx und Engels darauf an, daß die europäischen Arbeiterparteien nicht auf die wachsende Ausbreitung des Panslawismus, gegen den, wie es schien, sich nur die polnischen Revolutionäre als immun erwiesen, hereinfielen.

Auch bei Kautsky findet sich die Tendenz, die Klassenwidersprüche gegenüber dem ins östliche Mitteleuropa eindringenden deutschen Kapital zu ethnisieren und die tschechische Bourgeoisie als Verbündete des Proletariats zu idealisieren. Auf dem entgegengesetzten Extrem geht Rosa Luxemburg so weit, jegliche Forderung nach Wiederherstellung der polnischen Staatlichkeit im Programm der polnischen Arbeiterpartei strikt abzulehnen, wobei sie ihre Differenz zur Position der „Partei Marx“ abzumildern sucht, indem sie den Marx von 1848 in einen bürgerlichen Demokraten einschrumpft. Letzten Endes wiederholte sich hier der Konflikt zwischen der Marxschen Partei und den absoluten Gleichheitskommunisten, wenn Rosa Luxemburg die Wiederherstellung Polens zu einem »Dogma des Sozialismus« erklärte.

Mit ihrer unverhüllten Distanzierung von Marx und Engels wurde Rosa Luxemburg keineswegs zufällig beim rechten, sozialchauvinistischen Parteiflügel der SPD Mitte der 90er Jahre zu einer gesuchten Gesprächspartnerin. Dessen Vertreter wußten die Annexion Elsaß-Lothringens mit der großdeutschen Polen-Politik und Luxemburgs strikter Ablehnung jeglichen polnischen Patriotismus, die sie mit ihr teilten, geschickt zu kombinieren. Auf dem Kongreß der II. Internationale 1896 in London reichte es bei Kautsky dann auch nur noch zu einer matten „Sympathieerklärung“ für die unterdrückten Nationen von Irland bis Polen, während sich seiner Ansicht nach Engels‘ Theorie vom Panslawismus als »Weltherschaftsschwindel« endgültig überlebt hatte. Rosa Luxemburg erklärte ihrerseits die o.g. Marxsche Grußadresse von 1880 an den Arbeiterkongreß in Genf zum Gedenken an den polnischen Aufstand von 1830 für eindeutig veraltet und mit dem »Wesen des Marxismus« für unvereinbar. Die Verschmelzung Polens mit dem zaristischen Imperium sei inzwischen eine vollendete Tatsache, die nicht nur im Interesse der polnischen Bourgeoisie, sondern auch dem des Proletariats liege. Was die Wiederherstellung Polens betraf, würde sich diese auf die Verteidigung der »national-kulturellen Identität« des Polentums beschränken können.

Die in dieser Formel vorgenommene Ersetzung des Selbstbestimmungsrechts der Nation durch ethnizistischen Sozialkitsch war zugleich die Geburtsstunde des „linken Sozialimperialismus“, der bis zum heutigen Tag an der von Marx und Engels bekämpften „reinen“ proletarischen Revolution festhält und regelmäßig in „linken“ Ethnizismus umschlägt. Lenin hatte sich damit während des Ersten Weltkriegs innerhalb seiner Partei und mit der europäischen Linken herumzuschlagen. Eine Auseinandersetzung, die bereits 1903 in der Programmdebatte der SDAPR eine Rolle spielte, weil Lenin die Verabsolutierung der Ablehnung der Wiederherstellung Polens, wie sie von Rosa Luxemburg vertreten wurde, nicht teilte, was zur Beendigung des Vereinigungsversuchs der polnischen und russischen Sozialdemokratie führte. Auf der anderen Seite waren Lenins Konzessionen an Luxemburgs „reinen“ Arbeiterstandpunkt aber doch so weitgehend, daß die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht der vom großrussischen Imperium unterdrückten Nationen im Programm der SDAPR nur als die Ausnahme von der Regel erscheint. Das bedeutete, daß sich diese Frage mit dem Sturz der Bourgeoisie durch das Proletariat in Verbindung mit dessen proletarischem Internationalismus von selbst erledigen, bzw. die nationale Spaltung der russischen Arbeiterklasse durch den innerparteilichen demokratischen Zentralismus überwunden werde. Der von Engels verwendete Begriff der »historischen Nationen« fand bei den Bolschewiki für die vom großrussischen Zarentum eingesammelten Nationen folglich keine Anwendung. Statt dessen ist bei Lenin nur von einem abstrakten »Demokratismus«, für den gleichermaßen abstrakte Massen kämpfen, die Rede.

Fazit: die entscheidende Bedeutung, die die sog. „nationale Frage“ in der Strategie der Marxschen Partei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingenommen hatte, fand im Programm der Bolschewiki vor dem Ersten Weltkrieg keine Fortsetzung, was der inneren Verfaßtheit des großrussischen Zarenreiches in keiner Weise entsprach. Rosa Luxemburgs ethnizistischer Sozialkitsch wurde durch Lenins abstrakten »Demokratismus« ergänzt, aber nicht überwunden.

Die Einheit des Deutschseins, die Fichte in den teutonischen Urwäldern sucht, setzt bei der Überwindung der nationalen Entfremdung der russischen Proletarier voneinander nach wie vor die reaktionäre Einheit des großrussischen Imperiums voraus, die zur Verwirklichung des proletarischen Internationalismus eigentlich hätte zerstört werden müssen, um auf revolutionärer Grundlage wieder errichtet zu werden, während nach Lenin die nationale Entfremdung der Proletarier voneinander durch den demokratischen Zentralismus innerhalb der Partei überwunden werden konnte. Dieses Konzept lief im Prinzip auf eine Verschmelzung der politischen mit der sozialen Revolution hinaus, die Lenin aber eigentlich nicht hatte wünschen können, was ihn in der Folgezeit bei seiner Auseinandersetzung mit dem „linken Sozialimperialismus“ über die „Nationale Frage“ vor große Probleme stellte.

(Vgl. die Zusammenfassung im letzten Kapitel des Textes)

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Die russische Bauerngemeinde und Westeuropa »

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In einem ersten Versuch zur Bestimmung der Wendepunkte, die in den Klassenkämpfen seit dem Manifest der kommunistischen Partei (KM) eingetreten sind, soll die Positionsänderung, die Marx in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in der Einschätzung der Rolle der russischen Dorfgemeinde vollzogen hat, analysiert werden. Diese Positionsänderung wird in Briefen an die Redaktion einer russischen Zeitschrift und an eine russische Revolutionärin deutlich, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden.
In der revolutionären Strategie von Marx und Engels hatten die russischen Bauern bis dahin eher die Rolle eines bewußtlosen Werkzeugs der Außenpolitik des russischen Zarentums eingenommen, das von außen auf die Klassenkämpfe in Westeuropa Einfluß zu nehmen suchte, um im Zusammenspiel mit den europäischen Großmächten, bestochenen deutschen Territorialfürsten und einzelnen Vertretern der deutschen Linken den kontinentalen Status quo aufrechtzuerhalten.
Mit der sog. Bauernemanzipation des Jahres 1861 hatte sich diese Konstellation schlagartig verändert und Marx veranlaßt, sich intensiver mit den Verhältnissen in Rußland zu befassen. Dabei mußte er auch in seiner bisherigen Einschätzung des archaischen Kommunismus der Dorfgemeinde, der von der russischen linken Opposition dem dekadenten Westen als revolutionäre Alternative entgegengehalten wurde, eine Neubewertung vornehmen.
Im Vorwort zur Neuübersetzung des KM wird daher die Frage gestellt, ob das russische Gemeineigentum am Boden zum Ausgangspunkt einer kommunistischen Entwicklung in Rußland werden könne. In einem solchen Fall wäre das bisherige Hinterland der europäischen Konterrevolution zum Vorreiter der Weltrevolution geworden. Die Anfrage einer frisch zum „Marxismus“ konvertierten russischen Revolutionärin liefert den Anlaß für die Briefentwürfe, in denen Marx die Quintessenz seiner Forschungen zur russischen Dorfgemeinde als dem letzten noch intakt gebliebenen Überbleibsel einer ursprünglich in ganz Europa und Asien verbreitet gewesenen gemeinschaftlichen Produktionsform, in mehreren Anläufen zu formulieren versucht.
Diese Briefentwürfe sind deshalb von so überragender Bedeutung, weil Marx bis auf das genannte Vorwort zum KM nichts mehr zu diesem Thema veröffentlicht hat. Deren Kernaussage ist, daß im Gegensatz zu der in Westeuropa stattgefundenen sogenannten „ursprünglichen Akkumulation“ nicht eine Form des Privateigentums in eine andere verwandelt wurde, sondern das gemeinschaftliche Eigentum der russischen Bauern in Privateigentum verwandelt werden soll. Um die drohende Vernichtung dieser Produktionsform durch die Liberalen solange wie möglich hinauszuzögern, plädiert Marx für einen russischen Sonderweg zum Sozialismus, den er solange für möglich hielt, wie diese Produktionsform durch den aufkommenden Kapitalismus noch nicht so vollständig zersetzt war, daß sie nach dem zu erwartenden Sturz des Zarentums wiederbelebt werden konnte.
Daraus ergibt sich eine grundlegende Differenz zum jungen Lenin, der als frisch gebackener „Marxist“ in den 90er Jahren alles daransetzt, um die russischen Revolutionäre mit allen Mitteln seiner genialen Überredungskunst von dem Irrtum zu heilen, daß der Kampf für die Aufrechterhaltung der Dorfgemeinde noch irgendeinen Sinn macht. Allerdings kannte Lenin nur die o.g. Einleitung zum KM. Die Briefentwürfe wurden erst Anfang der 20er Jahre veröffentlicht. Ob das an seiner radikalen Ablehnung der Ansichten der Volkstümler in dieser Frage viel geändert hätte, ist aber unwahrscheinlich. Fakt bleibt, daß die russische Dorfgemeinde in der Februarrevolution von 1917 ihre unerwartete Wiederauferstehung erlebte, allen zuvor stattgefundenen Versuchen des Zarentums zum Trotz, die russischen Bauern nach westeuropäischem Muster in Parzellenbauern zu verwandeln. Die von Lenin gegen Ende seines Lebens angestellten Überlegungen zur nachholenden Zivilisierung der russischen Gesellschaft kamen nicht nur zu spät, sie hatten auf seinen Hauptgegenspieler Stalin lediglich die Wirkung, daß dieser mit jenem Überbleibsel des archaischen Kommunismus endgültig kurzen Prozeß machte, indem er das Gemeineigentum der Dorfgemeinde in das kollektive Privateigentum der im Entstehen begriffenen neuen Klasse der Nomenklatura verwandelte.
Daher bleibt es müßig, sich heute vorzustellen, welche Auswirkungen eine andere als die Stalinsche (End-)Lösung der „Bauernfrage“ auf die revolutionäre Entwicklung in der restlichen Welt hätte haben können. Wenn wir uns heute die Zukunft der Menschheit vor Augen führen, haben aber auch die vergeblichen Träume vielleicht doch eine tiefere Bedeutung.

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Wozu die Auseinandersetzung über die elementaren Streitpunkte? »

Bei den folgenden „historisch-materialistischen Momentaufnahmen“[1] handelt es sich im Kern um die Untersuchung der Geschichte der partei Marx – natürlich nur im übertragenen Sinn, da diese keine organisatorische Kontinuität aufweist, wie sie Parteien der bürgerlichen Arbeiterbewegung gewöhnlich für sich in Anspruch nehmen. Dabei wird nicht um die Ergänzung oder Verbesserung der akademischen Geschichtsschreibung angestrebt, sondern das Anbringen von Markierungen für den Weg aus dem Sumpf der Konterrevolution von außen, vor allem aber von innen als historischer Aufriß, der nach Bedarf ergänzt und erweitert werden wird.

Die partei Marx wird sich nur an den Resultaten ihrer eigenen Geschichte (wieder-) erkennen, vor allem an der daraus gewonnenen Klarheit über die historischen Differenzen innerhalb der partei Marx selbst, im scharfen Kontrast sowohl zu den post-’stalinistischen‘ Revisionisten als auch den anti-’stalinistischen‘ Liquidatoren, – den linken Revisionisten, die sich mit dem Untergang ihres rot getünchten zaristischen Imperiums Ende des letzten Jahrhunderts nicht abfinden und als Erfüllung ihrer sozialistischen Sehnsüchte die europäische Arbeiterbewegung auf dessen Wiedererrichtung einschwören wollen; den rechten Liquidatoren, die, wie die Autoren des Schwarzbuchs des Kommunismus, angesichts der angeblich glänzenden Entwicklung des Kapitalismus die Oktoberrevolution schlichtweg für überflüssig erklären, wobei sie deren revolutionären Terrorismus einfach mit dem gegen die sowjetische Gesellschaft und das Leninsche Projekt gerichteten Staatsterrorismus Stalins auf eine Stufe stellen (eine einfachen Negation, mit der sie der Stalinschen Denkweise voll und ganz verhaftet bleiben).

Nur auf der Grundlage von Anatomie-Kursen im historisch-materialistischen „Spatzen-Sezieren“ (Mao Tse-tung) wird eine revolutionäre Strategie, die sich von derjenigen der bürgerlichen Arbeiterbewegung grundsätzlich unterscheidet, erörtert werden können – zumal fast alles, was heute nach Arbeiterbewegung aussieht, bürgerliche Arbeiterbewegung ist, deren Kursprogramme kaum irgendeine Abwechslung im Jahrzehnte lang eingeübten ‚Klassenkampf‘-Curriculum erkennen lassen. Hier gibt es viel zu tun.[2]

Aber das ist nur der eine Teil der Wahrheit. Denn die auf die Selbstreflexion der partei Marx orientierte ‚Geschichtsschreibung‘ wird unbedingt ergänzt werden müssen durch eine Kritik der Politischen Ökonomie des Sozialismus des 20. Jahrhunderts, worin das Marxsche Kapital ausnahmsweise nicht, wie so häufig, als theoretische Grundlage dazu mißbraucht wird, den „feudalen Sozialismus“ als ‚Realen Sozialismus‘ zu legitimieren, sondern ausgehend von den ökonomischen Tatsachen dahin zu gelangen, den spezifischen Ausbeutungscharakter dieser Produktionsform theoretisch zu enthüllen. Ohne eine solche, zumindest in ihren Grundzügen zu leistende Kritik sind alle neuen Träume vom Sozialismus reine Schimären.


[1] Vgl. den eine Diskussions-Veranstaltung der Sozialistischen Studienvereinigung in Frankfurt sehr gut zusammenfassenden Bericht „partei Marx“ (Vortrag und Diskussion) 10.07.2002. Veranstaltung mit E. U. Knaudt (Bochum) über seine Thesen zur Kontroverse: „Von der ‚partei Marx‘ zur internationalen Assoziation“, nachzulesen unter: Kritik 1 Anhang 2

[2] Dies als vorläufige Antwort auf die im Veranstaltungsprotokoll, Bericht „partei Marx“…, aufgeworfenen Fragen: „3. wurde der Bogen zum Projekt „partei Marx“ revolutionstheoretisch nicht immer sichtbar“ und „5. wurde von daher besonders der direkte Aufweis vermißt: welche Bedeutung hat all das … Rekonstruktionswerk in Zuspitzung auf aktuelle Globalkrise und neuen Konstellation für einen Anlauf der neu-proletarischen Weltrevolution.“?

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Keinen Schritt vorwärts ohne zwei Schritte zurück! »

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Ausgehend von dem Sieg der Konterrevolution über die proletarische Revolution in Rußland werden die bisherigen Rekonstruktionsversuche dieser politischen Katastrophe durch den „Marxismus“ für gescheitert erklärt. Dafür stehen die unaufgearbeiteten Streitpunkte, die mit Hilfe des Projekts partei Marx u.a. folgende Fragen zu klären haben:

  • das Fortwirken der „revolutionären Mission“ des zaristischen Rußland in der Stalinschen Konterrevolution;
  • der von Stalin mit der sog. Nationalen Frage verbundene linke Sozialimperialismus;
  • der davon durchdrungene antifaschistische Widerstand, der als Endergebnis zur weiteren Expansion des neuen großrussischen Zarentums geführt hat;
  • der antiimperialistische Befreiungskampf der Völker der „Dritten Welt“, der an der Kontamination der nationalen Bourgeoisie durch den linken Sozialimperialismus scheitern mußte.

In diesem Zusammenhang wäre auch der herrschende Mainstream des rechten und linken Ethnizismus aufzuarbeiten.

Die partei Marx arbeitet nicht an der Gründung einer „marxistischen“ Gegenpartei gegen die Parteigründungsversuche der post-DDR-Nomenklatura oder der politisch Bankrott gegangenen Parteibildungskonzepte der ehemaligen westdeutschen Linken. Dagegen läßt sich nicht bestreiten, daß die kritische Durchdringung des Wesens der kapitalistischen Produktionsweise durch die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie (Das Kapital) nach dem Zusammenbruch des „Realen Sozialismus“ erst heute wirklich wahr und endgültig bestätigt worden ist.

Die Führungsmacht der Weltbourgeoisie versinkt immer tiefer im Sumpf weltweiter Rassenkriege, die sie unter dem Bruch des Völkerrechts gegen Angriffe des islamistischen Ethnizismus (Bin Ladin) und des linken Sozialimperialismus (Milosević u.a.) führt. In der sogenannten „Dritten Welt“ will der „Westen“ nach dem Untergang der der Sowjetunion keine bürgerlichen Nationen neben sich dulden, die sich zu seinen Konkurrenten emporarbeiten könnten. Die Befreiung des Irak von seinem orientalischen Despoten wird daher von ihr als Rassen- und nicht als Befreiungskrieg des irakischen Volkes geführt. Nicht nur, weil die westdeutsche Rest-Linke meint, Bin Ladin als „Antiimperialisten“ feiern zu müssen, haben die Leninsche Imperialismustheorie und seine „Revolution von oben“ jegliche politische Existenzberechtigung verloren.

Dies spätestens seit 1934, als sich mit Stalins Putsch gegen das eigene ZK Lenins Revolution „von oben“ in eine Konterrevolution „von innen“ verwandelt hat. Louis Bonapartes Putsch gegen Proletariat und Bourgeoisie hat in Stalin und Hitler gelehrige Schüler gefunden. Aus diesem tödlichen Zirkel, der sich als Wahl zwischen Pest und Cholera, zwischen der konterrevolutionären („zweiten“) Revolution Stalins und der revolutionären Konterrevolution Hitlers darstellt, werden sich die Parteigänger der Marxschen Partei nur durch eine Revolution in Permanenz und durch „zwei Schritte zurück“ zu Marx und Engels befreien können.

Nicht nur den USA, auch der westdeutschen Rest-Linken ist der Elfte September auf die Füße gefallen. Ihre „geniale Taktik“, den Feind ihres Feindes USA in Gestalt des Islamismus als Freund oder zumindest als taktischen Verbündeten zu betrachten, muß dazu führen, daß die Menschheit sich eines Tages in einer modernen Sklavenhaltergesellschaft wiederfindet, die die sehr viel subtilere kapitalistische Lohnsklaverei an Brutalität um einiges überträfe. In ihrer absoluten Feindschaft gegen die USA macht sich die westdeutsche Rest-Linke zu Feinden der Menschheit.

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Ein Gespenst geht um in Europa! »

… Aber der Kommunismus des XX. Jahrhunderts ist zum Gespenst seiner selbst geworden und was mit ihm seither umgeht, ist einzig sein notorisch schlechter Ruf bei den Proletariern aller Länder.

Der Kapitalismus, zerfressen von seinen inneren Widersprüchen, steht erneut vor einer Menschheitskatastrophe, aber die Totengräber in seinen Hochburgen, die diese verhindern könnten, befinden sich im Streik.

An ihrer Stelle drückt der proletarisierte under dog seinen Protest gegen das regierende linke bürgerliche Establishment in Wählerstimmen für populistische Seelenfänger aus, während von der ‚Peripherie‘ her das panislamistische Mittelalter mit einer tiefreaktionären Kulturrevolution seinen ‚Antikapitalismus‘ als Kampf gegen die ‚westliche Zivilisation‘ zum ‚heiligen‘ Endsieg führen will.

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