Reaktionen 

Reaktionen (2001)

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Die an dieser Stelle wiedergegebenen feedbacks zum Projekt Partei Marx haben im Augenblick nur archivalischen Wert, da die eingangs geäußerte Faszination an demselben, bis auf die nachstehend dokumentierten Ausnahmen, fast auf Null gesunken ist.

Daher verweisen wir auf die REFLEXIONEN, KRITIK und DEBATTE, worin wir uns mit unseren Kritikern und Autoren kritisch auseinandersetzen, die zu der Thematik, mit der wir uns zu beschäftigen haben, in, wie wir meinen, besonderer Weise hervorgetreten sind.

Zu Dokumentationszwecken wurden einige Briefe aus der Zeit vor 2001 aufgenommen.

In der letzten Zeit (seit dem Frühjahr 2007) haben die REAKTIONEN den einseitigen Charakter einer Art ‚Flaschenpost’ angenommen, die, so ist zu hoffen, wieder einem regeren Meinungsaustausch Platz machen wird.

[Korrekturen sinnentstellender Fehler sowie Kürzungen werden in eckige Klammern gesetzt und folgen der klassischen Deutschen Rechtschreibung.]

Dieser Text ist auch als PDF-Datei verfügbar

 


An Partei Marx (01.2001):

Hallo genosse MARX-parteigänger, vielen dank für den text „parteiMARX“,

[…]

was unsereins bei Deinem text und projektvorschlag fasziniert, ist das wohlüberlegte aktuelle „zurück zu MARX!“ (wie der späte LUKÁCS wohl nannte, was Du back-to-the-roots nennst) in der konzeption des parteibildungsprozesses des proletariats und zwar als LENIN-aufhebung auf der höhe der zeit. ich finde diese initiative mutig und angemessen, ja dringlichst in der gegenwärtigen situation, in der zumal äusserst wenige „interessierte laien“ ausserhalb der politpartei- und sekten-bindungen sich an diesen gordischen knoten heranwagen: Deine formulierung, zwischen diesen eine art wissenschaftlichem brainstorming herzustellen, trifft denke ich die gegenwärtige aufgabenstellung für eine assoziation wissenschaftlich-communistischer gesellschaftsindividuen ziemlich genau. den abstand – bei aller naturwüchsig-notwendigen nähe – zur akademie sehe ich in deinen überlegungen ebenso hinreichend gewahrt bzw. eingeklagt wie die distanz zur überkommenen problem-eliminierung der historisch-konkret prozessierenden dialektik von klasse-an-sich / klasse-an-und-für-sich, der sowohl die spontaneistisch/attentistische wie spiegelverkehrt dazu die voluntaristisch-pseudo-avantgardistische linke bisher je länger je mehr vorschub geleistet hat. das dialektische tertium datur (um hier wieder mit dem alten LUKÁCS zu sprechen), das wir aus dem bestehenden dualismus der organisationslage zu entwickeln haben, kann in der tat nur von einer neubestimmung/konkretisierung des heutigen, globalen aggregatzustands des „proletariats als prozess der negation“ ausgehen, einer theoretischen praxis eines transnationalen „kollektiven organisators“, den die wissenschaftlichen communistInnen erst erneut bilden müssen auf diesem neuartigen terrain, um das ferment im sinne der historischen aufgabenstellung MEW 4:474f, 492f zu werden und damit die leider nun einmal entscheidende ideelle bedingung zu produzieren für die communistische negation-der-negation als wirklich-praktischem werk-der-arbeiterklasse-selbst. erst die offene debatte der organisationsfrage – die doch längst wieder allen ernsthaften revolutionären individuen, gerade den notgedrungen „unorganisierten“ wie meinesgleichen, jeden monat schmerzlicher auf den nägeln brennt, gerade weil wir uns bürokratischen und sektiererischen apparaten und strömungen kompromisslos zu verweigern, haben ohne uns der kontemplation und ohnmacht anheimgeben zu können! -, erst die organisierung des streits um strategie, organisation und mögliche praxisformen des historisch gegebenen subjekt/objekt, wie das kapital es jetzt weiter herausglobalisiert und -individuiert, kann unsereins heute an den archimedischen punkt „der in diesem jahrhundert zu erwartenden klassenkämpfe“ heranbringen. sich vor dieser offenen debatte um „revolutionäre realpolitik“ (LUKÁCS) länger zu drücken wäre zumindest für unsereins verspielte lebenszeit. es wäre vor allem verantwortungslos-unhistorisch und attentistisch-abstrakt, angesichts dessen dass, wie Du sehr gut in den mittelpunkt stellst: „die modernste form des rassismus“ (und weitere fetischgestalten, die wie ich es sehe die kapitalistische hydra für jeden einmal abgeschlagenen kopf der bürgergesellschaft vielfach hervortreibt – wir sind hier in den nebelregionen der subjektivität und des vormodernen bis postmodernen usw.usf. überbaus) als letzte reserve und „volkssturm“ gegen den parteibildungsprozess (in) der klasse „naturwüchsig“ mobilisiert wird. deshalb duldet die aufhebung unserer theorie/praxis-paralyse keinen weiteren aufschub mehr; und wie Du dieses problembewusstsein zum ausdruck bringst, scheint mir auf den ersten blick kein panischer voluntarismus sondern durchaus ein funken historischer materialismus hinsichtlich unserer situation zu sein.

soviel auf den ersten eindruck Deines textes; kritische einwände erstmal zurückgestellt. […]

peter christoph zwi.

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