{"id":535,"date":"2008-03-23T22:47:21","date_gmt":"2008-03-23T20:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.parteimarx.org\/wordpress\/?p=535"},"modified":"2013-07-27T10:53:12","modified_gmt":"2013-07-27T08:53:12","slug":"die-unscharfe-relation-marxmarxismus-reflexionen-uber-revolution-und-konterrevolution-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.parteimarx.org\/?p=535","title":{"rendered":"Die unscharfe Relation Marx\/\u201aMarxismus\u2019 &#8211; Reflexionen \u00fcber Revolution und Konterrevolution in Deutschland (Ulrich Knaudt)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/pM_0907_DEBATTE_1_Vortrag_pdf_doc.pdf\">Den ganzen Text als PDF-Datei laden<\/a><\/p>\n<h1>Inhalt<\/h1>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\"><strong>1. \u201aPartei Marx&rsquo; und \u201aMarxismus&rsquo;<\/strong><\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Sollte das Lesen Marxscher Texte als Gegen-Geisterbeschw\u00f6rung \u00e0 la Derrida oder eher als \u201aneue Marx-Lekt\u00fcre&rsquo; betrieben werden? Letztere machte, sehen wir von Derridas Marx-Okkultismus einmal ab, nur Sinn, wenn sich diese Lekt\u00fcre nicht, wie so h\u00e4ufig, auf die Exegese der ersten Drei Kapitel des Ersten Bandes des <em>Kapital<\/em> beschr\u00e4nkte, sondern dabei ebenso der Erfahrungsschatz der <strong>\u201aPartei Marx&rsquo;<\/strong>, der in den \u00fcber 40 Blauen B\u00e4nde vergraben liegt, f\u00fcr den politischen Klassenkampf der heutigen Arbeiterklassen reaktiviert w\u00fcrde. Und sollten die <strong>&bdquo;zwei Schritte zur\u00fcck zu Marx&ldquo;<\/strong> nicht vor allem, wie der Vorschlag der <strong>&bdquo;<\/strong><em><strong>partei Marx<\/strong><\/em><strong>&ldquo;<\/strong> lautete, dazu f\u00fchren,<strong> &bdquo;die entscheidenden <\/strong><U><strong>politischen<\/strong><\/U><strong> Kontroversen, die an den Wendepunkten der Klassenk\u00e4mpfe seit dem <\/strong><em><strong>Manifest der Kommunistischen Partei<\/strong><\/em><strong> aufgetreten sind, n\u00e4her zu bestimmen und zu analysieren&ldquo;<\/strong>?<\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Die politische R\u00fcckbesinnung auf die Geschichte der Klassenk\u00e4mpfe der verflossenen mehr als 150 Jahre w\u00fcrde im \u00fcbrigen dazu beitragen, den (vollst\u00e4ndig berechtigten) Frust, aus dem die Mehrzahl der deutschen Arbeiter, \u00e4hnlich wie die meisten ihrer Klassengenossen z.B. in Italien, eher einer b\u00fcrgerlichen Partei denn einer b\u00fcrgerlichen Arbeiterpartei oder der <strong>\u201amarxistischen&rsquo;<\/strong> Linken ihre W\u00e4hlerstimme geben, in eine Reflexion \u00fcber die Lage der eigenen Klasse in der modernen b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zu verwandeln. Am Anfang w\u00e4re die Frage an die Geschichte zu stellen, warum der Kommunismus, wenn die proletarischen Revolutionen nicht von ihren Feinden im eigenen Blut erstickt wurden, regelm\u00e4\u00dfig in eine konterrevolution\u00e4re Farce seiner selbst umgeschlagen ist?<\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\"><strong>2. \u201aPartei Marx&rsquo;, \u201aMarxismus&rsquo; und \u201anationale Frage&rsquo;<\/strong><\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Ein wichtiges Indiz f\u00fcr die \u00fcblichen Distanzierungsversuche des \u201aMarxismus&rsquo; von der \u201aPartei Marx&rsquo; besteht in dessen Umgang mit der sog. \u201anationalen Frage&lsquo;, an der der proletarische Internationalismus mit derselben Regelm\u00e4\u00dfigkeit immer wieder gescheitert ist. Die heutigen b\u00fcrgerlichen Staaten der alten kapitalistischen Welt, haben sich in einem komplizierten historischen Proze\u00df als Nationen konstituiert, in denen es zu der Zeit von Marx und Engels von nationalen Minderheiten nur so wimmelte. Dieses historische Erbe meldete sich nach dem Zerfall der Sowjetunion, die aus einem zusammengeraubten \u201aVielv\u00f6lkerstaat&rsquo; des russischen Zarentums hervorgegangen war und nach dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition \u00fcber das faschistische Deutschland zeitweise ein europ\u00e4isches Slawenreich unter seiner neuen moskowitischen Knute eingesammelt hatte, mit voller Macht wieder zur\u00fcck. Dort hatte das von Lenin gegen\u00fcber dem Zarenreich eingeklagte und den V\u00f6lkern der Sowjetunion formell zugestandene \u201aSelbstbestimmungsrecht der Nationen&rsquo; schon lange nur noch auf dem Papier existiert. Anstelle der Diktatur des Proletariats herrschte der (B\u00fcrger-)Krieg des Staates gegen die Gesellschaft in Permanenz, der nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion Ende der 80er Jahre in einen V\u00f6lkerkrieg zwischen den V\u00f6lkern und Nationen \u00fcberging. <\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Die Anh\u00e4nger Bakunins, Proudhons oder dieser oder jenen Variante des linken Kommunismus sind dagegen der Ansicht, da\u00df die \u201anationale Frage&lsquo; f\u00fcr proletarische Revolutionen noch nie eine Rolle gespielt habe bzw. spielen sollte. Durch ihre dieser gegen\u00fcber eingenommene politische Enthaltsamkeit geraten sie aber unversehens in den Einflu\u00dfbereich von Gro\u00df- oder Hegemonialm\u00e4chten, die die Konflikte der nationalen Minderheiten und unterdr\u00fcckten Nationen ihrer Nachbarn sch\u00fcren, um diese zu schw\u00e4chen. Entgegen dieser Einsch\u00e4tzung hinsichtlich der Bedeutung der \u201anationalen Frage&lsquo; waren Marx und Engels der Ansicht, da\u00df die <strong>&bdquo;Working Class its own Foreign Policy habe&ldquo;<\/strong>. Den \u201areinen&rsquo; Kapitalismus, ohne Ber\u00fccksichtigung der historischen Tatsache, da\u00df sich dieser gew\u00f6hnlich in Staaten und Nationen organisiert, gibt es nur in der Phantasie des linken imperialistischen Kleinb\u00fcrgertums.<\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">W.I. Lenin hatte die <strong>&bdquo;Foreign Policy&ldquo;<\/strong> der \u201aPartei Marx&rsquo; ausf\u00fchrlich studiert. Nur war ihm dabei zun\u00e4chst nicht aufgefallen, da\u00df \u201aMarxisten&rsquo; wie Rosa Luxemburg bereits einen wichtigen Kernbestandteil jener <strong>&bdquo;Foreign Policy&ldquo;<\/strong><strong> <\/strong>nachtr\u00e4glich<strong> <\/strong>eliminiert hatten: n\u00e4mlich Ru\u00dflands Rolle als Bollwerk der europ\u00e4ischen Reaktion bei der Verhinderung der europ\u00e4ischen Revolutionen, sowohl, was die Nationenbildungsprozesse der europ\u00e4ischen Bourgeoisien als auch, was den politischen Klassenkampf des Proletariats gegen dieselben betraf. F\u00fcr Lenin war das Zarentum als Bollwerk der Reaktion in seiner Wirkung nicht so sehr nach au\u00dfen denn nach innen gerichtet; diese Wirkung werde, wie er annahm, mit dem Sieg der proletarischen Revolution verschwinden und damit auch der von der \u201aPartei Marx&rsquo; bek\u00e4mpfte negative Einflu\u00df Ru\u00dflands und der russischen Geheim-Diplomatie auf die Weltrevolution. Die L\u00f6sung der \u201anationalen Frage&lsquo; in dem in seinem Niedergang sich befindenden moskowitischen Weltreich, das er in dieser Hinsicht als einen eigenst\u00e4ndigen politischen Kosmos betrachtete, reduzierte sich f\u00fcr Lenin in erster Linie darauf, das friedliche Zusammenleben der Nationen innerhalb des Zarenreiches zu garantieren und demokratisch zu organisieren, haupts\u00e4chlich aus dem Wunsch heraus zu verhindern, da\u00df der proletarische Internationalismus nicht besch\u00e4digt werde. Diese Problematik trat unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in den Vordergrund und veranla\u00dfte Lenin, den <strong>&bdquo;pr\u00e4chtigen Georgier&ldquo;<\/strong> (Stalin) mit der Ausarbeitung einer theoretischen Arbeit \u00fcber die \u201anationale Frage&lsquo; zu beauftragen, um dem nach beider Ansicht sch\u00e4dlichen und unter den Austro-Marxisten hei\u00df diskutierten Konzept der \u201anational-kulturellen Autonomie&rsquo;, das von diesen auf den Habsburgischen Vielv\u00f6lkerstaat Anwendung finden sollte, den Garaus zu machen.<\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Der Unterschied zwischen Lenins und Stalins Analyse der \u201anationalen Frage&lsquo; w\u00e4re etwa so zu formulieren: Stalin macht aus jener Not, die Lenin damit hat, da\u00df die Unterdr\u00fcckung der vom Zarentum eingesammelten Nationen mit dem proletarischen Internationalismus innerhalb der gro\u00dfrussischen Imperiums nicht zu vereinbaren sei, eine Tugend; denn w\u00e4hrend Lenin das proletarische Klassenbewu\u00dftsein der gro\u00dfrussischen Unterdr\u00fcckernation und der Arbeiter der unterdr\u00fcckten Nationen durch den staatlichen Unitarismus der zaristischen Bourgeoisie und durch die von ihr ausge\u00fcbte nationale Unterdr\u00fcckung in Gefahr sieht und, um einer Infektion des Proletariats der unterdr\u00fcckten Nationen durch den kleinb\u00fcrgerlichen Nationalismus vorzubeugen, diesen Nationen das \u201aRecht auf Lostrennung&rsquo; zubilligt, verteidigt Stalin eben jenen Unitarismus als Hauptargument gegen die mit der \u201anational-kulturellen Autonomie&rsquo; zwangsl\u00e4ufig einhergehenden und f\u00fcr das gro\u00dfrussische Imperium unbedingt zu vermeidenden Aufl\u00f6sungserscheinungen des gro\u00dfrussischen Vielv\u00f6lkerstaates. Hilfsweise erkennt er zwar das von Lenin den unterdr\u00fcckten Nationen einger\u00e4umte \u201aRecht auf Lostrennung&rsquo; an. Dieses bleibt aber in seinem Aufsatz als gutgemeinte, aber leere Propagandalosung abstrakt im Raum stehen.<\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\"><strong>3. Vom linken Sozialimperialismus zum neuen Zarentum<\/strong><\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Da\u00df Stalin von der Leninschen Dialektik, mit der jener die \u201anationale Frage&lsquo; analysierte, von Anfang an nicht sehr viel gehalten hat, dokumentiert er 20 Jahre sp\u00e4ter in seiner Kritik an Friedrich Engels&rsquo; Aufsatz <em>Die ausw\u00e4rtige Politik des russischen Zarentums<\/em>, der anl\u00e4\u00dflich des 20. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im theoretischen Organ der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, dem <em>Bolschewik<\/em>, abgedruckt werden sollte. Bekanntlich stellt die Kontroverse \u00fcber die \u201aVaterlandsverteidigung&rsquo;, mit der die Parteien der 2. Internationale 1914 die Bewilligung der Kriegskredite zur \u201aVerteidigung&rsquo; der \u201aNation&rsquo; bef\u00fcrwortet und sich dadurch von dem geheiligten Prinzip des proletarischen Internationalismus verabschiedet hatten, die entscheidende Trennungslinie zwischen Sozialdemokraten und Bolschewiki dar. <\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Auf der anderen Seite hatte Lenin w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs mit der europ\u00e4ischen Partei-Linken nicht weniger harte K\u00e4mpfe dar\u00fcber auszufechten, da\u00df die Ablehnung der \u201aVaterlandsverteidigung&lsquo; kein f\u00fcr alle Ewigkeit bestehendes einzigartiges Prinzip sei, sondern da\u00df dieses in konkret zu bestimmenden F\u00e4llen durchaus Ausnahmen zulasse. Eine solche Ausnahmesituation h\u00e4tte nach Friedrich Engels (und Lenins in seinen Briefen im Schweizer Exil an In\u00e8s Armand) z.B. Ende der 80er Jahre im Bismarck-Reich bestanden, falls der russische Zar Alexander III. gemeinsam mit dem franz\u00f6sischen Boulangismus einen Krieg gegen Deutschland gef\u00fchrt und dadurch nicht nur der Zukunft Deutschlands, sondern auch der Arbeiterpartei in Deutschland ein Ende bereitet h\u00e4tten. In einer solchen Situation, so Engels, h\u00e4tte die deutsche Arbeiterklasse mit demselben Recht den preu\u00dfisch-deutschen Staat gegen den Zangenangriff zweier nach Weltherrschaft strebender europ\u00e4ischer Gro\u00dfm\u00e4chte verteidigen m\u00fcssen, wie das revolution\u00e4re Frankreich sich 1792 gegen die reaktion\u00e4ren Koalitionsm\u00e4chte verteidigt hatte, im Zweifelsfall verbunden mit dem Sturz des vorhersehbar def\u00e4tistischen preu\u00dfischen Regimes und der Errichtung einer Republik, die den nationalen Verteidigungskrieg h\u00e4tte zu Ende f\u00fchren m\u00fcssen. <\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">In seiner Kritik an Engels&rsquo; Aufsatz nimmt Stalin eine \u00e4hnliche Position ein, wie die Partei-Linke zwischen 1914 und 1918 gegen\u00fcber Lenins angeblicher Vaterlandsverteidigung in m\u00f6glichen nationalen Kriegen bezogen hatte. Stalins Kritik an Engels&rsquo; angeblich \u00fcbertriebener Darstellung der Intrigen, Verschw\u00f6rungen etc. der russischen Geheimdiplomatie, bedeutet aber nichts anderes als die Reinwaschung des russischen Zarentums von seiner Weltherrschaftspolitik \u2013 von links. Mit solchen Verharmlosungsversuchen macht sich Stalin selbst zu einem gro\u00dfrussischen \u201aVaterlandsverteidiger&rsquo;, womit er sich um keinen Deut von den sozialdemokratischen \u201aVaterlandsverteidigern&rsquo; vom September 1914 unterscheidet. Zugleich bezieht er an der Seite Bakunins, Proudhons und ihrer \u201amarxistischen&rsquo; Nachfolger offen gegen die \u201aPartei Marx&rsquo; Stellung, was f\u00fcr den weiteren Verlauf der Ereignisse bedeutet, da\u00df er den V\u00f6lkern der Sowjetunion die M\u00f6glichkeit versagt, sich gegen den drohenden Angriff des deutschen Faschismus, der 1934 absehbar war, mit revolution\u00e4ren Mitteln, wie sie Engels 1890 gegen Ru\u00dfland und Frankreich angek\u00fcndigt hatte, zu verteidigen. Statt dessen paktiert er 1939 angeblich aus taktischen Gr\u00fcnden mit der faschistischen Reaktion und verwandelt den antifaschistischen Widerstand in einen Eroberungskrieg des neuen Zarentums gegen die V\u00f6lker der Sowjetunion und Osteuropas, die er der Fr\u00fcchte ihres Sieges \u00fcber den Faschismus beraubt. Aus dem linken Dogmatiker ist in der Leninschen Definition ein echter gro\u00dfrussischer<em> Dershimorda <\/em>geworden. <\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\"><strong>4. Revolution und Konterrevolution in <\/strong><strong>Deutschland<\/strong><\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Nach Marx habe die <strong>&bdquo;Working Class&ldquo; <\/strong>nicht nur<strong> &bdquo;its own Foreign Policy&ldquo;<\/strong>, sondern auch ihre eigene <strong>&bdquo;politische \u00d6konomie&ldquo;<\/strong>. Diese \u00dcberlegung wird in einem Aufsatz von Friedrich Engels aus dem Jahre 1850, auf den sich Marx in einer Fu\u00dfnote im Achten Kapitel des Ersten Bandes des <em>Kapital<\/em> bezieht und der seinen Ausf\u00fchrungen \u00fcber den Kampf f\u00fcr den 10-Stunden-Tag dem ersten Anschein nach zu widersprechen scheint, ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert. Darin geht es um die Dialektik von Reform und Revolution bei der Durchsetzung der <strong>&bdquo;politischen \u00d6konomie der Arbeiterklasse&ldquo;<\/strong> analog zur Durchsetzung der <strong>&bdquo;Foreign Policy&ldquo;<\/strong> der <strong>&bdquo;Working Class&ldquo;<\/strong>. Auch diese Dialektik wird von der reformistischen Linken ebenso wie von linken Reformisten mit F\u00fc\u00dfen getreten. <\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Friedrich Engels unterscheidet in seinem Aufsatz, der sich mit der Geschichte der Einf\u00fchrung der sog. 10-Stunden-Bill in England besch\u00e4ftigt, zwischen einem \u201asystemkonformen&rsquo; und einem revolution\u00e4ren Reformismus, wobei er letzteren in der Chartisten-Bewegung der 30er und 40er Jahre des 19. Jahrhunderts ausmacht. Den Chartisten war es nicht gelungen, die <strong>&bdquo;<\/strong><strong>politische \u00d6konomie der Arbeiterklasse&ldquo;<\/strong> gegen die Bittg\u00e4nge r\u00fcckw\u00e4rtsgewandter Reformisten f\u00fcr die Einf\u00fchrung des 10-Stunden-Tags, die haupts\u00e4chlich an die Adresse des Adels, der Finanzbourgeoisie und der Grundherrenklasse gerichtet waren, durchzusetzen. Dazu h\u00e4tte die englische Arbeiterklasse ein zeitweiliges B\u00fcndnis mit der industriellen Bourgeoisie gegen die reaktion\u00e4re Finanz-Bourgeoisie und den Adel eingehen und zugleich einen aktiven Kampf um die Verteidigung des 10-Stunden-Tages gegen den bisherigen B\u00fcndnispartner bis zum Heranreifen der sozialen Revolution f\u00fchren m\u00fcssen, die dieses B\u00fcndnis beendet h\u00e4tte.<\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\">Diese Dialektik von Reform und Revolution wirft ein bezeichnendes Licht auf die aktuelle Situation in Deutschland, wo die aus der alten DDR-Nomenklatura hervorgegangene \u201aneue Bourgeoisie&rsquo; sich nicht nur den Geist des bu\u00dffertigen Reformismus der einstigen 10-Stunden-Bill-Bewegung w\u00e4hlerwirksam zu eigen macht, sondern zugleich in die Rolle geschl\u00fcpft ist, die Friedrich Engels in seinem Aufsatz die alte reaktion\u00e4re englische Bourgeoisie einnehmen l\u00e4\u00dft. Entsprechend reaktion\u00e4r wird sich auch der in der Programmatik der \u201aneuen Bourgeoisie&rsquo; entwickelte <em>Stamokap<\/em> ausnehmen. <\/p>\n<p ALIGN=\"JUSTIFY\"> Das wirklich Neue daran w\u00e4re, <strong>da\u00df durch diese Form der b\u00fcrgerlichen Klassenherrschaft die ganze Gesellschaft zunehmend in ein nach modernsten Gesichtspunkten organisiertes und verwaltetes gro\u00dfes Arbeitshaus verwandelt wird, vor dem Verm\u00f6gensbesitzer, Akademiker und technische Intelligenz in wachsendem Ma\u00dfe Rei\u00dfaus nehmen. Diese Kehrseite wird von der heutigen Linken mit den in ihrem Schlepptau befindlichen \u201asozialen Bewegungen&rsquo; nicht nur ignoriert, sondern durch ihre Forderung nach Umwandlung des \u201aneoliberalen&rsquo; Kapitalismus in ein staatsmonopolistisches Arbeitshaus mit sozialistischem Anstrich in ihrer reaktion\u00e4ren Tendenz aufs \u00e4u\u00dferste best\u00e4rkt und, um es freundlich auszudr\u00fccken, als erster Schritt in den Sozialismus zutiefst mi\u00dfverstanden.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/pM_0907_DEBATTE_1_Vortrag_pdf_doc.pdf\">Den ganzen Text als PDF-Datei laden<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Vortrag vor Gesellschaftswissenschaftlichen Institut in Bochum (GIB) am 31.05.2008.)<br \/> <br \/>\nDer Referent beteuert, da\u00df er Derridas Wunsch nach einer Beschw\u00f6rung des Geists des Proletariats und der Internationale nicht vorhat zu befolgen, betont aber, um die m\u00f6glicherweise dennoch anwesenden Geister zu beruhigen, da\u00df er nicht, wie die Namensgebung der Web Site partei Marx nahelegen k\u00f6nnte, diese Veranstaltung in eine S\u00e9ance zur Beschw\u00f6rung des reinen Geistes der \u201aPartei Marx\u2019 umfunktionieren wird. Denn im Gegensatz zu Jacques Derridas Tr\u00e4umen eines linken Geistersehers geht er davon aus, da\u00df der Sozialismus, von dem trotz allem auch heute noch getr\u00e4umt werden darf, eine Wissenschaft ist, \u00fcber deren Inhalte, Auffassung und Methode mit guten, h\u00e4ufig aber schlechten, Argumenten gestritten werden soll.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[26],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/535"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=535"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/535\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}