{"id":492,"date":"2008-05-28T22:35:22","date_gmt":"2008-05-28T20:35:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.parteimarx.org\/wordpress\/?p=492"},"modified":"2013-07-27T10:53:02","modified_gmt":"2013-07-27T08:53:02","slug":"debatte-1-anhang-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.parteimarx.org\/?p=492","title":{"rendered":"Anhang 3"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\"><span class=\"subHeaderSmall\">J.W. Stalin:<\/span><br \/>\n<span class=\"subHeader\">\u00dcber Engels Artikel \u201aDie ausw\u00e4rtige Politik des russischen Zarentums\u2019<\/span><\/h2>\n<p>Die PDF-Datei enth\u00e4lt detailierte Angaben \u00fcber die Herkunft der Quellen und die verschiedenen \u00dcbersetzungen von Teilen des Textes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/pM_0907_DEBATTE_1_ANHANG_3_pdf_2_doc.pdf\">Diesen Artikel als PDF-Datei laden.<\/a><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit Zusendung des Artikels von Engels \u201aDie ausw\u00e4rtige Politik des russischen Zarentums\u2019 an die Mitglieder des Politb\u00fcros des ZK halte ich es f\u00fcr erforderlich, diesem folgende Bemerkungen voranzuschicken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Genosse Adoratski schl\u00e4gt vor, in der n\u00e4chsten, dem zwanzigsten Jahrestag des imperialistischen Weltkriegs gewidmeten Nummer des Bolschewik den bekannten im Jahre 1890 zum ersten Mal im Ausland ver\u00f6ffentlichten Artikel von Engels \u201aDie ausw\u00e4rtige Politik des russischen Zarentums\u2019 abzudrucken. Ich w\u00fcrde es f\u00fcr durchaus normal halten, wenn man vorschl\u00fcge, diesen Aufsatz in einem Sammelband der Schriften von Engels oder in einer der historischen Zeitschriften abzudrucken. Man schl\u00e4gt uns aber vor, ihn in unserer Kampfzeitschrift, im Bolschewik in einer Nummer abzudrucken, die dem zwanzigsten Jahrestag des imperialistischen Weltkriegs gewidmet ist. Folglich ist man der Meinung, da\u00df dieser Artikel als ein richtunggebender oder jedenfalls als ein Aufsatz zu betrachten sei, der f\u00fcr unsere Parteiarbeiter vom Standpunkt der Kl\u00e4rung der Probleme des Imperialismus und der imperialistischen Kriege au\u00dferordentlich lehrreich sei. Ungeachtet seiner Vorz\u00fcge hat jedoch Engels\u2019 Artikel, wie aus seinem Inhalt ersichtlich ist, diese Qualit\u00e4ten leider nicht. Mehr   noch, er weist eine Reihe von M\u00e4ngeln auf, die den Leser, wenn der Artikel ohne kritische Bemerkungen ver\u00f6ffentlicht wird, verwirren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Darum halte ich es f\u00fcr unzweckm\u00e4\u00dfig, den Artikel von Engels in der n\u00e4chsten Nummer des Bolschewik zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber um welche M\u00e4ngel handelt sich?<\/p>\n<p>1. Nachdem Engels die expansionistische Politik des russischen Zarentums kritisiert und das Verabscheuensw\u00fcrdige dieser Politik geb\u00fchrend gew\u00fcrdigt hat, erkl\u00e4rt er diese nicht nur mit dem \u201aDrang\u2019 einer kriegerisch-feudalistisch-kaufm\u00e4nnischen Elite Ru\u00dflands nach Zug\u00e4ngen zum Meer, nach Seeh\u00e4fen, nach der Erweiterung des Au\u00dfenhandels und der Einnahme strategischer St\u00fctzpunkte, sondern vor allem damit, da\u00df angeblich an der Spitze der russischen Au\u00dfenpolitik eine \u00e4u\u00dferst einflu\u00dfreiche und talentierte Clique ausl\u00e4ndischer Abenteurer stehe, die aus unerfindlichen Gr\u00fcnden immer und \u00fcberall mit Erfolg operiert, der es auf wundersame Weise gelingt, jedes beliebige Hindernis auf dem Weg zu ihren abenteuerlichen Zielen zu beseitigen und alle europ\u00e4ischen Regierungen geschickt an der Nase herumzuf\u00fchren und die es schlie\u00dflich erreicht hat, da\u00df Ru\u00dfland in milit\u00e4rischer Hinsicht zum m\u00e4chtigsten Staat geworden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine solche Behandlung dieser Frage mag aus dem Mund von Engels mehr als unwahrscheinlich erscheinen, aber sie ist leider eine Tatsache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hier die entsprechenden Zitate aus dem Aufsatz von Engels:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00bbDie ausw\u00e4rtige Politik ist unbedingt die Seite, wo das Zarentum stark, sehr stark ist. Die russische Diplomatie bildet gewisserma\u00dfen einen modernen Jesuitenorden, m\u00e4chtig genug, im Notfall selbst zarische Launen zu \u00fcberwinden und der Korruption in seinem eignen Innern Herr zu werden, um sie desto reichlicher nach au\u00dfen auszustreuen; einen Jesuitenorden, rekrutiert urspr\u00fcnglich und vorzugsweise aus Fremden, Korsen wie Pozzo di Borgo, Deutschen wie Nesselrode, Ostseedeutschen wie Lieven, wie seine Stifterin Katharina II. eine Fremde war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bis jetzt hat nur ein Vollrusse, Gortschakow, die h\u00f6chste Stelle in diesem Orden bekleidet, und sein Nachfolger, von Giers, tr\u00e4gt wieder fremden Namen. Es ist diese urspr\u00fcnglich aus fremden Abenteurern rekrutierte geheime Gesellschaft, die das Russische Reich auf seine gegenw\u00e4rtige Machtf\u00fclle gehoben hat. Mit eiserner Ausdauer, unverr\u00fcckt den Blick auf das Ziel geheftet, vor keinem Treubruch, keinem Verrat, keinem Meuchelmord, keiner Kriecherei zur\u00fcckschreckend, Bestechungsgelder mit vollen H\u00e4nden austeilend, durch keinen Sieg \u00fcberm\u00fctig, durch keine Niederlage verzagt gemacht, \u00fcber die Leichen von Millionen Soldaten und wenigstens eines Zaren hinweg, hat diese talentvolle Bande mehr als alle russischen Armeen dazu beigetragen, die Grenzen Ru\u00dflands vom Dnepr und der Dwina bis \u00fcber die Weichsel, bis an den Pruth, die Donau und das Schwarze Meer, vom Don und der Wolga bis \u00fcber den Kaukasus und zu den Quellgebieten des Oxus und Jaxartes vorzuschieben, Ru\u00dfland gro\u00df, gewaltig, gef\u00fcrchtet zu machen und ihm den Weg zur Weltherrschaft zu er\u00f6ffnen.\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man k\u00f6nnte meinen, da\u00df in der Geschichte Ru\u00dflands \u2013 in seiner Au\u00dfen-Geschichte \u2013 die Diplomatie alles, die Zaren, Feudalherren, Kaufleute und all die anderen sozialen Gruppen dagegen \u2013 nichts oder so gut wie gar nichts bedeutet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man k\u00f6nnte meinen, da\u00df, wenn an der Spitze der russischen Au\u00dfenpolitik keine ausl\u00e4ndischen Abenteurer wie Nesselrode oder Giers gestanden h\u00e4tten, sondern russische Abenteurer wie Gortschakow und andere, da\u00df dann auch die russische Au\u00dfenpolitik einen anderen Weg eingeschlagen h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich spreche schon gar nicht davon, da\u00df diese expansionistische Politik mit all ihrer Verabscheuensw\u00fcrdigkeit und all ihrem Schmutz keineswegs ein Monopol der russischen Zaren darstellte. Jeder wei\u00df, da\u00df diese expansionistische Politik \u2013 in geringerem, wenn nicht gr\u00f6\u00dferem Umfang \u2013 K\u00f6nigen und Diplomaten aller europ\u00e4ischen Staaten zu eigen war, einschlie\u00dflich der b\u00fcrgerlichen Ausgabe eines Kaisers wie Napoleon, der, ungeachtet seiner nicht-kaiserlichen Abstammung in seiner Au\u00dfenpolitik Intrigen, Betrug, Verrat, Schmeichelei, Greueltaten, Bestechung, Mord, Brandstiftung problemlos praktiziert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun ja, es konnte auch nicht anders sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Offenbar hat sich Engels in seinem Pamphlet gegen das russische Zarentum (und der Artikel von Engels \u2013 ist ein gutes polemisches Pamphlet) ein wenig hinrei\u00dfen lassen und f\u00fcr einen winzigen Augenblick einige grundlegende, ihm aber wohlbekannte Dinge vergessen.]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">2. Engels charakterisiert die Lage in Europa und legt die Ursachen und Perspektiven des herannahenden Weltkriegs dar; er schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00bbDie heutige europ\u00e4ische Lage wird beherrscht von drei Tatsachen: 1. der Annexion von Elsa\u00df-Lothringen an Deutschland, 2. dem Drang des zaristischen Ru\u00dflands nach Konstantinopel, 3. dem in allen L\u00e4ndern immer hei\u00dfer entbrennenden Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie, dessen Thermometer die \u00fcberall im Aufschwung begriffene sozialistische Bewegung ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die ersten beiden bedingen die heutige Gruppierung Europas in zwei gro\u00dfe Heerlager. Die deutsche Annexion macht Frankreich zum Bundesgenossen von Ru\u00dfland gegen Deutschland, die zarische Bedrohung Konstantinopels macht \u00d6sterreich, selbst Italien zu Bundesgenossen Deutschlands. Beide Lager r\u00fcsten f\u00fcr einen Entscheidungskampf, f\u00fcr einen Krieg, wie ihn die Welt noch keinen gesehn, wo zehn bis f\u00fcnfzehn Millionen K\u00e4mpfer einander in Waffen gegen\u00fcberstehen werden. Nur zwei Umst\u00e4nde haben bis heute den Ausbruch dieses furchtbaren Krieges verhindert: erstens der unerh\u00f6rt rasche Fortschritt der Waffentechnik, der jedes neuerfundene Gewehrmodell durch neue Erfindungen \u00fcberfl\u00fcgelt, ehe es nur bei einer Armee eingef\u00fchrt werden kann, und zweitens die absolute Unberechenbarkeit der Chancen, die totale Ungewi\u00dfheit, wer aus diesem Riesenkampf schlie\u00dflich als Sieger hervorgehen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese ganze Gefahr eines Weltkriegs verschwindet an dem Tag, wo eine Wendung der Dinge in Ru\u00dfland dem russischen Volk erlaubt, durch die traditionelle Eroberungspolitik seiner Zaren einen dicken Strich zu machen und sich mit seinen eignen, aufs \u00e4u\u00dferste gef\u00e4hrdeten innern Lebensinteressen zu besch\u00e4ftigen, statt mit Weltherrschaftsphantasien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u2026da\u00df eine russische Nationalversammlung, um nur die dringendsten inneren Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden, sehr bald allem Dr\u00e4ngen nach neuen Eroberungen einen entscheidenden Riegel vorschieben mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Europa gleitet wie auf einer schiefen Ebene mit wachsender Geschwindigkeit abw\u00e4rts, dem Abgrund des Weltkriegs von bisher unerh\u00f6rter Ausdehnung und Heftigkeit entgegen. Nur eins kann hier Halt gebieten: ein Systemwechsel in Ru\u00dfland. Da\u00df er binnen wenig Jahren kommen mu\u00df, daran kann kein Zweifel sein.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man kann nicht umhin zu bemerken, da\u00df in dieser Charakteristik der Lage Europas und in der Aufz\u00e4hlung der Ursachen, die zum Weltkrieg f\u00fchren, ein wichtiges Moment au\u00dfer acht gelassen wurde, das dann eine entscheidende Rolle gespielt hat, und zwar das Moment des imperialistischen Kampfes um Kolonien, um Absatzm\u00e4rkte, um Rohstoffquellen, das schon damals von sehr ernster Bedeutung war; es wurde au\u00dfer acht gelassen die Rolle Englands als eines Faktors des kommenden Weltkriegs, das Moment der Widerspr\u00fcche zwischen Deutschland und England, der Widerspr\u00fcche, die schon damals von ernster Bedeutung waren und dann eine fast bestimmende Rolle in der Entstehung und Entwicklung des Weltkriegs spielten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich glaube, da\u00df dieses Vers\u00e4umnis den Hauptmangel des Engelsschen Artikels darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aus diesem Mangel entspringen die \u00fcbrigen M\u00e4ngel, unter denen die folgenden hervorzuheben n\u00f6tig w\u00e4re:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">a) Die \u00dcbersch\u00e4tzung der Rolle des Dranges des zaristischen Ru\u00dflands nach Konstantinopel im Heranreifen des Weltkriegs. Wohl hat Engels als Kriegsfaktor anfangs die Annexion von Elsa\u00df-Lothringen an Deutschland an die erste Stelle gesetzt, aber dann schiebt er dieses Moment in den Hintergrund und die Eroberungsbestrebungen des russischen Zarismus in den Vordergrund, wobei er behauptet, da\u00df die \u00bbganze Gefahr eines Weltkriegs an dem Tag verschwindet, wo eine Wendung der Dinge in Ru\u00dfland dem russischen Volk erlaubt, durch die traditionelle Eroberungspolitik seiner Zaren einen dicken Strich zu machen\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das ist nat\u00fcrlich eine \u00dcbertreibung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">b) Die \u00dcbersch\u00e4tzung der Rolle der b\u00fcrgerlichen Revolution in Ru\u00dfland, die Rolle der \u00bbrussischen Nationalversammlung\u00ab (b\u00fcrgerliches Parlament) bei der Verh\u00fctung des herannahenden Weltkrieges. Engels behauptet, der Sturz des Zarismus sei das einzige Mittel zur Verh\u00fctung des Weltkriegs. Das ist eine offensichtliche \u00dcbertreibung. Eine neue, | b\u00fcrgerliche Ordnung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">in Ru\u00dfland mit ihrer \u00bbNationalversammlung\u00ab h\u00e4tte den Krieg schon deswegen nicht verh\u00fcten k\u00f6nnen, weil die Haupttriebfedern des Krieges in der Ebene des imperialistischen Kampfes zwischen den entscheidenden imperialistischen M\u00e4chten lagen. Es handelt sich darum, da\u00df seit der Niederlage Ru\u00dflands in der Krim (in den f\u00fcnfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts) die selbst\u00e4ndige Rolle des Zarismus auf dem Gebiet der Au\u00dfenpolitik Europas bedeutend zu sinken begann, und kurz vor dem imperialistischen Weltkrieg spielte das zaristische Ru\u00dfland im wesentlichen die Rolle einer Hilfsreserve f\u00fcr die Hauptm\u00e4chte Europas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">c) Die \u00dcbersch\u00e4tzung der Rolle der zaristischen Macht als der \u00bbletzten starken Festung der gesamteurop\u00e4ischen Reaktion\u00ab (Engels\u2019 Worte). Da\u00df die zaristische Macht in Ru\u00dfland eine starke Festung der gesamteurop\u00e4ischen (und auch der asiatischen) Reaktion war \u2013 dar\u00fcber kann es keinen Zweifel geben. Aber da\u00df sie die letzte Festung dieser Reaktion war \u2013 das ist mit Verlaub zu bezweifeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist notwendig festzustellen, da\u00df diese M\u00e4ngel des Engelsschen Artikels nicht nur \u201ehistorischen Wert\u201c haben. Sie haben auch eine sehr wichtige praktische Bedeutung oder mu\u00dften sie haben. In der Tat: Wenn der imperialistische Kampf um Kolonien und Einflu\u00dfsph\u00e4ren als Faktor des herannahenden Weltkriegs au\u00dfer acht gelassen wird, wenn die imperialistischen Widerspr\u00fcche zwischen England und Deutschland ebenfalls au\u00dfer acht gelassen werden, wenn die Annexion Elsa\u00df-Lothringens an Deutschland als Kriegsfaktor in den Hintergrund, der Drang des russischen Zarismus nach Konstantinopel als der wichtigste und sogar bestimmendste Kriegsfaktor aber in den Vordergrund geschoben wird, wenn schlie\u00dflich der russische Zarismus die letzte St\u00fctze der gesamteurop\u00e4ischen Reaktion ist \u2013 ist es dann nicht klar, da\u00df ein Krieg \u2013 sagen wir \u2013 des b\u00fcrgerlichen Deutschlands gegen das zaristische Ru\u00dfland kein imperialistischer, kein r\u00e4uberischer, kein volksfeindlicher Krieg, sondern ein Befreiungskrieg oder fast ein Befreiungskrieg ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist kaum zu bezweifeln, da\u00df ein analoger Gedankengang den S\u00fcndenfall der deutschen Sozialdemokratie am 4. August erleichtern mu\u00dfte, als sie beschlo\u00df, f\u00fcr die Kriegskredite zu stimmen und die Losung der Verteidigung des b\u00fcrgerlichen Vaterlandes gegen das zaristische Ru\u00dfland, gegen die \u201erussische Barbarei\u201c usw. verk\u00fcndete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist charakteristisch, da\u00df Engels in seinen 1891 geschriebenen Briefen an Bebel (ein Jahr nach der Ver\u00f6ffentlichung seines Artikels), in | denen er die Perspektiven des herannahenden Krieges behandelt, direkt sagt, da\u00df \u00bbder Sieg Deutschlands also der Sieg der Revolution ist\u00ab, da\u00df er schreibt, \u00bbwenn Ru\u00dfland Krieg anf\u00e4ngt, druf auf die Russen und ihre Bundesgenossen, wer sie auch seien\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist verst\u00e4ndlich, da\u00df bei einem solchen Gedankengang kein Raum ist f\u00fcr den revolution\u00e4ren Def\u00e4tismus, f\u00fcr die Leninsche Politik der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So steht es mit den M\u00e4ngeln des Engelsschen Artikels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Offenbar war Engels von dem damals (1890\/91) sich anbahnenden franz\u00f6sisch-russischen B\u00fcndnis, das seine Spitze gegen die \u00f6sterreichisch-deutsche Koalition richtete, beunruhigt und steckte sich das Ziel, in seinem Artikel die Au\u00dfenpolitik des russischen Zarismus zu attackieren und der \u00f6ffentlichen Meinung Europas und vor allem Englands jedes Vertrauen zu ihr zu nehmen. Aber bei der Verfolgung dieses Ziels lie\u00df er eine Reihe anderer wichtiger und sogar bestimmender Momente au\u00dfer acht, was eine Einseitigkeit des Artikels zur Folge hatte. Lohnt es sich nach all dem Gesagten, Engels\u2019 Artikel in unserem Kampforgan, dem Bolschewik, als einen richtunggebenden oder jedenfalls h\u00f6chst lehrreichen Artikel abzudrucken? Denn es ist doch klar, da\u00df eine Ver\u00f6ffentlichung im Bolschewik bedeuten w\u00fcrde, ihn stillschweigend gerade als solchen zu empfehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich denke, es lohnt sich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">19. Juli 1934<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>J.W. Stalin: \u00dcber Engels\u2019 Artikel \u201aDie ausw\u00e4rtige Politik des russischen Zarentums<\/b><br \/>\nDie vollst\u00e4ndige deutsche \u00dcbersetzung des Textes.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[26],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/492"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=492"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/492\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}