{"id":2105,"date":"2021-08-09T16:10:11","date_gmt":"2021-08-09T14:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.parteimarx.org\/?p=2105"},"modified":"2021-08-09T16:14:21","modified_gmt":"2021-08-09T14:14:21","slug":"von-darwin-ueber-duehring-zu-stalin-und-putin-und-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.parteimarx.org\/?p=2105","title":{"rendered":"Von Darwin \u00fcber D\u00fchring zu Stalin und Putin und zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach \u00bbVierzig Jahre Schweigen&#8230;\u00ab entschlie\u00dft sich das <em>Neue Deutschland<\/em> zur Aufar\u00adbeitung der Lagervergangenheit der Aufbaugeneration der DDR. Dieser sich aus der gew\u00f6hnlichen linken Geschichtsvergessenheit heraushebende Artikel hat nur den einen kleinen Sch\u00f6nheitsfehler. Er ist in Gendersprache verfa\u00dft: durch diesen Ver\u00adfremdungseffekt wird die mit dem Gulag verbundene Klassenkampf-Katastrophe in ihrer ganzen Bedeutung verharmlost und \u00e4u\u00dferst banal. Stalin oder Gender? Kein Problem! Was noch ins Auge f\u00e4llt, ist z.B., da\u00df die weiblichen H\u00e4ftlinge durch die Bank einen Genderstern erhalten, die \u00bbT\u00e4ter\u00ab aber keinen, also keine T\u00e4ter-*innen sind, sondern die \u00bbT\u00e4ter\u00ab von vornherein m\u00e4nnliche \u00bbT\u00e4ter\u00ab \u2013sonst tr\u00fcgen auch sie einen Stern. (Eine j\u00fcdische Leserin hat k\u00fcrzlich abgelehnt, als J\u00fcd-*in schon wieder mit einem Stern herumlaufen zu m\u00fcssen!) In der genderistischen  \u201e&#8230;sch\u00f6nen neuen Welt\u201c wird die Kategorie des Allgemeinen gecancelt. In ihr soll es das geschlechtslose Allgemeine nicht mehr geben, das aus dem Gemeinsamen (communis) abgeleitet ist, und z.B. auch im Begriff der Allmende steckt, die wiederum mit dem Marxschen Kommunismus etwas \u201egemein\u201c hat; eine Kategorie im \u00fcbrigen, ohne die sich DAS KAPITAL wie ein M\u00e4rchenbuch \u00fcber \u201eden b\u00f6sen Kapitalismus\u201c l\u00e4se. Geschlechtslose Gattungsbegriffe dienen h\u00e4ufig der Bezeichnung von Institutionen; ihnen l\u00e4\u00dft sich kein biologisches Geschlecht zuordnen. Sie sind, was gender betrifft, neutral. Da\u00df eine Institution wie die Schule grammatikalisch feminin ist, wird ja wohl nicht be\u00addeuten, da\u00df alle Schulen M\u00e4dchenschulen sind, die es ohnehin kaum noch gibt. Eine solche Verallgemeinerung l\u00e4\u00dft die Bezeichnung einer Institution nicht zu. Oder soll das \u201eZum-B\u00e4cker-gehen\u201c besagen, da\u00df ich mich mit dem B\u00e4cker auf ein Bier treffen werde? Wenn ich mich sich selbst nicht f\u00fcr dumm verkaufen will, kann das nur hei\u00ad\u00dfen, da\u00df ich die Institution eines Backwarengesch\u00e4fts aufsuchen und dort Br\u00f6tchen kaufen will. Die unsinnigsten Sprachregelungen werden von den Genderisten mit dem generischen Substantiv veranstaltet, das, obwohl seine grammatische Form ein Maskulinum ist, alle Geschlechter (m., f., n.) umfassen kann, was aber von den Gen\u00adderisten als eine Diskriminierung des nicht besonders hervorgehobenen weiblichen Geschlechts verkauft wird. Der Mensch ist grammatikalisch ein Maskulinum, das M\u00e4nner, Frauen, Kinder umfa\u00dft. (Ja, Kinder sind auch Geschlechtswesen, sagt Freud, aber der Umgang mit ihnen sollte nahelegen, sie doch bitte als geschlechtslos zu be\u00adhandeln! Oder ist man in Rom dar\u00fcber immer noch anderer Ansicht?) Die Diskrimi\u00adnierung der Frau durch ihre angebliche Nichtbeachtung im Zusammenhang mit einem generischen Substantiv, die angeblich dadurch aufgehoben wird, da\u00df dieses (sexistisch) genderisiert wird, entspricht keiner kindlichen, sondern einer kindischen Logik (Kinder sind schlauer als die linken Verk\u00e4ufer von des Kaisers neuen Kleidern von ihnen annehmen!). Um solchen Kindereien zu entgehen, wird von Einsichtigen  vorgeschlagen, da\u00df man, um Br\u00f6tchen zu kaufen, statt \u201ezum (m\u00e4nnlichen) B\u00e4cker\u201c besser \u201ezu-den-B\u00e4ckersleuten\u201c gehen sollte, da das geschlechtergerechter ist, weil \u201eLeute\u201c diverse Geschlechter haben. Eine ziemlich alberne Verlegenheitsl\u00f6sung&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><br>Am aller \u00fcbelsten aber sind die Auswirkungen, die all diese Sprachverunstaltungen auf ernsthaft zu diskutierende Sachverhalte haben, die auf unsinnige Weise verfrem\u00addet und verharmlost werden. Der Text der Artikelschreiberin verdient eine ernstzu\u00adnehmende Beachtung. Aber die verr\u00fcckte Form, in der dieser vorgetragen wird, er\u00adzeugt die entgegengesetzte Wirkung. Wenn diese (wie zu erwarten, nach der n\u00e4chsten BT-Wahl) Standard werden sollte, werden auch die politisch interessan\u00adtesten Texte unlesbar gemacht werden, was der darin vertretenen Sache mehr schaden w\u00fcrde als der sch\u00e4rfste Verri\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Der beharrlich an diesem grammatikalischen Unsinn bohrenden Minderheit ist es \u00fcber die Jahre hinweg in den \u00dcberbau-Institutionen und Verwaltungen gelungen, ihr gleichmacherisches Sprachregiment durchzusetzen, dessen Auswirkungen f\u00fcr jeden ernstzunehmenden wissenschaftlichen Diskurs t\u00f6dlich ist; vor allem aber, wenn es gelingt, dieses von dort aus \u00fcber die g\u00e4ngigen Meinungstr\u00e4ger und den Schulunterricht in die Alltagssprache zu \u00fcbertragen. Wer sich individuell auf den Gender-Sprech einl\u00e4\u00dft und die aufgestellten Gender-Stolpersteine sorgf\u00e4ltig zu meiden versucht, soll, zumindest als m\u00e4nnlicher Sprecher, als erstes daran erinnert werden, da\u00df er eigentlich zu den \u00fcberfl\u00fcssigsten Lebewesen auf diesem Planeten geh\u00f6rt, die wegen der ihnen verbliebenen n\u00fctzlichen Funktion als Samenspender letztlich der Massentierhaltung oder einem Gulag f\u00fcr Gender-Feinde zuzuweisen w\u00e4re&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Wer mit Stalin der Ansicht ist, da\u00df die Sprache als \u00bbSprache des ganzen Volkes geschaffen worden (ist)\u00ab (SW 17,195), f\u00fcr den l\u00e4\u00dft sich dieser Satz auch umdrehen:  dann stellt der genderistische Staat sprachliche Verkehrsschilder auf, die den Sprechern eine bestimmte von ihm festgelegte Richtung weisen, in der ein bestimmtes Gesellschaftsbild und ein von oben dekretierter mainstream durchgesetzt wird&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die kleine Sensation, die darin bestanden h\u00e4tte, da\u00df die SED-Nachfolgerin in ihrem  Zentralorgan beginnt, sich mit ihrer eigenen terroristischen Vergangenheit zu befassen, wird durch die Verwendung einer Sprachnorm, die sich von der von Stalin dekretierten Auffassung \u00fcber das Wesen der Sprache, nicht wesentlich  unterscheidet, geradezu in ihr Gegenteil verwandelt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Der Zweite Teil des Vortrags besch\u00e4ftigt sich mit der Beziehung des Sozial-Darwinismus und bestimmten Auffassungen des Marxismus, die mit Eugen D\u00fchrings Attacken auf Marx und Engels erstmals an die Oberfl\u00e4che traten, wodurch beide gezwungen waren, darauf in einem umfangreichen Text polemisch zu reagieren. In diesem Zusammenhang werden Thesen vorgestellt, die auf Grund ihrer Skizzenhaftigkeit schwer auf den Begriff zu bringen sind. Nur so viel: im Mittelpunkt steht in der Auseinandersetzung mit D\u00fchrings Vulg\u00e4r\u00f6konomie die Differenz zwischen Genesis und Entwicklungsgeschichte. Setzt die Untersuchung von Aufstieg, Verfall und Untergang bestimmter Produktionsformen die Kritik der politischen \u00d6konomie (ausgehend von der embryonalen Entwicklung der Wertform) voraus oder ist die Entwicklung der Kategorien des KAPITAL der theoretische Reflex auf die Entwicklung der Klassenk\u00e4mpfe und ihres Studiums? Liegt bei dem Versuch der popul\u00e4ren Darstellung dieses Verh\u00e4ltnisses im <em>Anti-D\u00fchring<\/em>, die auch als marxistische Einf\u00fchrungsvorlesung zum Studium des Marxismus mi\u00dfverstanden werden k\u00f6nnte, ein Bruch mit dem urspr\u00fcnglichen Konzept des Marxschen KAPITAL vor, wobei die Wertformanalyse zu dem Zweck evolutionistisch verunstaltet wird, um D\u00fchrings Gewalttheorie beim Schopfe zu packen? Und k\u00f6nnte dieses Verfahren vielleicht sogar eine hervorragende Theorie liefern, um das Diktat der \u00d6konomie durch die Politik f\u00fcr die Zeit von 1917-1989 transparent zu machen, wodurch \u00bbdie Gemeinsamkeiten zwischen D\u00fchring, Stalin, Putin und dem SED-Staat um ein weiteres Mal best\u00e4tigt\u00ab w\u00fcrden?<\/p>\n\n\n\n<p><br>Woran erneut deutlich wird, da\u00df wegen \u00bbder Komplexit\u00e4t dieses Themas &#8230; sich diese(s) nur noch in einem Buch einigerma\u00dfen zufriedenstellend entwirren l\u00e4\u00dft\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><br><a href=\"https:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/pM-2108-AT-1-2021-VON-DARWIN-ZU-PUTIN.pdf\"> <\/a><\/strong><a href=\"https:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/pM-2108-AT-1-2021-VON-DARWIN-ZU-PUTIN.pdf\">Diesen Text als pdf herunterladen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach \u00bbVierzig Jahre Schweigen&#8230;\u00ab entschlie\u00dft sich das Neue Deutschland zur Aufar\u00adbeitung der Lagervergangenheit der Aufbaugeneration der DDR. 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