{"id":1189,"date":"2011-06-01T14:30:41","date_gmt":"2011-06-01T12:30:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=1189"},"modified":"2011-11-01T17:29:05","modified_gmt":"2011-11-01T15:29:05","slug":"reaktionen-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.parteimarx.org\/?p=1189","title":{"rendered":"Reaktionen (2007)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?cat=14\">zur&uuml;ck zur &Uuml;bersicht Reaktionen<\/a><\/p>\n<p><strong>Die an dieser Stelle wiedergegebenen feedbacks zum Projekt Partei Marx haben im Augenblick nur archivalischen Wert, da die eingangs ge\u00e4u\u00dferte Faszination an demselben, bis auf die nachstehend dokumentierten Ausnahmen, fast auf Null gesunken ist.<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Daher verweisen wir auf die REFLEXIONEN, KRITIK und DEBATTE, worin wir uns mit unseren Kritikern und Autoren kritisch auseinandersetzen, die zu der Thematik, mit der wir uns zu besch\u00e4ftigen haben, in, wie wir meinen, besonderer Weise hervorgetreten sind.<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Zu Dokumentationszwecken wurden einige Briefe aus der Zeit vor 2001 aufgenommen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>In der letzten Zeit (seit dem Fr\u00fchjahr 2007) haben die REAKTIONEN den einseitigen Charakter einer Art \u201aFlaschenpost\u2019 angenommen, die, so ist zu hoffen, wieder einem regeren Meinungsaustausch Platz machen wird.<\/strong><\/p>\n<p>[Korrekturen sinnentstellender Fehler sowie K\u00fcrzungen werden in eckige Klammern gesetzt und folgen der klassischen Deutschen Rechtschreibung.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/pM_0907_REA_doc.pdf\">Dieser Text ist auch als PDF-Datei verf\u00fcgbar<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>An <em>Partei Marx<\/em><\/strong> (01.01.2007)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich danke Dir herzlich f\u00fcr Deine u. a. Mail.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider kann ich Dir auf Deinen Text jetzt nicht gr\u00fcndlich antworten [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim \u00dcberfliegen von <strong>KRITIK 1 Antwort an DS<\/strong> ist mir aber folgendes aufgefallen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDie \u201asozialstaatlichen Institutionen\u2019 sind als staatliche Institutionen   \u00dcberbau-\u201aSuperstrukturen\u2019, wenn sie sich auch noch so basis-orientiert geben   m\u00f6gen. Sie wirken langfristig nicht \u201azivilisierend\u2019, sondern entzivilisierend,   weil sie die Wirksamkeit der gr\u00f6\u00dften Produktivkraft der b\u00fcrgerlichen   Gesellschaft \u2013 die revolution\u00e4re Klasse selbst \u2013 aushebeln und   neutralisieren und das Ende des Kapitalismus in einen langandauernden Proze\u00df   des Siechtums, in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden unterbrochen von   Zivilisationskatastrophen, \u00fcberf\u00fchren.\u201c<\/strong>[1]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bitte, erkl\u00e4re mir, wer die <strong>\u201erevolution\u00e4re Klasse\u201c<\/strong> ist, deren <strong>\u201eWirksamkeit als gr\u00f6\u00dfte Produktivkraft   der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft\u201c<\/strong> hier   neutralisiert worden sein soll. Die Produktivkraft der in der Produktion   produzierenden Arbeiter kann ja wohl nicht gemeint sein, denn die produzieren   ja realiter Tag f\u00fcr Tag mit immer H\u00d6HERER Produktivit\u00e4t. Das w\u00e4re Dir ja auch   viel zu \u00f6konomisch. Du bist ja politischer Revolution\u00e4r. Also: Sind sie doch   gemeint, aber als REVOLUTION\u00c4RE KLASSE? Wenn letzteres zutrifft, bitte ich um   Nachricht wie, wo und wann diese Klasse real revolution\u00e4r agiert. Ich erinnere   mich lebhaft daran, da\u00df Du seinerzeit [&#8230;] bedauernd eingestanden hast, diese   nicht konkret real bestimmen zu k\u00f6nnen. (heute: wof\u00fcr wie gesagt momentan recht   wenig spricht)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist immer dasselbe Elend mit Dir: Durch Deine gesamte Argumentation zieht   sich wie ein roter Faden implizite das blasse, imaginierte revolution\u00e4re   Subjekt \u201aArbeiterklasse\u2019. Dieses existiert aber nur in Deinem Kopf. Es ist   geradezu faszinierend f\u00fcr mich, wie Du aus diesem Hirngespinst alles andere   deduzier[s]t, genauer gesagt, die Bewertung aller anderen Kr\u00e4fte vornimmst: Der   Betonkommunisten, Versicherungsvertreter, Spie\u00dfer etc. Da ist nat\u00fcrlich etwas   dran, denn man braucht ja einen Ma\u00dfstab, um zu messen. Aber der von Dir   gew\u00e4hlte ist eben eine FIKTION!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb sind mir die vielen kleinen realen \u201aVersager\u2019 lieber als die   eingebildete Superkraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist doch im Grunde ganz einfach: Wie haben nur das, was wir haben. Und damit   m\u00fcssen [wir] arbeiten. Der Rest ist Spinnerei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dein theoretisches und praktisches Problem ist, da\u00df Du nicht ad hominem   operierst, sondern aus der Abstraktion heraus, richtiger: Wunschdenken. Das   Bisky-Zitat, das ich Dir seinerzeit wunschgem\u00e4\u00df geliefert habe,[2] hast Du   nicht ernst genommen. Wir m\u00fcssen vom realen Menschen ausgehen, nicht davon wie   wir uns ihn w\u00fcnschen. Analog: Arbeiterklasse. Dein Wunschdenken ist gescheitert   und wird immer wieder scheitern, weil es gegen die Realit\u00e4t der Menschen, des   Lebens gerichtet ist. Faktisch argumentierst Du best\u00e4ndig gegen die Mehrheit,   was Dir als echter kommunistischer Revolution\u00e4r nat\u00fcrlich am Arsch vorbeigeht.   So stimmt bspw. eine \u00fcberw\u00e4ltigende stabile Mehrheit der Bundesb\u00fcrger dem   Sozialstaat grunds\u00e4tzlich zu \u2013 West 86%, Ost 95% im Schnitt der Jahre   1991-2004 (Datenreport 2006, 649). Was glaubst Du, w\u00fcrden diese Leute sagen,   wenn Du ihnen sagen w\u00fcrdest, da\u00df sie sich dabei entzivilisieren, ihre   revolution\u00e4re Produktivkraft einb\u00fc\u00dfen. Lautes Gel\u00e4chter! Zu Recht! Warum   sollten sie auch REVOLUTION machen, wenn sie mit dem Sozialstaat zufrieden   sind, folglich seinen Abbau kritisieren bzw. ihn (durch \u201ab\u00fcrgerlichen\u2019   Oppositionsdruck bewirkt bzw. Regierungs\u00fcbernahme durch Reformisten) ausgebaut   wissen wollen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die revolution\u00e4re   Produktivkraft wird in dem Ma\u00dfe wieder NOTWENDIG (und damit auch   nachvollziehbar f\u00fcr die Menschen), in dem Ma\u00dfe er abgebaut wird. Aber \u00fcber   Montagsdemonstranten wirst Du doch nur lachen, weil sie (zun\u00e4chst) nicht (oder   nie) den h\u00f6chsten kommunistischen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum: Deine Argumentation ist also deshalb v\u00f6llig weltfremd und v\u00f6llig   verkehrt, weil Du die (f\u00fcr die realen Menschen und den gesellschaftlichen   Fortschritt) positive Funktion des Sozialstaates negierend, sie ins negative   verkehrst, und folglich auch nicht seinen Abbau kritisieren kannst, denn wenn   das Negative ja reduziert wird, kann das ja nur gut sein (f\u00fcr den abstrakten   Kommunismus). Trotzdem mokierst Du Dich aber dar\u00fcber, da\u00df ich Dir vorwerfe,   millionenfaches Elend billigend in Kauf zu nehmen. Exakt das tust Du aber   faktisch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deine Argumentation ist ja auch deshalb unsinnig, weil man es ja gar nicht beim   \u201aSozialstaat\u2019 belassen mu\u00df, man kann ja weitergehen, \u00fcber den Kapitalismus   hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Ulrich: Ich bin der Sohn eines Musikers und einer Hausfrau, beide   Anti-Faschisten mit Neigung zur Sozialdemokratie. Es ist doch ein riesiger   Krampf jetzt hier eine \u201aKlassenanalyse\u2019 vorzunehmen nach dem Muster: Arbeiterklassenkind   = revolution\u00e4r, Musikerkind = Kleinb\u00fcrger, Spie\u00dfer. Wie die Realit\u00e4t zeigt (und   mit der stehst Du prinzipiell auf Kriegsfu\u00df) bin ich um einiges revolution\u00e4rer   als weit \u00fcber 90% aller \u201aReal-Proletarier\u2019 in der BRD. Analog: Engels, der Kapitalist!   Nat\u00fcrlich stehe ich damit weit unter dem Scheffel der von Dir halluzinierten   revolution\u00e4ren Arbeiterklasse, von der Du zwar einerseits einsichtsvoll   realistisch, wenn auch dennoch ein wenig euphemistisch, schreibst, da\u00df f\u00fcr sie   momentan recht wenig spricht, von der Du aber andererseits permanent so   schreibst, als w\u00e4ren sie eine real-gesellschaftliche bzw. -historische   revolution\u00e4re Kraft. Warum f\u00e4llt Dir dieser Widerspruch nicht auf? Nat\u00fcrlich   wei\u00dft Du, da\u00df Deine gesamte Argumentation mit dieser Fiktion steht und f\u00e4llt\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus mu\u00df der Schlu\u00df gezogen werden, da\u00df die Dinge sehr viel komplizierter   sind, als da\u00df es wissenschaftlich gestattet w\u00e4re, sie aus <strong>\u201eder Perspektive   der historisch begr\u00fcndeten Berufung des Proletariats zum Totengr\u00e4ber des   Kapitalismus (wof\u00fcr wie gesagt momentan recht wenig spricht)\u201c<\/strong>[3] (was im \u00fcbrigen eine Erfindung von Marx ist, die   sich historisch NICHT best\u00e4tigt hat), zu deduzieren. Du bist ein wahrhaftiger   Dogmatiker und (zugegebenerma\u00dfen [&#8230;]) Purist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schlu\u00df eine Bitte: Beantworte mir doch (m\u00f6glichst schnell) folgende Frage   [&#8230;]:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn   selbst die radikalste Demokratie eine Form der b\u00fcrgerlichen Demokratie ist,   welche Staatsform schl\u00e4gst Du dann vor. Ich beziehe mich hiermit auf folgenden   Satz von Dir: <strong>\u201eAuch die radikalste Demokratie ist eine Form der b\u00fcrgerlichen   Demokratie.\u201c<\/strong>[4]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcnsche Dir Gesundheit, ungebrochenen, aber belehrten revolution\u00e4ren Geist,   Arbeitswut und auch alles Gute f\u00fcr Deine Familie im Neuen Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Django<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1)<\/sup> [<a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=62\"><strong>Kritik: An Django Schins: Zur Kritik am Projekt <em>Partei Marx<\/em><\/strong>]<\/a>, 11. [= <strong>Antwort<\/strong>, 11]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>2) <\/sup><strong>An Django<\/strong> (06.11.2000),   Anm. 5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>3) <\/sup><strong>Antwort<\/strong>, 5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>4) <\/sup><strong>Antwort<\/strong>, 6.<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Django <\/strong>(01.01.2007)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Django,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">herzlichen Dank f\u00fcr Deine   postwendende Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es handelt sich, um es in der Boxersprache auszudr\u00fccken, um einen fairen   Schlagabtausch, obwohl ich einige Deiner Aussagen am Rande des Tiefschlages   empfinde, aber versucht habe, diese sachlich zu parieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wir ja die \u201aSchilderung eines Kampfes\u2019 ins Netz stellen wollen, w\u00e4re jeder   Versuch eines <em>inhaltlichen<\/em> Abgleichs der doch sehr grundlegend einander widersprechenden   Texte meiner Meinung nach ein sinnloses Unterfangen. (Vielleicht ist es\u00a0 Dir ja m\u00f6glich, wenigstens die   Kurzfassung <strong>Zur Kritik&#8230;<\/strong> zu lesen, in der meine Auffassung in konzentrierter und   zugespitzter Form zusammengefa\u00dft ist.)[1]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zitat, das ich paraphrasiere, lautet dem Gehalt nach: die gr\u00f6\u00dfte   Produktivkraft ist die revolution\u00e4re Klasse selbst. Da ich ein sehr schlechtes   Zitate-Ged\u00e4chtnis habe, kann ich Dir nicht auf Anhieb sagen, wo es bei Marx   herstammt. Da ich es in meinen Texten schon mal w\u00f6rtlich verwendet habe, werde   ich sie daraufhin durchsuchen und Dir das Ergebnis so bald wie m\u00f6glich   mitteilen.[2]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem will ich mich in dem Text, der noch in Arbeit ist, mit der von Dir   angeschnittenen Frage befassen, so da\u00df ich auch ein Interesse habe, einen Beleg<br \/>\nf\u00fcr das Zitat zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel Erfolg bei Deiner Arbeit und herzliche Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1)<\/sup> <strong>KRITIK 1<\/strong> <strong>Zur   Kritik am Projekt <em>Partei Marx. <\/em><\/strong><strong>Zusammenfassung.<\/strong><br \/>\n<sup>2)<\/sup> <strong>Karl Marx: <em>Das   Elend der Philosophie<\/em><\/strong>, MEW 4,   (65-182), 181: <strong>\u201eEine unterdr\u00fcckte Klasse ist die Lebensbedingung jeder auf   dem Klassengegensatz begr\u00fcndeten Gesellschaft. Die Befreiung der unterdr\u00fcckten   Klasse schlie\u00dft also notwendigerweise die Schaffung einer neuen Gesellschaft   ein. Soll die unterdr\u00fcckte Klasse sich befreien k\u00f6nnen, so mu\u00df eine Stufe   erreicht sein, auf der die die bereits erworbenen Produktivkr\u00e4fte und die   geltenden gesellschaftlichen Einrichtungen nicht mehr nebeneinander bestehen   k\u00f6nnen. Von allen Produktionsinstrumenten ist die gr\u00f6\u00dfte Produktivkraft die   revolution\u00e4re Klasse selbst. Die Organisation der revolution\u00e4ren Elemente als   Klasse setzt die fertige Existenz aller Produktivkr\u00e4fte voraus, die sich   \u00fcberhaupt im Scho\u00df der alten Gesellschaft entfalten konnten.\u201c<\/strong><\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An <em>Partei Marx<\/em><\/strong> (02.01.2007)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Deiner u.a. Mail nehme ich wie folgt Stellungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Wie ich Dir bereits bez\u00fcglich eines anderen Falls fr\u00fcher geschrieben habe,   verf\u00e4hrst Du auch in diesem Fall nach dem Muster: Ich mache mir zwar die   Position eines anderen Autoren (Marx) zu eigen, aber wenn ich dann darin   kritisiert werde, ziehe ich mich aus der Aff\u00e4re, in dem ich lediglich auf   diesen Autor verweise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht nicht darum, da\u00df Du mir die Stelle nachweist, an der das Original zur   Paraphrase steht, sondern um ihre inhaltliche Richtigkeit in dem Kontext in den   DU sie gestellt hast. Es geht darum, da\u00df DU diese Meinung vertrittst, die in   diesem Zitat zum Ausdruck kommt. Es geht um die Sonne, um die sich bei Dir   alles dreht: Die \u201arevolution\u00e4re Arbeiterklasse\u2019!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier nochmals diese Passage aus meiner letzten Mail:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDie \u201asozialstaatlichen Institutionen\u2019 sind als staatliche Institutionen <span style=\"text-decoration: underline;\">\u00dcberbau<\/span>-\u201aSuperstrukturen\u2019,   wenn sie sich auch noch so <span style=\"text-decoration: underline;\">basis<\/span>-orientiert geben m\u00f6gen. Sie wirken   langfristig nicht \u201azivilisierend\u2019, sondern entzivilisierend, weil sie die   Wirksamkeit der gr\u00f6\u00dften Produktivkraft der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft \u2013   die revolution\u00e4re Klasse selbst \u2013 aushebeln und neutralisieren und das   Ende des Kapitalismus in einen langandauernden Proze\u00df des Siechtums, in   regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden unterbrochen von Zivilisationskatastrophen, \u00fcberf\u00fchren.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bitte, erkl\u00e4re mir, wer die <strong>\u201erevolution\u00e4re Klasse\u201c<\/strong> ist, deren <strong>\u201eWirksamkeit als gr\u00f6\u00dfte Produktivkraft   der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft\u201c<\/strong> hier   neutralisiert worden sein soll. Die Produktivkraft der in der Produktion   produzierenden Arbeiter kann ja wohl nicht gemeint sein, denn die produzieren   ja realiter Tag f\u00fcr Tag mit immer H\u00d6HERER Produktivit\u00e4t. Das w\u00e4re Dir ja auch   viel zu \u00f6konomisch. Du bist ja politischer Revolution\u00e4r. Also: Sind sie doch   gemeint, aber als REVOLUTION\u00c4RE KLASSE? Wenn letzteres zutrifft, bitte ich um   Nachricht wie, wo und wann diese Klasse real revolution\u00e4r agiert. Ich erinnere   mich lebhaft daran, da\u00df Du seinerzeit [&#8230;] bedauernd eingestanden hast, diese   nicht konkret real bestimmen zu k\u00f6nnen. (heute: wof\u00fcr wie gesagt momentan recht   wenig spricht)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende der Passage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ist es v\u00f6llig unbegreiflich wie Du aus den o. a. Worten den Schlu\u00df ziehen   kannst, mir die Fundstelle nennen zu sollen. Beantworte doch bitte NUR einfach   meine Frage mit Deinen Worten!!!!!!!!!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin ver\u00e4rgert ob dieser unn\u00fctzen Schei\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Django<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Django <\/strong>(26.01.2007)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Django,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du glaubst, die Bourgeoisie w\u00fcrde den Sozialstaat   auf- und abbauen, gerade so wie es ihr pa\u00dft und nicht wie der Abgleich der   gew\u00fcnschten Profitrate mit der politischen und \u00f6konomischen Situation etc. es ihr   gebietet. Der Sozialstaat ist nur gesellschaftliches Resultat einer bestimmten   historischen (politischen + \u00f6konomischen) \u201aKonjunktur\u2019.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer kam nach 1945 in England an die Regierung: nicht der ruhmreiche Sieger \u00fcber   Nazi-Deutschland, sondern Labour.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum Labour?<\/p>\n<ol>\n<li>weil erschwingliche und willige Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr den Wiederaufbau ben\u00f6tigt   wurden, denen \u201aman\u2019 nur Hungerl\u00f6hne zahlen konnte und wollte.<\/li>\n<li>weil eine aus dem Krieg zur\u00fcckgekehrte Arbeiterklasse bestimmte b\u00fcrgerliche   R\u00fccksichten verlernt hatte und daher gegen die herrschende Klasse leicht   reizbar war. Mit deren Beschwichtigung hatte sich Labour zu befassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute kann der Sozialstaat abgebaut werden,<\/p>\n<ol>\n<li>weil das Kapital nur Arbeitskraft von einer bestimmten Qualit\u00e4t und in   begrenzter Menge ben\u00f6tigt und auf den Rest verzichten kann.<\/li>\n<li>weil die Extraprofite, deren Abfallprodukt der Sozialstaat des <strong>\u201eRheinischen   Kapitalismus\u201c<\/strong> war, mit wachsender   Konkurrenz auf dem Weltmarkt tendenziell im Sinkflug begriffen sind.<\/li>\n<li>weil die industrielle Reservearmee im Weltma\u00dfstab in einem nie gekannten   Ausma\u00df zugenommen hat, so da\u00df dasselbe Zeug, das hier jahrelang \u201aerschwinglich\u2019   produziert werden konnte, woanders viel billiger produziert wird. (So wie der   englische Webstuhl im 19. Jht. den indischen Weber an den Bettelstab gebracht   hat, auf dieselbe Weise machen die nach China oder Indien exportierten u.a.   deutschen Maschinen nun die einfach qualifizierten deutschen Arbeiter   arbeitslos. Sie landen aber nicht am Bettelstab sondern bei Hartz IV).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und welche Macht der Welt kann das verhindern? Dein \u201aPrekariat\u2019 oder die \u201aProletarit\u00e4t\u2019   Karl-Heinz Roths? Der Sozialstaat ist dazu da, Schlimmeres zu verh\u00fcten. Worin   das bestehen k\u00f6nnte, wird von der herrschenden Klasse und ihren Regierungen von   Fall zu Fall abgecheckt. Ein nicht zu vernachl\u00e4ssigender Nebeneffekt ist die   Erzeugung zus\u00e4tzlicher Kontrollm\u00f6glichkeiten \u00fcber die Gesellschaft durch den   Staat (die in dem Ma\u00dfe wachsen, wie bestimmte Schlaumeier meinen, das   Beschei\u00dfen des Staates als revolution\u00e4re oder individuelle   Bereicherungs-Strategie ausgeben zu k\u00f6nnen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Django, Du kennst mich zu wenig: sonst w\u00fc\u00dftest, da\u00df ich derartige   mechanistische Klassenanalysen, wie Du sie mir unterstellst, mit Leib und Seele   bek\u00e4mpfe und immer bek\u00e4mpft habe! In der billigen Denunziation der   Klassenherkunft ohne Ansehen der Person waren sich DKPisten und Maoisten   ausnahmsweise einig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dein Problem (wie auch das Deiner Partei) ist bei aller \u201aGlobalisierungskritik\u2019   (+ Fidel Castro + Hugo Chavez + Ahmadineschad) Euer verdammter Provinzialismus,   den Ihr von Euren Vorg\u00e4ngern geerbt habt. Ihr seht den Kapitalismus nur so, wie   er Euch erscheint, wenn Ihr t\u00e4glich vor die Haust\u00fcr tretet. Das war schon immer   das Problem der deutschen Linken, weder in historischen noch in weltrevolution\u00e4ren   Zusammenh\u00e4ngen die Dinge zu sehen, sondern immer nur auf das \u201aHinterland\u2019, das   man sich f\u00fcr seine Revolution auserkoren hatte, zu starren und dieses f\u00fcr   Weltrevolution\u00e4res zust\u00e4ndig zu erkl\u00e4ren. Dabei war den wenigsten aufgefallen,   da\u00df sich der Sozialismus unter der Hand in Sozialimperialismus verwandelt hatte   und die Revolution, die er bei sich zu Hause abgebaut hatte, munter   exportierte&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom wirklichen Kapitalismus habt Ihr nichts begriffen! Wo Weltmarkt draufsteht,   ist auch Weltproletariat drin! Man mu\u00df das Paket nur richtig aufschn\u00fcren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gr\u00fc\u00dft herzlich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S. Wirf mal einen Blick auf die home page. Sie hat ein neues Gewand.<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Django <\/strong>(04.02.2007)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Django,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ich werde mich meinerseits nicht an die von Dir   letzten Sommer angek\u00fcndigten Prinzipien halten, die da besagten, da\u00df Du mit mir   wieder Kontakt aufnehmen werdest, wenn ich Deine Einw\u00e4nde beantwortet h\u00e4tte,   sondern einige \u00dcberlegungen zu den mir \u00fcbersandten Dokumenten, die ich mit   gro\u00dfem Interesse gelesen habe, zum besten geben. Dabei werde ich mich vor allem   auf den Bericht \u00fcber das <em>Sao Paulo Forum<\/em> aus dem Jahr 2000, <strong>\u201eDie Hoffnungen eines Kontinents\u201c<\/strong>, beziehen:[1]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. <strong>\u201eDas Forum der lateinamerikanischen Linken widerspiegelt die Kraft der   gr\u00f6\u00dften Gruppierungen linker Parteien in der Welt, einer Kampfgemeinschaft von   einer beispiellosen Breite in Hinblick auf Entwicklungsgeschichte und   Traditionen, Kampfformen und ideologische Standorte.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die lateinamerikanische Linke uns leider nicht erkl\u00e4rt, wie sich dieser   Ph\u00f6nix aus der Asche zu einer solchen <strong>\u201eKampfgemeinschaft\u201c<\/strong> in Lateinamerika entfalten konnte, mu\u00df ich im   Gegenteil daraus schlie\u00dfen, da\u00df sie bezogen auf die K\u00e4mpfe des letzten   Jahrhunderts ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat, soda\u00df es sich dabei um einen   prinzipienlosen Zusammenschlu\u00df handelt, der nur durch den gemeinsamen   kleinb\u00fcrgerlichen Anti-Amerikanismus zusammengehalten zu werden scheint. In dem   mir seinerzeit von Dir zugesandten Papier <strong>(\u201eBrasilien 2002: Wie der Sieg der   Arbeiterpartei PT erreicht wurde\u201c<\/strong>)[2]   machte sich die Linke immerhin noch Gedanken \u00fcber die Weltlage, die \u00fcber den   lateinamerikanischen Tellerrand hinausreichten und beispielsweise kritisch mit der<strong> \u201eAnnahme einer sozialistischen Position, die nicht mit dem sterbenden Modell   des \u201arealen Sozialismus\u2019 verbunden ist\u201c<\/strong>, verkn\u00fcpft waren. Dar\u00fcber ist die o.g. <strong>\u201eKampfgemeinschaft\u201c<\/strong>, wie es scheint, hinweg, man h\u00e4tte allerdings gerne   gewu\u00dft, wie sie das geschafft hat. Wie sich an den folgenden Punkten zeigen   wird, nur, indem sich das Problem, das die brasilianische PT nicht l\u00f6sen   konnte, ihr erst gar nicht stellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. <strong>\u201e&#8230;die \u201aDeklaration von Niquinonhomo\u2019 &#8230;bezeichnet als gemeinsamen   Nenner den \u201aKampf gegen den Imperialismus, der in den letzten Jahrzehnten des   20. Jahrhunderts die Form des neoliberalen Kapitalismus angenommen hat\u2019\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch hier w\u00fcrde man gerne genauer erfahren, auf welchem Wege das in   Lateinamerika passiert ist; aber unabh\u00e4ngig davon stellt sich folgendes   Problem: wenn f\u00fcr den Kampf gegen den Imperialismus in Lateinamerika keine   demokratische Revolution unter der Diktatur des Proletariats und der   revolution\u00e4ren Bauern (vgl. Lenin 1905-1923, Mao 1927-1976) auf der   Tagesordnung steht, d.h. eine Strategie obsolet geworden ist, von der die Linke   bis Ende der 80er Jahre mehr oder weniger ausgegangen ist (die Problematik der   Stadtguerilla einmal beiseite gelassen), dann m\u00fc\u00dfte der so bezeichnete Einbruch   des Kapitalismus in Lateinamerika (ob wir ihn liberal, neoliberal   sozial-liberal oder sonstwie bezeichnen) auch einen vollst\u00e4ndigen Wechsel in   der revolution\u00e4ren Strategie erforderlich machen, durch die der   Antiimperialismus in den Kampf des Welt-Proletariats gegen die Welt-Bourgeoisie   einzuordnen, wenn nicht gar [dieser] unterzuordnen w\u00e4re. Eine solche Konsequenz   wird aber von der lateinamerikanischen Linken in besagter Erkl\u00e4rung nicht   gezogen, sondern einerseits verharrt sie auf dem Antiimperialismus des 20.   Jahrhunderts, andererseits wird der Kapitalismus in Gestalt des <strong>\u201eNeoliberalismus\u201c<\/strong> zum Hauptfeind erkl\u00e4rt, ohne uns mitzuteilen, was   (in einer noch wenig differenzierten Annahme meinerseits) an diesem <strong>\u201eNeoliberalismus\u201c<\/strong> am meisten zu bek\u00e4mpfen ist: entweder, da\u00df es sich   um <span style=\"text-decoration: underline;\">Kapitalismus \u00fcberhaupt<\/span> handelt (dann richtete sich dieser Kampf gegen   die <span style=\"text-decoration: underline;\">gesamte<\/span> Bourgeoisie, die einheimische eingeschlossen) oder allein um   den nordamerikanischen Kapitalismus <span style=\"text-decoration: underline;\">im besonderen<\/span> (dann w\u00e4re weiter eine   Einheitsfront angesagt zusammen mit dem antiimperialistischen Fl\u00fcgel der   heimischen Bourgeoisie). Ohne Unterscheidung zwischen diesen beiden sich   teilweise ausschlie\u00dfenden Strategien bleibt auch die Frage nach dem   revolution\u00e4ren Subjekt ungekl\u00e4rt. Solange eine solche Kl\u00e4rung nicht erfolgt   ist, gelangt die lateinamerikanische Linke zu Menschheitsphrasen wie der   folgenden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3 <strong>\u201eDer Kampf gegen den Neoliberalismus f\u00fcr eine Gesellschaft, in der der   Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht, wird als eine Aufgabe zur   Verhinderung der Selbstvernichtung der Menschheit bezeichnet.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kampf gegen den Profit und f\u00fcr die Menschheit lassen sich nicht so einfach   und unvermittelt in \u00dcbereinstimmung bringen, es sei denn als Phrase, zumal das   Kleinb\u00fcrgertum nicht den Profit als solchen, sondern immer nur den Profit eines   bestimmten (hier: \u201aneoliberalen\u2019) Kapitalismus infragestellt, von dem sich der   Kleinb\u00fcrger in seiner Existenz bedroht sieht. Diese Einseitigkeit wurde von   Marx zum ersten Mal in seiner Auseinandersetzung mit Proudhon entlarvt, sie   liegt auch dem Kampf der lateinamerikanischen <strong>\u201eKampfgemeinschaft\u201c<\/strong> gegen den (us-amerikanischen <strong>\u201eNeoliberalismus\u201c<\/strong>) zugrunde. Wohl nicht ganz zuf\u00e4llig hat die   lateinamerikanische Hitler\/Stalin-Karikatur, Ch\u00e1vez, nach Verk\u00fcndung seines <strong>\u201aErm\u00e4chtigungsgesetzes\u2019<\/strong> (<em>ley de habilitaci\u00f3n<\/em>) anl\u00e4\u00dflich der Enteignungsdrohung gegen die   \u201awestlichen\u2019 imperialistischen Multis angek\u00fcndigt, das argentinische Kapital   davon auszunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. <strong>\u201eIn der Linken Lateinamerikas, die mit Milit\u00e4rinterventionen der USA   einschl\u00e4gige Erfahrungen gemacht hat, ist die Emp\u00f6rung \u00fcber den   Aggressionskrieg der NATO gegen Jugoslawien einhellig.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in ihren besten Zeiten, hat die Linke Lateinamerikas es nicht verstanden,   auch nur ansatzweise eine proletarische Au\u00dfenpolitik zu formulieren. Folglich   ist es ihr auch nicht gelungen, sich aus dem Windschatten ihrer nationalen   Bourgeoisien hervorzuwagen, deren Strategie sich bekanntlich darauf beschr\u00e4nkt,   den Feind ihres Feindes als ihren Freund zu behandeln. (Klassisches Beispiel:   der Onkel Arafats verb\u00fcndete sich im Kampf gegen die koloniale britische   Mandatsmacht mit Hitler; \u00e4hnlich verhielt es sich zu jener Zeit mit den   indischen Kommunisten hinsichtlich der britischen Kolonialmacht, oder denken   wir an die engen Beziehungen Perons zu Hitler-Deutschland.) Auf \u00e4hnliche Weise   war die sozialimperialistische Weltmachtpolitik der Sowjetunion f\u00fcr (nicht   allein) die lateinamerikanische Linke auch dann noch sakrosankt, als es die   Sowjetunion gar nicht mehr gab, was sie in den 90er Jahren dazu bewogen haben   mag, den V\u00f6lkermord der Milosevic-Banditen an den nicht-serbischen V\u00f6lkern   Jugoslawiens als Widerstand gegen die unter der F\u00fchrung der USA stehenden Nato   zu rechtfertigen und Wort f\u00fcr Wort die gro\u00dfserbische Propaganda nachzubeten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. F\u00fcr die lateinamerikanische Linke ist das Eingreifen der USA und der Nato   gegen einen V\u00f6lkermord (oder bist Du der Ansicht, das Haager   Kriegsverbrecher-Tribunal sei ein Schauproze\u00df gegen einen verdienten und   hochgeachteten Revolution\u00e4r gewesen?), der bei einer fr\u00fchzeitigen   diplomatischen Reaktion der westeurop\u00e4ischen Staaten h\u00e4tte verhindert werden   k\u00f6nnen, aber nur das Vorspiel daf\u00fcr, <strong>\u201eda\u00df der (lateinamerikanische)   Kontinent in der Gegenwart und nahen Zukunft Schauplatz besonders zugespitzter   gesellschaftlicher Auseinandersetzungen bleibt. Kolumbien, Venezuela, Ekuador,   nicht zuletzt Kuba k\u00f6nnen die n\u00e4chsten Ziele des \u201aGro\u00dfen Kn\u00fcppels\u2019 sein.\u201c<\/strong> Mag sein! Aber bei dieser Einsch\u00e4tzung dr\u00e4ngt sich   der Verdacht auf, da\u00df die lateinamerikanischen Linken weder im Falle   Jugoslawiens noch in einem solchen Fall zu einer eigenst\u00e4ndigen Einsch\u00e4tzung   der bevorstehenden Konflikte in der Lage sein werden, sondern wie so h\u00e4ufig nur   die politischen Phrasen der \u201aantiimperialistischen\u2019 Fraktion der nationalen   Bourgeoisien Lateinamerikas nachbeten. Geht es nach jenen, haben die V\u00f6lker   Lateinamerikas die Wahl, sich [entweder] gehorsam unter den <strong>\u201aGro\u00dfen Kn\u00fcppel\u2019<\/strong> aus dem Norden zu ducken oder, falls sie es wagen,   soziale und politische Revolutionen zu machen, die kleinen Kn\u00fcppel, die ihnen   von der nationalen Bourgeoisie zwischen die Beine geworfen werden, unt\u00e4tig   hinzunehmen. Wo finden sich in dieser Erkl\u00e4rung auch nur Andeutungen zur den   Gr\u00fcnden f\u00fcr die Niederlagen der nationalen Befreiungsbewegungen in Nicaragua   und El Salvador u.a.m.? Wo eine Kritik an der revolution\u00e4ren Demagogie des linken   Sozialimperialismus innerhalb der lateinamerikanischen Linken, die f\u00fcr diese   Niederlagen mit verantwortlich ist, ganz zu schweigen von den \u201aFreunden\u2019 im   \u201asozialistischen\u2019 \u201aHinterland\u2019 und ihrer absurden Propaganda, an die sie wohl   selbst kaum [noch] geglaubt haben? Wenn es solche Kritiker wirklich noch geben   sollte, dann wahrscheinlich in den kubanischen Gef\u00e4ngnissen, wo sie die   orientalische Despotie des kubanischen Links-Peronismus stellvertretend f\u00fcr die   V\u00f6lker Lateinamerikas eingehend studieren k\u00f6nnen! Nichts davon in dieser   Erkl\u00e4rung; denn das <strong>\u201eForum von Sao Paulo will keine \u201aLateinamerikanische   Internationale\u2019 sein. Es versteht sich in erster Linie als Diskussionspodium   f\u00fcr Vertreter unterschiedlicher politischer Stile und Sektoren (bis hin zur \u201aMitte   der Gesellschaft\u2019), die ein anderes Gesellschaftsprojekt als das gegenw\u00e4rtig   praktizierte anstreben.\u201c<\/strong> D.h. diese   meiner Ansicht nach elementar notwendige Kritik (man h\u00e4tte sich zumindest   dar\u00fcber einigen k\u00f6nnen, wor\u00fcber man sich nicht einigen kann) wird als <strong>\u201epolitische   Stil\u201c<\/strong>-Frage verharmlost und   gemeinsam unter den Teppich gekehrt und statt dessen <strong>\u201eein anderes   Gesellschaftsprojekt\u201c<\/strong> aus dem Hut   gezaubert, aus dem man, weil dar\u00fcber keine konkret fa\u00dfbaren Angaben gemacht   werden, au\u00dfer, da\u00df es <strong>\u201eanders\u201c<\/strong> als   alle bisherigen <strong>\u201eandere<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong> Gesellschaftsprojekt<\/strong>(<strong>e<\/strong>)<strong>\u201c<\/strong> sein soll, zwangsl\u00e4ufig schlie\u00dfen mu\u00df, da\u00df sich   dahinter das ewig gleiche <strong>\u201eGesellschaftsprojekt\u201c<\/strong> verbirgt, das eines nach dem anderen im 20.   Jahrhundert gescheitert ist und unter diesen Voraussetzungen immer wieder   scheitern mu\u00df! Daher kann ich dieser lateinamerikanischen Linken nur   unterstellen, sie wolle Lateinamerika ganz einfach kubanisieren, was f\u00fcr die   V\u00f6lker Lateinamerikas um keinen Deut besser w\u00e4re wie die Serbisierung des   ehemaligen Jugoslawien f\u00fcr dessen V\u00f6lker war, wobei hinzukommt, da\u00df eine solche   Politik (wie der Fall Milosevic zeigt) nicht ohne einen linken Weltpolizisten   im R\u00fccken zu veranstalten ist. F\u00fcr den Austausch von Erfahrungen dieser Art   sind in der Tat <strong>\u201eKontakte mit Gleichgesinnten in Europa\u201c<\/strong> besonders hilfreich, besonders mit denjenigen, die   dem Milosevic-Regime \u00fcber seinen Sturz hinaus die Stange gehalten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. <strong>\u201eVon unsch\u00e4tzbarem Wert sind das gemeinsame analytische Bem\u00fchen um die   Auseinandersetzung mit Grundproblemen des neoliberalen Modells und um die   Kl\u00e4rung von Fragen der Globalisierung, die Auseinandersetzung mit der   neoliberalen Ideologie und die Ans\u00e4tze eines alternativen   gesellschaftspolitischen Denkens.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anstelle einer selbstkritischen Analyse der bisherigen revolution\u00e4ren   Entwicklung Lateinamerikas (deren Verweigerung durch die hier versammelte Linke   die v\u00f6llige Prinzipienlosigkeit dieses Forums charakterisiert), scheint man   desto eher in der Lage zu sein, sich <strong>\u201emit Grundproblemen des neoliberalen   Modells\u201c<\/strong> und <strong>\u201eder neoliberalen   Ideologie\u201c<\/strong> auseinanderzusetzen, also   den Leuten schon mal zu sagen, wo es lang geht. N\u00e4mlich in Richtung Kuba, das <strong>\u201eals   eine St\u00fctze f\u00fcr jene Kr\u00e4fte der Linken betrachtet <\/strong>(<strong>wird<\/strong>)<strong>,   die Regierungsverantwortung (auf lokaler, Provinz-, bundesstaatlicher oder   zentraler Ebene) \u00fcbernehmen und ihrerseits Erfahrungen daraus mitteilen k\u00f6nnen,   zum Beispiel bei der Verwirklichung partizipativer Demokratie.\u201c<\/strong> Damit sind wir ohne Verzug bei der Gegenwart   angekommen: was man sich, speziell mit dem kubanischen \u201aVorbild\u2019 im Hinterkopf   in Lateinamerika unter <strong>\u201epartizipativer Demokratie\u201c<\/strong> vorzustellen hat, ist sehr einleuchtend: einerseits   Schein-Demokratie bis zum Abwinken, andererseits Korruption, Denunziation,   Einsch\u00fcchterung, Repression bis zum Erbrechen, kurz alle Charakteristika der   \u201aRevolutionen von oben\u2019 des 20. Jahrhunderts, von denen die revolution\u00e4ren   V\u00f6lker zu Recht, jedenfalls diejenigen, die nicht v\u00f6llig naiv oder korrupt   sind, die Nase voll haben; denn gest\u00fctzt auf solche \u201aRevolutionsmodelle\u2019 ist   schon alles m\u00f6gliche umgestaltet worden, nur nicht die \u00f6konomische Basis der   Gesellschaft im Interesse der betroffenen V\u00f6lker selbst. Es wurden nur ein   anderes Kommando, eine andere Klasse von Befehlshabern eingef\u00fchrt, verbunden   mit einer weniger anarchischen, aber daf\u00fcr rigider organisierten Verteilung des   gesellschaftlichen Mehrprodukts zugunsten der neuen Bourgeoisie und ihrer   Satrapen einerseits und des Mangels f\u00fcr den nicht bevorrechtigten Rest der   Gesellschaft und auf Kosten der Masse der produktiv t\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung   andererseits.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. Da\u00df seit Anfang des neuen Jahrhunderts der halbkoloniale Kapitalismus in   Lateinamerika in voller Bl\u00fcte steht, ist auch das Ergebnis der gescheiterten   Revolutionen des 20. Jahrhunderts und nicht zu verwundern. Es lie\u00dfe sich aber   auch bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung der dortigen Verh\u00e4ltnisse der Schlu\u00df   ziehen, da\u00df Lateinamerika mit zunehmendem Kapitalimport kein reiner   Rohstoffexporteur (wie von der Dependencia-Theorie unterstellt) bleiben wird   und daher das Verh\u00e4ltnis zwischen <em>Lohnarbeit<\/em> und <em>Kapital<\/em> zu untersuchen und neu zu bewerten w\u00e4re. Mit derartigen Banalit\u00e4ten   geben sich die <strong>\u201eParteien des Forums\u201c<\/strong> aber nicht ab, sondern beklagen wie eh und je mit Galeano die <strong>\u201e\u2019offenen   Adern\u2019 Lateinamerikas\u201c<\/strong> und den <strong>\u201eAusverkauf   der nat\u00fcrlichen Ressourcen des Kontinents\u201c<\/strong> und die Aufteilung der Ergebnisse des bescheidenen Wirtschaftswachstums   unter einen <strong>\u201eimmer geringeren Teil der Gesellschaften\u201c<\/strong>. Es lie\u00dfe sich leicht zeigen, da\u00df die   lateinamerikanischen linken Parteien nicht anders wie ihre westlichen Pendants,   die die soziale Frage auf eine reine Verteilungsfrage reduzieren, hierin eher   der Smithschen anstelle der Marxschen Interpretation der \u201aTrinitarischen   Formel\u2019 folgen. Auf der Grundlage der Marxschen Kritik an Smith w\u00e4re dagegen   die Rolle der riesigen Reservearmeen in Betracht zu ziehen, durch die der Preis   der Arbeitskraft von der Bourgeoisie auf Tiefstst\u00e4nden gehalten wird,   jedenfalls soweit es sich um einfache Arbeit handelt, die zugleich das   Reservoir f\u00fcr die fortlaufende Proletarisierung der landlosen Bauern abgibt.   Die Bauernfrage, die im 20. Jahrhundert von entscheidender revolution\u00e4rer   Bedeutung war, stellt sich wahrscheinlich auf diese Weise nicht mehr in dieser   Form. In Kuba waren mit Beginn der Revolution die Bauern in ihrer Mehrzahl   bereits Landarbeiter; in dieser Beziehung wird Lateinamerika wahrscheinlich,   soweit Kapital in die Landwirtschaft (und nicht in die Drogenproduktion)   str\u00f6mt, der urspr\u00fcnglichen kubanischen Entwicklung folgen. Dann sind die   Bauern, ob in der Stadt oder auf dem Land (wie in Preu\u00dfen in der zweiten H\u00e4lfte   des 19. Jahrhunderts) so oder so Proletarier geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8. Statt mit solchen Problemen besch\u00e4ftigen sich die linken Parteien   Lateinamerikas lieber damit, den ausgekl\u00fcgelten nord-amerikanischen   Wahlkampfstrategien ein alternatives Konzept beim Kampf um die Parlamentssitze   entgegenzusetzen. Auf diesem Terrain haben sie allerdings nur die Alternative,   sich entweder nach [erfolgversprechenden] Werbepsychologen, die ihren Wahlkampf   noch w\u00e4hlerwirksamer stylen, umzusehen oder, falls daf\u00fcr nicht die Kohle da ist   (was bisher in der Regel der Fall war, sich aber nach Ch\u00e1vez\u2019 <strong>\u201aErm\u00e4chtigungsgesetz\u2019<\/strong> schlagartig \u00e4ndern k\u00f6nnte), ihre soziale Demagogie   gegen\u00fcber den bisher in <strong>\u201eL\u00e4hmung und Verzweiflung\u201c<\/strong> verharrenden Ghettobewohnern, deren Verhaltensweisen <strong>\u201esich nicht immer in Widerstand um<\/strong>(<strong>setzen<\/strong>) [lassen]<strong>, sondern zu L\u00e4hmung und Apathie f\u00fchren\u201c<\/strong>, beachtlich zu steigern, um \u00e4hnlich wie in Venezuela   (oder im alten Rom?) <strong>\u201eeinen dem Volke verpflichteten Mann mit ins h\u00f6chste   Staatsamt\u201c<\/strong> zu bringen. Das ist   \u201aRevolution von oben\u2019 pur oder nach Marx: Bonapartismus \u00e0 la Louis Napoleon   reinsten Wassers (MEW 8, 160ff.)! Dabei werden wahrscheinlich die <strong>\u201ein den   gro\u00dfen sozialen Bewegungen pr\u00e4sent<\/strong>(<strong>en<\/strong>)<strong> &#8230; Linken\u201c<\/strong> mit dem sozialistischen Kuba im R\u00fccken die Aufgabe \u00fcbernehmen, aus den   Ghettobewohnern eine lateinamerikanische <strong>\u201a<em>Gesellschaft des 10. Dezember<\/em><\/strong><strong>\u2019<\/strong> zu   formieren und zu befehligen (welche Bedeutung \u00fcbrigens so ein \u201aHinterland\u2019   bekommen kann, erleben wir gegenw\u00e4rtig am Beispiel Syriens und des Iran im   Irak).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. Wenn die europ\u00e4ischen Arbeiterklassen nicht bereits ihre eigenen Erfahrungen   mit solchen \u201aRevolutionen von oben\u2019, speziell in den 50er Jahren [in Berlin,   Posen, Budapest u.a.] gemacht h\u00e4tten, m\u00fc\u00dften diese verst\u00e4rkt vor dem Import eines   solchen <strong>\u201aRevolutionsmodells\u2019<\/strong> gewarnt werden. Das wird aber schon deshalb nicht n\u00f6tig sein, weil sich diese   Abenteuerpolitik oder das B\u00fcndnis mit politischen Abenteurern dieser Art (deren   aus den 50er und 60er Jahren stammendes Charisma wohl endg\u00fcltig verraucht ist),   wahrscheinlich selbst ad absurdum f\u00fchren wird. (Aber \u00e4hnliches wurde auch   einmal der Hitler-Episode vorausgesagt.) Wenn allerdings die europ\u00e4ische Linke   lauter als bisher davon zu tr\u00e4umen beg\u00e4nne: was denn w\u00e4re, wenn \u201awir hier auch   so einen Ch\u00e1vez h\u00e4tten\u2019, der f\u00fcr sie mit den radikalisierten Massen die   Kastanien aus dem Feuer holte, h\u00e4tte diese Linke meiner Meinung nach ein   Problem und der Widerstand gegen den Faschismus einen neuen Feind bekommen. Das   aber wollen wir nicht hoffen \u2013 oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit mein Kommentar zu den <strong>\u201eHoffnungen eines Kontinents\u201c<\/strong>. Die \u00fcbrigen Artikel lasse ich unkommentiert,   teilweise, weil sie im Vergleich zu dem Bericht \u00fcber das 13. <em>Sao-Paolo-Forum<\/em> aus 2006 nichts Neues enthalten (ein zus\u00e4tzliches   Indiz f\u00fcr den station\u00e4ren und leeren propagandistischen Charakter der linken   Schreibe); der Bericht der kolumbianischen Blumenarbeiter ist Eulen nach Athen   tragen:[3] wie naiv mu\u00df man sein, in Afrika etwas anderes zu erwarten als die   l\u00e4cherlichsten Karikaturen unserer europ\u00e4ischen Verh\u00e4ltnisse, einschlie\u00dflich   der Korruptheit der Gewerkschaften! Diese Reise h\u00e4tten sie sich, [wenn] rechtzeitig   von ihren Linken Sponsoren gewarnt, sparen k\u00f6nnen, [und] wenn sie von diesen   wirklich ernst genommen und nicht nur als Basis-Maskottchen oder Stimmvieh   behandelt w\u00fcrden, das mit dem Stimmzettel lauter Ch\u00e1vez-Kopien aus dem Boden   zaubern soll. Da\u00df das <em>Weltsozialforum 2007<\/em> auch zum Irak Stellung genommen hat, ist ja sehr sch\u00f6n; nur gelingt es   diesem, wie seit Jahren der europ\u00e4ischen Linken, nicht, dort zwischen Freund   und Feind zu unterscheiden, woran der lautstarke Wunsch nach Frieden auch   nichts \u00e4ndert. War es denn allein die Gier nach dem Erd\u00f6l, die die   amerikanische Truppen dort zu Besatzungstruppen gemacht hat oder bestand f\u00fcr   die USA nicht auch das Problem darin, da\u00df eine ehemalige CIA-Marionette ihrer   hegemonialen Kolonialpolitik (man staune: Noriega wurde gerade aus seiner   luxuri\u00f6sen Ehrenhaft in einem amerikanischen Gef\u00e4ngnis entlassen) den   amerikanischen Interessen (Iran-Irak-Krieg) aus dem Ruder gelaufen war und   fr\u00fcher oder sp\u00e4ter liquidiert werden mu\u00dfte? Vielleicht, wenn sich Saddam des   sozialistischen \u201aHinterlands\u2019 (und seiner G\u00f6nner in den europ\u00e4ischen   Regierungen) nicht so sicher gewesen w\u00e4re, das sich aber zu seinem Entsetzen   pl\u00f6tzlich in Luft aufgel\u00f6st hatte, vielleicht k\u00f6nnte er sich jetzt auch in   einem amerikanischen Goldenen K\u00e4fig statt im Himmel mit den sch\u00f6nsten   Jungfrauen vergn\u00fcgen. Die Irak-Friedenspolitik der NGOs ist nicht nur   f\u00fcrchterlich eindimensional, sie scheinen f\u00fcr den Irak wie schon f\u00fcr   Jugoslawien auch nur \u00fcber ein revisionistisches Konzept zu verf\u00fcgen, das aber   nur funktionieren wird, wenn sich f\u00fcr die mutigen Friedensk\u00e4mpfer ein neues   \u201aHinterland\u2019 findet, in dessen Schutz ein neuer Saddam oder Milo aufgebaut   werden k\u00f6nnen. Daf\u00fcr scheinen sie dann auch bereit zu sein,   Geheimdienst-Kreaturen vom Schlage eines Bin Ladin oder Zarkawi einen   antiamerikanischen Widerstandscharakter anzudichten, vom Export der iranischen   Revolution ganz zu schweigen. Sehr zukunftstr\u00e4chtig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierbei will ich es erst mal bewenden lassen und verabschiede mich f\u00fcr 14 Tage [&#8230;].   Du hast also eine Menge Zeit \u00fcber meine kritischen Einw\u00e4nde nachzudenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herzliche Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><sup>1<\/sup>)<strong> <\/strong>Das Sao-Paulo-Forum der lateinamerikanischen Linken:<strong> Br\u00fcckenschlag nach Europa. <em>Die Hoffnungen eines Kontinents<\/em><\/strong>, in: Neues Deutschland 15.\/16.04.2000.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>2)<\/sup> Vgl. <strong>An <em>Partei Marx<\/em><\/strong> (01.04.2003) und <strong>An Django<\/strong> (03.03.2003).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>3)<\/sup> <strong>\u201eBlumenarbeiter sollten sich unabh\u00e4ngig organisieren\u201c<\/strong>. Kolumbianische Gewerkschafter diskutieren bei Weltsozialforum   mit Besch\u00e4ftigten aus Kenia (Interview), in: <em>Neues Deutschland<\/em> 23.01.2007.<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">An <em>Partei Marx<\/em><strong> <\/strong>(11. 02 2007)<strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betreff:<strong> DIKTATUR DES PROLETARIATS \u2013 NEIN   DANKE!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Deinen u. a. \u00dcberlegungen heute nur soviel:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fasse es nicht!!!:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeachtet meiner Kritik und Deines eigenen Eingest\u00e4ndnisses, da\u00df Du das   revolution\u00e4re Proletariat selbst nicht praktisch bestimmen kannst [&#8230;] mu\u00df ich   folgendes lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201e\u2026aber unabh\u00e4ngig davon stellt sich folgendes Problem: wenn f\u00fcr den Kampf   gegen den Imperialismus in Lateinamerika keine demokratische Revolution unter   der Diktatur des Proletariats und der revolution\u00e4ren Bauern\u2026auf der Tagesordnung   steht\u2026, dann m\u00fc\u00dfte der so bezeichnete Einbruch des Kapitalismus in   Lateinamerika \u2026auch einen vollst\u00e4ndigen Wechsel in der revolution\u00e4ren Strategie   erforderlich machen, durch die der Antiimperialismus in den Kampf des   Welt-Proletariats gegen die Welt-Bourgeoisie einzuordnen, wenn nicht gar   unterzuordnen w\u00e4re.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo zum Teufel findet der <strong>\u201eKampf des Welt-Proletariat<\/strong>[<strong>s<\/strong>]<strong>\u201c<\/strong> real denn statt, in den Du irgendetwas einzuordnen   gedenkst? Au\u00dfer in Deinem Kopf?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Welt-Proletariat als revolution\u00e4res Subjekt existiert objektiv nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Ulrich, ich mu\u00df Dir leider sagen, da\u00df ich unsere Diskussion inzwischen   f\u00fcr v\u00f6llig zwecklos erachte, weil Du hartn\u00e4ckig an dieser Fiktion festh\u00e4ltst   und im Grunde unausgesetzt alles andere von ihr ableitest, d.h. praktisch (wenn   sie denn Wirklichkeit w\u00fcrde, was ich f\u00fcr v\u00f6llig ausgeschlossen halte): Weil die   Voraussetzung \u2013 das revolution\u00e4re Proletariat \u2013 fehlt, w\u00fcrde die   Diktatur des Proletariats tats\u00e4chlich nur von solchen Leuten wie Dir ausge\u00fcbt,   jenen Figuren, die sich das zuvor \u2013 aus pers\u00f6nlichen Machtambitionen   \u2013 aus den Fingern gesaugt haben. Und das w\u00e4re dann notwendig die Diktatur   von wenigen, die ich kategorisch ablehne! (Au\u00dferdem bin ich auch kein Freund   einer echten Diktatur des Proletariats!) Mir scheint, da\u00df ausgerechnet Du, der   vehemente Stalin-Kritiker das Wesentliche aus der Kritik des Stalinismus nicht   kapiert hast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demgegen\u00fcber ist es die wirkliche Aufgabe der Linken, das wirkliche <strong>\u201eneue   revolution\u00e4re Subjekt\u201c<\/strong> \u00fcberhaupt   erst zu finden. Diese Versuche werden von Dir permanent mit mehr oder weniger   haltlosen Verd\u00e4chtigungen \u00fcberzogen und schlecht gemacht. (Womit ich nat\u00fcrlich   nicht sagen will, da\u00df jedes Detail Deiner Kritik falsch ist.) Ich finde das   unsachlich, unfruchtbar und nicht ziel f\u00fchrend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich, Hand aufs Herz: Was macht meine Kritik noch f\u00fcr einen Sinn, wenn Du   keinerlei Konsequenzen daraus ziehst?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das einzige was mich in diesem Zusammenhang noch interessiert ist: Gibt es auf   diesem Globus eigentlich irgend eine linke Kraft, Person etc., die Deinen Anspr\u00fcchen   gen\u00fcgt? Au\u00dfer der Partei Marx, versteht sich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00fcbrigen m\u00f6chte ich Dir sagen: Wenn ich mich recht erinnere, hast Du in einem   Deiner letzten Texte geschrieben, da\u00df vom Tisch der Chavez etc. nicht einmal   ein Kr\u00fcmel f\u00fcr den armen Bauern abf\u00e4llt. Selbst der oberfl\u00e4chliche   Zeitungsleser wei\u00df aber, da\u00df jede Menge <strong>\u201eKr\u00fcmel\u201c<\/strong> abfallen! Es gibt eine F\u00fclle von Sozialprogrammen!   Du schreibst da also die Unwahrheit. Ich empfehle Dir deshalb, bevor Du bei   anderen mangelnde Kritik kritisierst (s. Text vom 4.1.2007) Dich bei der   eigenen Nase zu packen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gru\u00df<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Django<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Django<\/strong> (11.03.2007):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230;Was ich am meisten und abgrundtief hasse, ist angewandte P\u00e4dagogik in   politischen Auseinandersetzungen, lieber Django   Schins!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Mangel an Argumenten versuchst Du mich in unserer Korrespondenz in die   Rolle des abgestraften Sch\u00fclers zu versetzen <strong>(\u201eUlrich, Hand aufs Herz: Was   macht meine Kritik noch f\u00fcr einen Sinn, wenn Du keinerlei Konsequenzen daraus   ziehst\u201c<\/strong>), w\u00e4hrend in   einem auf dem heutigen Stand der (\u201apoststalinistischen\u2019) Zivilisation   befindlichen Dialog beide Seiten davon ausgehen sollten, da\u00df jede bereit ist,   aus der Debatte ihre eigenen Konsequenzen zu ziehen. Zur Begehung eines solchen   \u201aZivilisationsbruchs\u2019 bin ich nicht bereit. Davon abgesehen ist mir diese   psychologische Masche aus langj\u00e4hriger Erfahrung mit der deutschen Linken nur   allzu bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Stelle einer Antwort auf meine detaillierte Kritik an Deinem <strong>\u201eDeterminismus\u201c<\/strong>-Papier gegen die <em>Partei Marx<\/em> (<strong>\u201eMarx als Gott oder was?\u201c<\/strong>) schmei\u00dft Du mir ein paar jW-Artikel vor   die F\u00fc\u00dfe, wovon ich den meiner Ansicht nach wichtigsten in der v\u00f6llig   illusion\u00e4ren Annahme, dies w\u00e4re ein Beitrag zu unserer bisher gef\u00fchrten   Diskussion, detailliert zu kritisieren versucht habe.[1] In Deiner Antwort   darauf klaubst Du Dir einen Satz aus meiner Kritik heraus, den Du durch   entsprechende Auslassungen des <span style=\"text-decoration: underline;\">historischen<\/span> Zusammenhangs, in dem sich   dieser und das darin benannte <strong>\u201eProletariat\u201c<\/strong> eindeutig befinden, v\u00f6llig entkleidest   und legst zum x-ten Mal die alte Platte auf: <strong>\u201eWo zum Teufel findet der   \u201aKampf des Weltproletariats\u2019 real denn statt&#8230;?\u201c<\/strong> Wenn eine Beantwortung dieser wohl eher   rhetorisch gestellten Frage noch irgendeinen Sinn erg\u00e4be, w\u00fcrde ich sagen:   \u00dcberall da, wo sich das Kapital etabliert hat (Marx: sich als   Produktionsverh\u00e4ltnis selbst gesetzt hat und f\u00fcr alles weitere vorauszusetzen   ist). Aber diese Antwort kann ich mir allem Anschein nach schenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Deiner rhetorischen Frage m\u00f6chtest Du meiner Kritik an der im Jahre 2000 in   Sao Paulo versammelten Linken aus dem Wege gehen, deren Erkl\u00e4rung, wie ich [dort]   detailliert ausf\u00fchre, auf folgende strategische Alternative hinausl\u00e4uft:\u00a0 <strong>\u201e&#8230;<\/strong><strong>einerseits verharrt sie auf dem Antiimperialismus   des 20. Jahrhunderts, andererseits wird der   Kapitalismus in Gestalt des \u201aNeoliberalismus\u2019 zum Hauptfeind erkl\u00e4rt, ohne uns   mitzuteilen, was (in einer noch wenig differenzierten Annahme meinerseits) an   diesem \u201aNeoliberalismus\u2019 am meisten zu bek\u00e4mpfen ist: entweder, da\u00df es sich um <span style=\"text-decoration: underline;\">Kapitalismus   \u00fcberhaupt<\/span> handelt (dann richtete sich dieser Kampf gegen die <span style=\"text-decoration: underline;\">gesamte<\/span> Bourgeoisie, die einheimische eingeschlossen) oder allein um den   nordamerikanischen Kapitalismus <span style=\"text-decoration: underline;\">im besonderen<\/span> (dann w\u00e4re weiter eine   Einheitsfront angesagt zusammen mit dem antiimperialistischen Fl\u00fcgel der   heimischen Bourgeoisie). Ohne Unterscheidung zwischen diesen beiden sich   teilweise ausschlie\u00dfenden Strategien bleibt auch die Frage nach dem   revolution\u00e4ren Subjekt ungekl\u00e4rt.\u201c<\/strong> Anstatt sich \u00fcber diese strategischen Alternativen rational   Gedanken zu machen, reduzierst Du das in der Erkl\u00e4rung des <em>Forums von Sao   Paulo<\/em> aufgeworfene   Problem, auf die <strong>\u201ewirkliche Aufgabe der Linken, das wirkliche \u201aneue   revolution\u00e4re Subjekt\u2019\u201c<\/strong> (wie die blaue Blume der Romantik) <strong>\u201e\u00fcberhaupt erst zu finden\u201c<\/strong>. Diese Suche haben Dir inzwischen die   linken lateinamerikanischen <em>caudillos<\/em> in den Ghettos von Caracas bis Rio l\u00e4ngst abgenommen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du hast Recht: auch ich bin nicht weniger als Du zu der Ansicht gelangt, <strong>\u201eunsere   Diskussion inzwischen f\u00fcr v\u00f6llig zwecklos\u201c<\/strong> zu erachten, wenn ich sehe, wie das <strong>\u201ewirkliche \u201aneue   revolution\u00e4re Subjekt\u2019\u201c<\/strong>,   auf dessen Suche Du die <strong>\u201eLinke\u201c<\/strong> bei uns und in Lateinamerika w\u00e4hnst, zunehmend seine verborgenen   faschistischen Potenzen entfaltet. Und zwar als Ausdruck der sich nach den   Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Kapitalismus vor unseren Augen abspielenden <span style=\"text-decoration: underline;\">Proletarisierung<\/span> der Welt, der Du und Deinesgleichen sich mit proudhonistischen Rezepten meinen   entgegenstemmen zu m\u00fcssen, um die b\u00fcrgerliche Gesellschaft vor dem Kapitalismus   zu retten und diese Welt (mit dem Segen der laut der Erkl\u00e4rung des <em>Forums   von Sao Paulo<\/em> <strong>\u201edem   Volke verpflichteten\u201c<\/strong> und von diesem <strong>\u201eins h\u00f6chste Staatsamt\u201c<\/strong> gebrachten M\u00e4nnern) in das antifaschistisch und politisch   korrekt zurechtgetrimmte, klimageschonte Reich der \u201aGlobalisierungskritiker\u2019 zu   bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das allerdings ist keine Fiktion mehr, sondern die traurige Realit\u00e4t, die   hinter der Suche der Linken nach der Blauen Blumen mit Namen <strong>\u201eneues   revolution\u00e4res Subjekt\u201c<\/strong> zunehmend hervortritt: n\u00fctzliche Idioten in einem globalen Machtkampf der   verschiedenartigsten aufstrebenden Weltm\u00e4chte (und antiamerikanischen   M\u00f6chtegern-Weltherrscher wie Ahmadineschad und Chavez) mit der Weltmacht USA   und den etablierten westlichen Gro\u00dfm\u00e4chten, die sich hinter dieser verschanzt   haben&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welche Konsequenz sollte ich, <strong>\u201eHand aufs Herz\u201c<\/strong>, aus Deiner Kritik ziehen, wenn Du Dich   nicht einmal ansatzweise bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlst, mich in <span style=\"text-decoration: underline;\">der Sache<\/span> zu   widerlegen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob es auf diesem Globus jemanden geben wird, der den <strong>\u201eAnspr\u00fcchen &#8230;der   Partei Marx &#8230;gen\u00fcgt\u201c<\/strong>,   wird sich hoffentlich nicht erst zeigen, wenn der Hund nach dem chinesischen   Essayisten Lu X\u00fcn zum zweiten Mal ins Wasser gefallen ist. Ein solcher Hund hat   erst recht Pr\u00fcgel verdient. Ich jedenfalls habe nicht vor, zu den gepr\u00fcgelten   Hunden zu geh\u00f6ren, w\u00e4hrend Du Dich auf dem besten Weg befindest, Dir diesen   Titel zu verdienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht \u00fcberlegst Du Dir die Sache noch einmal und ergreifst   freundlicherweise die Gelegenheit, meine Kritik im o.g. Sinn zu beantworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn nicht, verabschiede ich mich vorsorglich schon einmal aus Deiner heilen   Welt mit dem Chor der Delphine:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2026so long, so long, and thanks<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">for all the fish!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1)<\/sup> Der genannte Artikel war nicht in der <em>Jungen<\/em> <em>Welt<\/em>,   sondern dem <em>Neuen<\/em> <em>Deutschland<\/em> erschienen (siehe <strong>An Django <\/strong>(04.02.2007), Anm. 1<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An <em>Partei Marx<\/em><\/strong><strong> <\/strong>(13.03. 2007):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betreff: <strong>DIE HUNDE BELLEN, ABER DIE KARAWANE ZIEHT   WEITER<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider ist Dein Text ein weiterer Beweis daf\u00fcr, da\u00df eine weitere Diskussion   zwischen uns nutzlos ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf meine Aussage, da\u00df ein k\u00e4mpfendes revolution\u00e4res Weltproletariat EMPIRISCH   nicht beobachtbar ist <strong>(\u201eDas Welt-Proletariat als revolution\u00e4res Subjekt   existiert objektiv nicht!\u201c<\/strong> ist   keineswegs rhetorisch, vielmehr sehr konkret, gemeint.) bzw. die entsprechende   Frage nach seinem realem revolution\u00e4rem Kampf (auch diese ist folglich h\u00f6chst   konkret gemeint), antwortest Du \u2013 wie k\u00f6nnte es anders sein \u2013 THEORETISCH   mit Marx: <strong>\u201e\u00dcberall da, wo sich das Kapital etabliert hat (Marx: sich als   Produktionsverh\u00e4ltnis selbst gesetzt hat und f\u00fcr alles weitere vorauszusetzen   ist).\u201c<\/strong> <strong>\u201eRevolution\u00e4r\u201c<\/strong> schreibst Du hier zwar nicht, aber nur, wenn man das   meint, macht es ja Sinn, von der Einordnung in den Kampf des Welt-Proletariats   gegen die Welt-Bourgeoisie zu sprechen oder geht es bei Deiner Revolution nur   um h\u00f6here L\u00f6hne?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort aber, im Produktionsverh\u00e4ltnis, \u2013 ich wiederhole \u2013 ist ein   solcher REVOLUTION\u00c4RER Kampf eben NICHT zu beobachten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df Du diese Einordnung im \u00fcbrigen keineswegs historisch, wie Du f\u00e4lschlich   behauptest, sondern vielmehr perspektivisch meinst, geht aus folgendem Zitat   hervor, in dem Du ja gerade die lateinamerikanische Linke ob des Mangels <strong>\u201evollst\u00e4ndig\u201c<\/strong> neuer strategischer \u00dcberlegungen f\u00fcr die Zukunft   r\u00fcgst:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201ewenn f\u00fcr den Kampf gegen den Imperialismus in Lateinamerika keine   demokratische Revolution unter der Diktatur des Proletariats und der   revolution\u00e4ren Bauern\u2026 auf der Tagesordnung steht, d.h. eine Strategie obsolet   geworden ist\u2026, dann m\u00fc\u00dfte der so bezeichnete Einbruch des Kapitalismus \u2026 auch   einen vollst\u00e4ndigen Wechsel in der revolution\u00e4ren Strategie erforderlich   machen, durch die der Antiimperialismus in den Kampf des Welt-Proletariats   gegen die Welt-Bourgeoisie einzuordnen, wenn nicht gar unterzuordnen w\u00e4re.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deiner Argumentation fehlt also mit dem real fehlenden revolution\u00e4ren   Proletariat der Sache nach ihr material-inhaltlicher Kern, den Du aber   nichtsdestotrotz st\u00e4ndig im Munde herumf\u00fchrst \u2013 ein Ausdruck dieses   eingebildeten Kerns ist bspw. <strong>\u201eproletarische Au\u00dfenpolitik\u201c<\/strong>, die Du bei der lateinamerikanischen Linken immer   schon als fehlend bem\u00e4ngelst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Realit\u00e4t des fehlenden revolution\u00e4ren Weltproletariates vor Dir zu   verstecken, steckst Du Deinen Kopf umso tiefer in die Blauen B\u00e4nde (BB), wo Du   dieses zu Deinem gro\u00dfen Gl\u00fcck immer wieder findest \u2013 in der einen oder   anderen Formulierung, so z.B. sie oben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du bist es, der hier auf diese meine Einw\u00e4nde inhaltlich \u00fcberhaupt nicht eingeht.   Und deshalb \u2013 und weil Du Deinen Standpunkt auch nicht \u00e4nderst \u2013 lege   ich auch immer wieder dieselbe alte Platte auf! Was ist denn nun jetzt Deine   Meinung: Gibt es dieses <strong>\u201eProletariat\u201c<\/strong> nun oder nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich gebe zu, da\u00df ich Deine letzten Texte nicht gr\u00fcndlich gelesen habe. Ich   hatte andere Arbeiten zu erledigen. Ich habe das auch angedeutet (s. <strong>\u201eZu   Deinen u. a. \u00dcberlegungen heute nur soviel:\u201c<\/strong>, So 11.02.2007 11:47). Ich bin mir aber sicher, da\u00df Du Deine   strategischen politischen \u00dcberzeugungen prinzipiell und permanent von einer   (fiktiven) Menschengruppe, da\u00df Du aus dem von DIR <strong>\u201ephilosophisch\u201c<\/strong> gesetzten <strong>\u201erevolution\u00e4ren Weltproletariat\u201c<\/strong> grosso mode Deine Position ableitest, genauer, aus   den vermeintlich revolution\u00e4ren Eigenschaften und F\u00e4higkeiten der Arbeiterschaft,   die <strong>\u201eWelt-Bourgeoisie\u201c<\/strong> konsequent   zu bek\u00e4mpfen und schlie\u00dflich zu besiegen (als Beleg daf\u00fcr sollen hier die   beiden o.g. Beispiele, Einordnung und Au\u00dfenpolitik, gen\u00fcgen).Wenn aber n\u00fcchtern   zu konstatieren ist, da\u00df dieses Subjekt \u00fcberhaupt nicht existiert, weil ein   entsprechendes Agieren nicht feststellbar ist, dann sind auch Deine Ableitungen   falsch. Stattdessen verh\u00f6hnst Du die Suche nach einem wirklichen revolution\u00e4ren   Subjekt als romantische Sehnsucht nach der Blaue[n] Blume. Das ist absurd:   Derjenige, der nur Spinnerei aufzubieten hat, denunziert den realistischen   Sucher als verhuschten Romantiker!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mit dieser Kritik also den wesentlichen inneren Zusammenhang Deiner   Position und die objektive und subjektive Realit\u00e4t des nicht vorhandenen <strong>\u201erevolution\u00e4ren   Klassenkampfes\u201c<\/strong> richtig erfa\u00dft und   \u2013 wie gesagt aus Zeitmangel \u2013 meine Kritik darauf fokussiert. Das   scheint mir doch sehr realistisch, rational und koh\u00e4rent zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Dogmatiker ist es allerdings typisch, da\u00df sie realit\u00e4tsresistent sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr einen weiteren Kritikpunkt fand ich dann doch noch kurz Zeit, weil er mir   sehr wichtig ist: Da\u00df Du mit Deinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Diktatur des Proletariats   die wesentliche Lehre aus dem Stalinismus nicht gezogen hast. Auch dazu von Dir   kein(e) (Ant-)Wort. Allerdings ist es hier nicht ganz klar, ob Du diese nun   endg\u00fcltig als obsolet oder nur zur Zeit nicht auf der Tagesordnung stehend   ansiehst bzw. bis auf weiteres im Weltenkampf der Klassen verstecken willst?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer also selbst immer noch den Argumenten ausweicht (wie z.B. dem, da\u00df sehr   viele <strong>\u201eKr\u00fcmel<\/strong>\u201c vom Tisch des Hugo   Chavez f\u00fcr die Armen abfallen) sollte den Mund nicht so voll nehmen mit seiner   Kritik, da\u00df ich die Dinge aus dem Zusammenhang rei\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist z.B. eine vielfach belegbare Tatsache, da\u00df die von Dir verunglimpften   Chavez &amp; Co. schon eine Menge f\u00fcr die kleinen Leute getan haben. Mindestens   genau so wichtig und real ist die schrittweise Formierung[en] eines neuen   lateinamerikanischen Selbstbewu\u00dftseins und anti-usa-imperialistischen Blocks.   Zu ersterem behauptest Du aber gar das genaue Gegenteil \u2013 entgegen den   Tatsachen! Eine Korrektur ist offensichtlich von Dir nicht zu erwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um sich aber ernsthaft und produktiv argumentativ auseinanderzusetzen, ist es   notwendig, sich auf elementare methodische Kriterien zu verst\u00e4ndigen. Ein   solches Kriterium ist f\u00fcr mich z.B. die unvoreingenommene Feststellung von   Tatsachen und logisches Schlie\u00dfen daraus. Materialismus eben \u2013 die Dinge   so zu sehen, wie sie sind! Nicht, sie sich ausdenken! Dieses Verfahren schlie\u00dft   auch ein, theoretische Positionen an den Tatsachen zu messen und im Falle der   Nicht\u00fcbereinstimmung der Theorie mit den Tatsachen, erstere zu verwerfen. Du   verf\u00e4hrst offenkundig genau umgekehrt! Da\u00df unserer Diskussion dieses   methodische Fundament mangels diesbez\u00fcglichem Konsens fehlt, hat mindestens   Aneinandervorreden und \u2013 so lange dieser Konsens nicht hergestellt ist   \u2013 einen antagonistischen Gegensatz zwischen unseren Argumentationen zur   logischen Konsequenz. Also: Diese Diskussion ist auf dieser Grundlage sinnlos!   Wir w\u00fcrden uns nur noch bis zum j\u00fcngsten Gericht \u2013 in einem positiven   Sinne \u2013 ergebnislos streiten, wie es bisher ja auch f\u00fcr die Linke sehr   oft typisch war. Onanistische Selbstzerfleischung. Und ich habe exakt den   Eindruck, da\u00df Du diese ALLES VERNICHTENDE KRITIK mit Lust betreibst. Meines   Erachtens ist das nur noch psychologisch zu erkl\u00e4ren. Daraus kann nichts   Konstruktives im Sinne einer grundlegenden emanzipatorischen Ver\u00e4nderung   erwachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Problematische Tendenzen bei Chavez \u00fcbersehe ich bei alledem nicht \u2013 z.B.   sein regieren per Dekret f\u00fcr 18 Monate. Der Proze\u00df ist selbstverst\u00e4ndlich   widerspr\u00fcchlich. Wie k\u00f6nnte es anders sein. Was Du aber anzubieten hast, ist   nicht anderes als erstens widerspr\u00fcchliches WUNSCHDENKEN (einerseits ist   demokratische Revolution unter der Diktatur des Proletariats obsolet,   andererseits redest Du vom Kampf des Welt-Proletariats), zweitens TOTALNEGATION   und drittens eine merkw\u00fcrdig verkehrte Autorit\u00e4tsfixiertheit. Merkw\u00fcrdig   deshalb, weil sie sich zwar negativ geb\u00e4rdet, aber nicht auf die Idee kommt, da\u00df   es ja an der (lateinamerikanischen) Linken selbst liegt, ob sich aus dem   Caudillo (?) Chavez ein Diktator entwickelt. Die Befreiung des <strong>\u201eProletariats\u201c<\/strong> kann eben nur die Sache des <strong>\u201eProletariats\u201c<\/strong> selbst sein. Emanzipation bekommt man per   definitionem nicht geschenkt und man darf auch LETZTLICH nicht Chavez daf\u00fcr   verantwortlich machen, wenn man sich von ihm unterdr\u00fccken l\u00e4\u00dft, sondern sich   selbst! Also <strong>\u201ewir\u201c<\/strong> (ich setze das   in Anf\u00fchrungszeichen, weil wir ja nicht alle von Chavez unterdr\u00fcckt w\u00fcrden),   die Du Besitzer absoluter Wahrheit und unendlicher Voraussicht, jetzt schon   vorsorglich als n\u00fctzliche Idioten bezeichnest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Typisch f\u00fcr Deinen Standpunkt \u00fcberhaupt ist, da\u00df f\u00fcr Dich auch hier das ABSOLUT   NEGATIVE dieses Prozesses in S\u00fcdamerika schon l\u00e4ngst ausgemachte Sache zu sein   scheint \u2013 bevor er \u00fcberhaupt schon richtig in Fahrt gekommen ist. Du   saugst eben alles nur aus Deinem TOTAL DOGMATISIERTEN Gehirn! Hat etwa Marx   dazu seinerzeit schon <strong>\u201eWegweisendes\u201c<\/strong> gesagt, was ich \u00fcbersehen habe und was Du nun nur noch nachbetest?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vollends absurd ist aber folgender Satz, von dem ich leider sagen mu\u00df, da\u00df sein   Irrsinn alles bisher von mir Gelesene \u00fcbertrifft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201e\u2026wenn ich sehe, wie das \u201awirkliche &gt;neue revolution\u00e4re Subjekt&lt;\u201c\u2026zunehmend   seine verborgenen faschistischen Potenzen entfaltet. Und zwar als Ausdruck der   sich nach den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Kapitalismus vor unseren Augen abspielenden <span style=\"text-decoration: underline;\">Proletarisierung<\/span> der Welt&#8230;\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den schlie\u00dflich in der suchenden praktischen und theoretischen   Selbstbewegung der Linken zu findenden, sich schon in ersten Z\u00fcgen   herausbildenden neuen Subjekten reformerischer und vielleicht schlie\u00dflich sogar   revolution\u00e4rer (das mu\u00df dialektisch gesehen werden) Ver\u00e4nderung, von in ihnen   verborgenen faschistischen Potenzen zu reden, ist jenseits jeder realistischen   und rationalen Betrachtung, weil Chavez \u2013 einmal unterstellt, er w\u00e4re ein   solch schlimmer Finger (ich \u00fcbersehe hier einmal freundlicherweise, da\u00df es sich   im Grunde um eine schlimme Verharmlosung des Faschismus durch Dich handelt)   \u2013 zwar ein sehr starkes und f\u00fchrendes, aber bei weitem nicht das einzige   Subjekt der vor unseren Augen vor sich gehenden dramatischen Ver\u00e4nderung in   Richtung Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Lateinamerika ist. Die anderen   finden sich realiter nicht in der knechtenden Unterordnung unter Chavez.   Allerdings befinden sich nicht alle auf der H\u00f6he des Bochumer Weltphilosophen,   der die Welt wieder einmal mit der reinen Lehre \u00fcberzieht. Es ist immer wieder   dasselbe Spiel: Vor dem Richterstuhl des Absoluten Ideals kann das Reale immer   nur scheitern. Da\u00df das Forum von Sao Paulo mit seiner von Dir inkriminierten   Erkl\u00e4rung m\u00f6glicherweise nicht hinreichend Selbstkritik \u00fcbt, mag sein. Ich   nehme das als Ausdruck der Vielfalt der dort versammelten Gruppen etc., die zu   Recht wohl prim\u00e4r an der Herausarbeitung des Gemeinsamen statt des Trennenden   interessiert waren. Ganz im Gegensatz zu besagtem Philosophen, der sich stets   immer wieder erfolgreich einen darauf runterholt, da\u00df er stets und st\u00e4ndig die   ganze Welt in Grund und Boden verkritisiert. Die Verfassung der Bolivarischen   Republik Venezuela, die ich Dir dringend zur Lekt\u00fcre empfehle, ist \u00fcbrigens ein   Musterbeispiel demokratischer Ordnung!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann \u2013 des Wahnsinns g\u00e4nzlich fette Beute \u2013 entfalten sie auch   noch <strong>\u201efaschistische Potenzen\u2026als Ausdruck der\u201c<\/strong>, ja, nat\u00fcrlich, <strong>\u201esich nach den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten   des Kapitalismus vor unseren Augen abspielenden <span style=\"text-decoration: underline;\">Proletarisierung<\/span> der   Welt\u201c<\/strong>! Wenn die Proletarisierung   eine Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit des Kapitalismus ist und wenn diese Basis und N\u00e4hrboden   des Faschismus ist und wenn die Suche nach einem neuen revolution\u00e4ren Subjekt   romantische Spinnerei ist, dann ist ja weder das eine (proletarische) noch die   anderen (neuen) Subjekte f\u00e4hig und in der Lage Deine kommunistischen Gewi\u00dfheiten   zu realisieren, oder? Wie aber kommen wir dann zum Kommunismus, der doch Deines   Erachtens mit Notwendigkeit kommen wird? F\u00fchrt Proletarisierung notwendig zum   Faschismus oder zum Kommunismus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zur unappetitlichen Lekt\u00fcre dieses Satzes dachte ich noch, da\u00df es gerade   die Proletarisierung ist, der Du fr\u00f6nst, weil sie das Heil der Menschheit   verspr\u00e4che. Oder habe ich da etwas falsch verstanden: Bist Du an dieser Stelle   pl\u00f6tzlich nicht mehr der Verfechter der historischen Mission des revolution\u00e4ren   Welt-Proletariats? Ist es nun hier zum b\u00f6sen faschistischen Subjekt mutiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich ahne bereits die Antwort: Hier kann nur das Heil aus Bochum kommen. Vom   Avantgardisten, der seine Absolute Wahrheit in das Proletariat hineintr\u00e4gt, um   es auf den rechten Pfad der revolution\u00e4ren Tugend zu lenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offenbar spielst Du mit den <strong>\u201efaschistischen Potenzen\u201c<\/strong> auf die <strong>\u201eFreundschaft\u201c<\/strong> von Chavez mit Ahmadinedschad an, genauer auf die   Holocaust-Leugnung von letzterem. Solche diplomatischen Praktiken nennt man wohl   Realpolitik und sie machen mich auch mi\u00dftrauisch. Deshalb ist Vorsicht und   Kritik geboten. Ich erinnere daran, da\u00df Mao mit dem Kommunistenschl\u00e4chter   Chiang Kai-scheck freundlich l\u00e4chelnd Reiswein getrunken hat, als es um das   B\u00fcndnis gegen den japanischen Aggressor ging. Ich k\u00f6nnte so etwas nicht. Aber   Politiker m\u00fcssen wohl so sein\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb aber gleich von faschistischen Potenzen zu sprechen, ist abwegig, weil   Chavez mit absoluter Sicherheit nicht so d\u00e4mlich ist, sich damit seine gro\u00dfen   Sympathien weit \u00fcber die Linke hinaus zu verscherzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will hiermit die politische Sache zwischen uns endg\u00fcltig (wie   undialektisch) auf den Punkt bringen: Wenn Du die Welt prim\u00e4r aus den BB   ableitest und nicht aus sich selbst, dann hat es diesbez\u00fcglich keinen Zweck mehr   mit uns. Ohne das Marxsche und Engelssche Werk wirklich umfassend zu kennen,   denke ich dennoch, schon jetzt sagen zu k\u00f6nnen, da\u00df sie eben diese Methode   auszeichnet \u2013 die Welt aus sich selbst heraus zu erkl\u00e4ren! Das schlie\u00dft   allerdings nicht aus, da\u00df sie dabei auch Fehler gemacht haben. Au\u00dferdem hat   sich die Welt dramatisch ver\u00e4ndert. Es gilt aber weiterhin grunds\u00e4tzlich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201cWenn wir jetzt die Verh\u00e4ltnisse, unter denen die englische Arbeiterklasse   der St\u00e4dte lebt, in ziemlicher Ausf\u00fchrlichkeit betrachtet haben, so wird es nun   an der Zeit sein, aus diesen Tatsachen weitere Schl\u00fcsse zu ziehen und diese   wiederum mit dem Tatbestande zu vergleichen.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">MEW, 2, 324.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDie Tatsache ist also die: bestimmte Individuen, die auf bestimmte Weise   produktiv t\u00e4tig sind, gehen diese bestimmten gesellschaftlichen und politischen   Verh\u00e4ltnisse ein. Die empirische Beobachtung mu\u00df in jedem einzelnen Fall den   Zusammenhang der gesellschaftlichen und politischen Gliederung mit der   Produktion empirisch und ohne alle Mystifikation und Spekulation aufweisen. Die   gesellschaftliche Gliederung und der Staat gehen best\u00e4ndig aus dem Lebensproze\u00df   bestimmter Individuen hervor; aber dieser Individuen, nicht wie sie in der   eignen oder fremden Vorstellung erscheinen m\u00f6gen, sondern wie sie wirklich   sind, d.h. wie sie wirken, materiell produzieren, also wie sie unter bestimmten   materiellen und von ihrer Willk\u00fcr unabh\u00e4ngigen Schranken, Voraussetzungen und   Bedingungen t\u00e4tig sind.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">MEW 3, 25.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">EGAL wie es kommt, es tr\u00f6stet mich eine Gewi\u00dfheit. Dort in Bochum, in seiner   Studierstube, sa\u00df einer, der alles schon im voraus wu\u00dfte, unser   Totaldeterminist, der Elfenbeinturmbewohner Ernst-Ulrich Knaudt, der sich   Marxist zu sein d\u00fcnkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Sinne gr\u00fc\u00dft<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Django<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1)<\/sup> Sao-Paulo Forum sucht Alternativen, in Neues Deutschland   (14.06.1995), 7.<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An <em>Partei Marx<\/em><\/strong><strong> <\/strong>(19.03.   2007):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Methode + Weltpolitik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wollte Dir ja eigentlich nicht mehr schreiben, aber na ja, die Hoffnung   stirbt eben zuletzt&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anhang findest Du, neben einem Redetext zum modernen Sozialismus ein   Interview mit Gysi, aus dem man immerhin lernen kann, da\u00df man auch anders mit   der lateinamerikanischen Situation umgegehen kann als Du.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es f\u00e4llt mir dabei auf, da\u00df Gysi von den realen Menschen ausgeht. Und dies   scheint mir \u2013 gelinde gesagt \u2013 ein sehr viel fruchtbarerer Ansatz   zu sein, als Deiner, der des Schriftgelehrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierzu fand ich folgende Aussage von Marx und Engels,   mit der sie die materialistische Methode auf den Punkt bringen und die ich Dir   bisher vergeblich versucht habe nahe zu bringen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eGanz im Gegensatz zur deutschen Philosophie,   welche vom Himmel auf die Erde herabsteigt, wir hier von der Erde zum Himmel   gestiegen. D.h., es wird nicht ausgegangen von dem, was die Menschen sagen,   sich einbilden, sich vorstellen, auch nicht von den gesagten, gedachten,   eingebildeten, vorgestellten Menschen, um davon aus bei den leibhaftigen   Menschen anzukommen; es wird von den wirklich t\u00e4tigen Menschen ausgegangen und   aus ihrem wirklichen Lebensproze\u00df auch die Entwicklung der ideologischen   Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt.\u201c<\/strong> Die Deutsche Ideologie, MEW 3, 25-40.[1]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit freundlichem Gru\u00df<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Django<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PS: So ganz nebenbei ist auch Dein Vorwurf des   Provinzialismus an die Adresse meiner Partei widerlegt, die \u00fcbrigens   Gr\u00fcndungsmitglied der EL ist \u2013 ein Zusammenschlu\u00df von \u00fcber 20 Parteien in   Europa. Siehe Deine Mail vom 26.01.2007:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDein Problem (wie auch das Deiner Partei) ist bei   aller \u201aGlobalisierungskritik\u2019 (+ Fidel Castro + Hugo Chavez + Ahmadineschad)   Euer verdammter Provinzialismus, den Ihr von Euren Vorg\u00e4ngern geerbt habt. Ihr   seht den Kapitalismus nur so, wie er Euch erscheint, wenn Ihr t\u00e4glich vor die Haust\u00fcr   tretet. Das war schon immer das Problem der deutschen Linken, weder in   historischen noch in weltrevolution\u00e4ren Zusammenh\u00e4ngen die Dinge zu sehen,   sondern immer nur auf das \u201aHinterland\u2019, das man sich f\u00fcr seine Revolution   auserkoren hatte, zu starren und dieses f\u00fcr Weltrevolution\u00e4res zust\u00e4ndig zu   erkl\u00e4ren.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1)<\/sup> <strong>Karl Marx; Friedrich Engels: <em>Die deutsche Ideologie<\/em><\/strong>, MEW 25, 26.<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Django <\/strong>(23.03.2007)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betreff:<strong> America Latina<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Django,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; kurz das Wichtigste: vielen Dank f\u00fcr die Texte.   Das Interview hatte ich zuvor schon gelesen und mir \u00fcberlegt, vielleicht darauf   zu reagieren. Der mir von Dir zugesandte zus\u00e4tzliche Rede-Text hat mich in   diesen \u00dcberlegungen best\u00e4rkt. Alles weitere wirst Du unter REFLEXIONEN 2 zu   lesen bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Diskussion war ein gro\u00dfes Mi\u00dfverst\u00e4ndnis! Wir   gehen von unterschiedlichen Voraussetzungen aus. Ihr redet von Sozialismus,   ohne Eure historischen Hausaufgaben gemacht zu haben. Daran ist Trotzki ebenso   gescheitert wie Gorbatschow und eine ganze Generation subjektiv ehrlicher   Genossen, weil eine institutionelle Konterrevolution (obwohl Trotzki   unmittelbar zu einem ihrer Leidtragenden wurde) durch eine Revolution &#8218;von   oben&#8216; nicht aus der Welt zu schaffen ist, es sei denn, auf ihre &#8218;demokratische&#8216;   Weise, durch die &#8218;westliche&#8216; Bourgeoisie gemeinsam mit der &#8218;westlich&#8216;   orientierten Nomenklatura. Wer jedoch meint, an irgendeiner Kontinuit\u00e4t, in   welcher Form auch immer, bezogen auf den von Stalin geschaffenen   konterrevolution\u00e4ren Sozialismus (= Lenin: <strong>&#8222;Sozialimperialismus&#8220;<\/strong>) festhalten zu k\u00f6nnen (die einen mehr, wie die   PDS-Minderheit, die anderen weniger, wie die PDS-Mehrheit), wird nur   Bonapartismus zustande bringen. Keinen objektiv revolution\u00e4ren (= Bonaparte I),   sondern den pr\u00e4ventiv konterrevolution\u00e4ren (= Bonaparte II), in seinen   verschiedensten Gestalten vom Amerika-Befreier bis zum &#8218;demokratisch&#8216; getarnten   Arbeiter-Diktator \u00e0 la Lafontaine (und vielleicht eines Tages noch mal   Gasprom-Schr\u00f6der). Was Dir als Idealismus erscheint (daran \u00e4ndert auch das   sch\u00f6ne Marx-Zitat nichts; denn es ist allein die Frage, unter welchem Aspekt   oder Vorzeichen wir\u00a0 heute als   Parteig\u00e4nger der &#8218;Partei Marx&#8216;, um nicht zu sagen, was leider zu viel zu vielen   Verwechslungen f\u00fchrt: Kommunisten, angesichts der Stalinschen institutionellen   Konterrevolution auf die Feuerbachschen <strong>&#8222;leibhaftigen Menschen&#8220;<\/strong> einzugehen haben), gr\u00fcndet meinerseits auf der   Notwendigkeit, die revolution\u00e4ren Bewegungen des XX. Jhts daraufhin zu   untersuchen, was im XXI. aus ihrem Scheitern zu lernen ist; erst dann l\u00e4\u00dft sich   \u00fcberhaupt von einer Kontinuit\u00e4t nicht nur als Wunschvorstellung reden. Der   Sozialismus als Wunschvorstellung aber ist entweder Utopismus oder christlicher   Illusionismus. Wenn deren Verbreitung gesellschaftlich irrelevant w\u00e4re, k\u00f6nnte   der <strong>&#8222;demokratische Sozialismus&#8220;<\/strong> \u00e0 la G.G. als eines von vielen Sektenph\u00e4nomenen abgebucht werden. Aber   da sind wir zuf\u00e4llig mal der gleichen Ansicht, da\u00df dem nicht so ist&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit herzlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reaktionen auf die partei Marx aus dem Jahr 2007.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1189"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1189"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1189\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}