{"id":1178,"date":"2011-06-01T14:01:49","date_gmt":"2011-06-01T12:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=1178"},"modified":"2011-11-01T17:23:56","modified_gmt":"2011-11-01T15:23:56","slug":"reaktionen-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.parteimarx.org\/?p=1178","title":{"rendered":"Reaktionen (2002)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?cat=14\">zur&uuml;ck zur &Uuml;bersicht Reaktionen<\/a><\/p>\n<p><strong>Die an dieser Stelle wiedergegebenen feedbacks zum Projekt Partei Marx haben im Augenblick nur archivalischen Wert, da die eingangs ge\u00e4u\u00dferte Faszination an demselben, bis auf die nachstehend dokumentierten Ausnahmen, fast auf Null gesunken ist.<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Daher verweisen wir auf die REFLEXIONEN, KRITIK und DEBATTE, worin wir uns mit unseren Kritikern und Autoren kritisch auseinandersetzen, die zu der Thematik, mit der wir uns zu besch\u00e4ftigen haben, in, wie wir meinen, besonderer Weise hervorgetreten sind.<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Zu Dokumentationszwecken wurden einige Briefe aus der Zeit vor 2001 aufgenommen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>In der letzten Zeit (seit dem Fr\u00fchjahr 2007) haben die REAKTIONEN den einseitigen Charakter einer Art \u201aFlaschenpost\u2019 angenommen, die, so ist zu hoffen, wieder einem regeren Meinungsaustausch Platz machen wird.<\/strong><\/p>\n<p>[Korrekturen sinnentstellender Fehler sowie K\u00fcrzungen werden in eckige Klammern gesetzt und folgen der klassischen Deutschen Rechtschreibung.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/pM_0907_REA_doc.pdf\">Dieser Text ist auch als PDF-Datei verf\u00fcgbar<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>An Django <\/strong>(10.01.2002)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Art Deiner       Einw\u00e4nde ist mir aufgefallen, da\u00df Du sehr abstrakt argumentierst oder, wie es       mal fr\u00fcher hie\u00df, &#8218;formalistisch&#8216; (ein Ausdruck, den ich nicht gerne benutze,       weil derjenige, der ihn als Waffe gegen seine Feinde verwendet hatte, selbst       der gr\u00f6\u00dfte Formalist war &#8211; Du wei\u00dft, wen ich meine: unsern guten Jossip&#8230;).       All diese Kosten-Nutzen-Kalk\u00fcle zeichnen sich doch dadurch aus, da\u00df sie mit dem       Menschen und der menschlichen Gesellschaft sehr oberfl\u00e4chlich umgehen oder       besser: beides dichotomisch zu einander in Beziehung setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei meiner Besch\u00e4ftigung mit K[arl]. M[arx].s <em>Kapital<\/em> ist mir an mir selbst aufgefallen,       da\u00df ich bestimmte \u00dcberlegungen einfach deshalb zun\u00e4chst nicht verstanden hatte,       weil ich von dem Marxschen Argumentationsstil abweichend die Sache mit Hilfe       eines erlernten Schematismus zu verstehen hoffte. (Wir sind ja damit       aufgewachsen, mit gegebenen Begriffen und Schemata zu argumentieren, deren       Urspr\u00fcnge und Voraussetzungen nicht hinterfragt wurden oder werden sollten) Was       diesen Argumentationsstil auszeichnet ist, da\u00df K.M. seine Darstellung Schritt       f\u00fcr Schritt so entwickelt als bewege er sich durch ein Minenfeld, also nicht       stur geradeaus auf sein ins Auge gefa\u00dftes Ziel zugehend, sondern immer wieder       zur\u00fcckblickend und die ganze Sache noch einmal bedenkend nach allen Seiten       Ausschau haltend. Dadurch dient auch jeder R\u00fcckgriff auf schon Gesagtes als       Ausgangspunkt des n\u00e4chsten Argumentationsschrittes. Der Formalist, der ohne       Z\u00f6gern nach Mitteln und Wegen sucht, die Sache \u00f6konomisch, also zeit- und       kraftsparend hinter sich zu bringen, marschiert ohne nach links, rechts oder       hinten zu schauen, auf sein Ziel zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kommunismus, um auf den Kern Deines Einwandes zu kommen, als       \u201eProbleml\u00f6sungskonzept\u201c w\u00e4re in der Tat ein ziemlich abstraktes Ding nach einem       dualistischen Schema: hier haben wir also das Problem und da, schaut her, das       \u201eProbleml\u00f6sungskonzept\u201c, und zwar das von K.M., der den Anspruch hatte, \u201edie       neue Welt aus der Analyse der alten zu entwickeln\u201c. (Hat er wirklich       positivistisch die \u201ealte Welt\u201c zuerst \u201eanalysiert\u201c, um sie dann zu ver\u00e4ndern       oder impliziert die \u2013 dialektische \u2013 Methode seiner Kritik und die       damit verbundene politischen Absicht seines theoretischen Hauptwerks nicht       bereits die M\u00f6glichkeit der Ver\u00e4nderung der Welt? Vielleicht erinnerst Du Dich aus       ganz alter Zeit an die \u201eHauptseite Theorie\u201c: im Widerspruch zwischen Theorie       und Praxis stellt die Theorie (oder je nach Fraktion die Praxis) die       \u201eHauptseite\u201c dar&#8230; Das war ein totes Rennen, weil beide Fraktionen in der       Frage des \u201eParteiaufbaus\u201c nach einem formalistischen Schema vorgehen wollten,       egal ob zuerst die Theorie oder die Praxis angesetzt werden sollte) Hier stellt       sich nun die Gretchenfrage nach dem \u201eRealit\u00e4t\u201csgehalt dieser Analyse und dem       \u201eRealit\u00e4t\u201cshaltigkeit der Welt, mit der der Theoretiker konfrontiert ist. [&#8230;]       (Die Philosophie nach Nietzsche und Wittgenstein w\u00fcrde derartige       Realit\u00e4ts-Anspr\u00fcche schlichtweg leugnen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kommunismus ist, seinen theoretischen Realit\u00e4ts-Anspruch vorausgesetzt,       keine Wunschprojektion, keine Erl\u00f6sungsphantasie (\u201eParadies auf Erden!?\u201c),       sondern zu begreifen als eine unbedingt notwendige Konsequenz, die aus den       Widerspr\u00fcchen, den antagonistisch werdenden Konflikten, die die b\u00fcrgerliche       Gesellschaft in sich selber entwickelt und aus sich selbst hervorbringt,       zwangsl\u00e4ufig folgt. Diese Widerspr\u00fcche, die innerhalb der b\u00fcrgerlichen       Gesellschaft so wenig aufzuheben sind, wie die Gravitationskraft auf der Erde,       hat K.M. \u201eanalysiert\u201c \u2013 nicht \u201edie Welt\u201c \u2013 und dabei zu fast       hundert Prozent offengelassen, welche Schlu\u00dffolgerungen jeweils &#8218;die       Betroffenen&#8216; daraus zu ziehen haben. In diesem Sinne ist \u201ef\u00fcr Marx die       Geschichte offen\u201c und, so w\u00fcrde ich fortfahren, auf welchem Weg die Menschen       zum Kommunismus gelangen werden. Alles andere w\u00e4re Utopismus, sozialistisches       &#8218;Opium f\u00fcr das Volk&#8216;; und davon hat es verst\u00e4ndlicherweise heute einen Kater,       weil in den letzten Jahrzehnten allzu penetrant mit den sozialistischen       Weihrauchf\u00e4ssern herumgewedelt worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das meine vorl\u00e4ufige Antwort auf Deine Frage, ob es sich bei dem, \u201ewas wir       &#8218;Marxisten&#8216; denken &#8230; um Hoffen, Tr\u00e4umerei &#8230; Religion, wenn auch hier       s\u00e4kularisiert&#8230;\u201c handelt. Religion wurde daraus entweder durch diejenigen, die       aus K.M. einen Utopisten machen wollten oder die den Realit\u00e4tsgehalt seiner       Analyse nur sehr schematisch nachvollzogen und, auf unmittelbar umsetzbare       Effekte zielend, den &#8218;Marxismus&#8216; als Dogma gepredigt haben. Wissenschaft       unterscheidet sich bekanntlich von Religion dadurch, da\u00df ihre Ergebnisse       vielf\u00e4ltig interpretierbar und fortzuentwickeln sind; nur, da\u00df es sich bei       dieser Wissenschaft von der Gesellschaft (oder wie gesagt, von den immanent       un\u00fcberwindlichen Widerspr\u00fcchen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, es sei denn durch       eine soziale Revolution) um eine besondere Wissenschaft handelt, die sich in       einem Punkt von allen anderen Wissenschaften dadurch unterscheidet, da\u00df der       Experimentator selbst Teil des \u201eExperiments\u201c ist und da\u00df sich dieses nicht       wiederholen l\u00e4\u00dft, weil die Menschen ihre eigene Geschichte&#8230; aber nicht aus       freien St\u00fccken (machen), d.h. Geschichte sich nicht wiederholt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worin ich demnach nicht mit Deinen Schlu\u00dffolgerungen (die Punkte 1 und 2)       \u00fcbereinstimmen w\u00fcrde, w\u00e4re, da\u00df Du die \u201eAnalyse der Realit\u00e4t\u201c und die       \u201eBefragung &#8230; von Marx\u201c getrennt von einander durchf\u00fchren willst, w\u00e4hrend       meiner Ansicht nach die \u201eBefragung\u201c von Marx und \u201edie Analyse der Realit\u00e4t\u201c,       wenn der wissenschaftliche Charakter und der Realit\u00e4tsgehalt seiner \u201eAnalysen\u201c       nicht in Frage steht, ein und dasselbe Ding sind. Die marxsche Befragung der       Realit\u00e4t ist die Analyse der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft \u201eohne Flausen\u201c. Und alle       Individuen, die \u00fcber den Guerillakampf gegen ihre Lohnsklaverei hinausgehend,       sich fragen, wohin diese Auseinandersetzung eigentlich f\u00fchren soll, werden       fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf diese Wissenschaft zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen wie der k\u00fcnftige       Physiker auf die Newtonschen Gesetze, weil darin sein Konflikt als       Wesenselement des Kapitalismus in seiner Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit analysiert ist und       damit die M\u00f6glichkeit, ihn im Sinne der \u201eEmanzipation des Individuums\u201c       aufzuheben. Wie er dagegen die gewonnene Erkenntnis in die gesellschaftliche       Praxis umsetzen wird, ist eine &#8218;Parteifrage&#8216;, d.h. wie es ihm gelingt, das       Wesen von der Erscheinung, die echten von den falschen Kommunisten zu       unterscheiden und zugleich eine Klassenfrage. Denn jeder Klassenkampf ist ein       politischer Kampf und die Organisation der Proletarier zur Klasse eine zur       politischen Partei&#8230; (MEW 4, 471).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df Du, wie auch ich, ein \u201eNicht-Proletarier\u201c bist, will, zumindest in unseren       Breiten, nur noch wenig besagen, oder wer ist hier noch einer? Wenn der       Kapitalismus f\u00fcr den Weltmarkt produziert und sich \u00fcber den Weltmarkt       reproduziert, dann l\u00e4\u00dft sich dessen Bestimmung auch nur \u00fcber den Weltmarkt       herstellen (MEW 6, 539). Gemessen an der Ausbeutung der chinesischen       Zwangsarbeiter und mexikanischen Flie\u00dfbandarbeiterinnen in den Freien       Produktionszonen, sind hier fast alle produktiven Arbeiter an der \u201eVeredelung\u201c       vorproduzierter Halbwaren beteiligt. Der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts       beruht also nach wie vor auf \u201efr\u00fchkapitalistischen\u201c Zust\u00e4nden \u2013 nur, da\u00df       sich diese von England aus woanders hin verzogen haben&#8230; (Was auf der andern       Seite nat\u00fcrlich nicht hei\u00dft, da\u00df hier \u00fcberhaupt kein Mehrwert mehr produziert       wird).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[&#8230;]       Es gr\u00fc\u00dft herzlich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ernst-Ulrich<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An <em>Partei       Marx<\/em><\/strong><strong> <\/strong>(31.07.2002)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe soeben \u00fcber die Sozialistische Studienvereinigung Deine Website erfahren! Sieht gut       aus! Der Zeilenabstand m\u00fc\u00dfte ein bi\u00dfchen gr\u00f6\u00dfer sein, denn so ist der Text sehr       erm\u00fcdend zu lesen. Ich w\u00fcnsche Dir f\u00fcr den morgigen Tag eine interessante       Diskussion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso etwas weniger Voreingenommenheit gegen\u00fcber dem globalisierten       Kapitalismus und seinen von ihm selbst erzeugten Kritikern \u2013 es sind       \u00fcbrigens keine Globalisierungsgegner, sondern \u2013kritiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie sind auch \u2013 ich \u00fcbertreibe \u2013 das Einzige, was wir haben und       vielleicht seine zuk\u00fcnftigen Totengr\u00e4ber. Mit diesen sollte man pfleglich       umgehen und d.h. kritisch, aber nicht verachtend. Das k\u00f6nnen wir uns nicht       leisten und ist auch von der Sache her falsch, denn es ist h\u00f6chst albern, davon       auszugehen, da\u00df die Menschen bereits als Kommunisten geboren werden. Wenn das       \u201elinke Krisenmanagement\u201c die kapitalistische Krise so managt, da\u00df es am Ende       vielen Menschen besser geht als heute, dann war es Schwei\u00dfes der edlen Verr\u00e4ter       wert. Und der Kapitalismus h\u00e4tte wieder einmal seinen Fundamentalkritikern und       Katastrophenpropheten den Spiegel ihres Dogmatismus vorgehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hast Du einmal \u00fcber die einfache Wahrheit nachgedacht, da\u00df ein System nur       verwerflich und aufgrund seiner Widerspr\u00fcche verwerfbar ist, wenn es den       Menschen ein Leben in Menschenw\u00fcrde verwehrt \u2013 dies aber eine ganz       konkrete Frage ist! Philosophen neigen von Berufs wegen dazu, von den konkreten       Lebensumst\u00e4nden der Menschen zu abstrahieren und sich an ausgedachten Idealen,       \u00dcberzeugungen und Prinzipien zu berauschen. F\u00fcr den Slumbewohner in Rio de       Janeiro aber ist es schon ein Fortschritt, wenn er flie\u00dfend Wasser bekommt. Er       wird die revisionistische Hilfsorganisation loben und preisen daf\u00fcr.       Demgegen\u00fcber wird er von den literarischen Handreichungen der partei Marx nicht       satt: Er w\u00e4re verhungert, bevor er \u00fcberhaupt zum Buch greifen k\u00f6nnte. An       Revolution gar nicht zu denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund ist eine Ver\u00e4chtlichmachung des \u201e\u00dcberredens zur       vern\u00fcnftigen Regulierung des Elends auf dieser Welt\u201c eine politische Dummheit       und blanker Zynismus zudem; abgesehen davon, da\u00df es sich hierbei um ganz       handfeste K\u00e4mpfe und mitnichten um \u00dcberredungsillusionen handelt, wie jeder       sehen kann, der sehen will. Es ist aber auch in der Sache schlicht falsch. Denn       das Elend wird ja nicht reguliert, sondern, wenn \u2013 so lehrt die historische       Erfahrung \u2013 der Druck gro\u00df genug ist, reduziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und m\u00f6glicherweise schafft sich der Kapitalismus damit wieder \u2013 indem       z.B. die konsumtive Nachfrage entgegen der eigentlichen Kapitallogik der       \u00dcberproduktion (aufgrund des im kurzsichtigen einzelkapitalistischen       Profitstrebens liegenden Widerspruchs zwischen Interesse an erweitertem Absatz       einerseits und Interesse an Lohndr\u00fcckerei, also Schw\u00e4chung der Nachfrage       andererseits) gest\u00e4rkt w\u00fcrde \u2013 eine erweiterte Reproduktionsbasis, wie es       bereits die englische Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert mit ihrem Kampf um       bessere Arbeits- und Lebensbedingungen \u2013 im Resultat die       Fabrikgesetzgebung \u2013 in ihrer v\u00f6lligen Theorieferne und       Geschichtsblindheit und ohne irgend einen Philosophen zu fragen, getan hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Grund solcher \u00c4u\u00dferungen ist es f\u00fcr mich ganz offensichtlich, da\u00df es Dir       gar nicht um die konkreten Menschen in ihren elenden Verh\u00e4ltnissen geht,       sondern um diese \u201eSpukgesellschaft\u201c, die f\u00fcr den philosophierenden kritischen       Kritiker an und f\u00fcr sich des Teufels ist. Jedwede Reform erscheint in diesem       Licht zwangsl\u00e4ufig als der hinterh\u00e4ltige Versuch des Systems, sich durch       Scheinzugest\u00e4ndnisse zu retten. Interessant und entlarvend dabei ist, da\u00df das       tats\u00e4chliche Zugest\u00e4ndnis, das konkreten Menschen das Leben etwas erleichtert,       nur als T\u00e4uschung wahrgenommen werden kann \u2013 eben weil der Ma\u00dfstab nur       die Totalit\u00e4t des in der abstrakten Analyse alles f\u00fcr sich, selbst die       Menschlichkeit f\u00fcr seine Zwecke letztlich instrumentalisierenden verha\u00dften       Systems ist, nicht das Individuum!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde handelt es sich dabei um die negative Anbetung des Systems als dem       Subjekt der Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machen die Menschen nicht mehr ihre Geschichte selber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich unter dem Druck einer m\u00e4chtigen weltweiten Reformbewegung die Dinge       zum Besseren wenden lassen, sollten wir das ablehnen? Mit welchem Recht? Welche       Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit ist es, die uns dazu erm\u00e4chtigt? Die, da\u00df der Kommunismus mit       Notwendigkeit kommen wird? Also wir in Kenntnis des objektiven       Geschichtsverlaufs das arme Arschloch belehren und sagen m\u00fcssen, da\u00df es       gef\u00e4lligst noch ein paar J\u00e4hrchen die Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen mu\u00df, bevor er nach       dem v\u00f6lligen Zusammenbruch der alten (also um den Preis unendlichen Leidens)       und dem Aufstieg der Neuen Gesellschaft wie der Phoenix aus deren Tr\u00fcmmern       schlie\u00dflich in das kommunistische Paradies eintreten darf. Welche Beweise gibt       es denn f\u00fcr einen solchen Geschichtsdeterminismus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Historische Tatsache ist, da\u00df der Kapitalismus z.B. der BRD sozialstaatlich       reguliert ist, d.h. das Kapital ist nicht v\u00f6llig frei, seiner ihm inh\u00e4renten       Logik entsprechend zu agieren. Dies ist u.a. ein Ergebnis reformistischer       K\u00e4mpfe. Seine Reformf\u00e4higkeit ist damit prinzipiell bewiesen. Nicht aber, wie       weit er f\u00fcr Reformen in einem emanzipatorischen Sinne ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es im reinen Kapitalismus nur um die Kapitalverwertung geht \u2013 also       dieser jede Menschlichkeit zum Opfer f\u00e4llt bzw. untergeordnet ist, dann haben       wir es realiter mit einer schmutzigen Version zu tun, in der in einem gewissen       Ma\u00dfe Ressourcen via Staat und den Klassenkompromi\u00df zwischen Kapital und Arbeit       (Sozialpartnerschaft, Tarifautonomie) zum Zwecke eines gewissen Wohlstands und       einer gewissen sozialen Sicherheit, also der Stabilit\u00e4t des Systems, aber eben       auch zum Nutzen vieler Menschen umgelenkt werden. Von den politischen       Freiheitsrechten will ich hier nicht reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde ist die Sache ganz einfach. Wenn die von Dir wegen ihres fehlenden       Einblicks in den wahren Geschichtsverlauf verachteten Reformisten Erfolg haben       \u00fcber diese historische Tatsache hinaus (Ich sehe einmal davon ab, da\u00df die Linke       sich ja derzeit in der Defensive befindet), dann hat sich der Kapitalismus als       weiterhin reformf\u00e4hig erwiesen \u2013 und das solange und soweit, solange und       soweit er sich reformieren l\u00e4\u00dft. Vielleicht schl\u00e4gt er ja auch erst auf diesem       Weg ab einem gewissen Punkt in eine neue Qualit\u00e4t um? Dann w\u00e4re er erst ab       einem gewissen Punkt antagonistisch, d.h. innerhalb seiner Grenze ein ganz       sch\u00f6nes St\u00fcck reformierbar, dar\u00fcber hinaus aber nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie dem auch sei: Wir werden es erst wissen, wenn wir es probieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich entschieden wird die Frage von der politisch-gesellschaftlichen       Praxis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e&#8230;man sieht, wie die L\u00f6sung der theoretischen Gegens\u00e4tze selbst nur auf eine       praktische Art, nur durch die praktische Energie des Menschen m\u00f6glich ist und       ihre L\u00f6sung daher keineswegs nur eine Aufgabe der Erkenntnis, sondern eine       wirkliche Lebensaufgabe ist, welche die Philosophie nicht l\u00f6sen konnte, eben       weil sie dieselbe als nur theoretische Aufgabe fa\u00dfte.\u201c (Karl Marx:       \u00d6konomisch-philosophische Manuskripte, MEW, EB Erster Teil, Seite 542).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ebenso albern ist es \u2013 und v\u00f6llig unmarxistisch \u2013 zu glauben,       da\u00df man durch das Studium des Kommunistischen Manifestes allein zum       marxistischen Kommunisten wird. Das kann man bekanntlich aus den unterschiedlichsten       Interessen und Motiven lesen! Der kommunistische Erfolg auf der Grundlage des       Kommunistischen Manifestes \u2013 was immer man darunter versteht \u2013       tritt aber erst dann ein, wenn sich die Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten darin       wieder finden, es als Orientierung zu begreifen, danach handeln und diese       Orientierung auch noch eine richtige, d.h. realistische ist, d.h. Marx, Engels       und ihre Gefolgsleute sich nicht irren in ihrer Analyse. Denn die Elenden auf       dieser Welt sind schon oft falschen Propheten auf den Leim gegangen, weil sie       in ihrer Verzweiflung f\u00fcr heroische Illusionen anf\u00e4llig sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens: Wie sieht der Kommunismus eigentlich aus? Das m\u00fc\u00dftest Du beschreiben       k\u00f6nnen, wenn Du doch davon sprichst, da\u00df er eine unbedingt notwendige       Konsequenz ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sei weiterhin herzlich gegr\u00fc\u00dft<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Django<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Django <\/strong>(03.09.2002)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider mu\u00dftest Du       Dich mit meiner Antwort auf Deine ausf\u00fchrliche Kritik an dem Projekt Partei       Marx etwas gedulden. Da Du in Deinem Brief dieses grunds\u00e4tzlich infrage       stellst, war ich meinerseits herausgefordert, eine entsprechende Antwort zu       finden, was einige Zeit in Anspruch genommen hat. Daher fange ich auch gleich       mit den prinzipiellen \u00dcberlegungen an:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in Deiner Kritik vertretene Position erinnert stark an den in den 80er       Jahren in ganz Westeuropa aufgekommenen Euro-Kommunismus. Die Euro-Kommunisten       standen links von der S[ozialistischen] I[nternationale] und verstanden sich       als Sozialisten bei gleichzeitiger Kritik an den pro-sowjetischen       Beton-Kommunisten. Da\u00df der Euro-Kommunismus in der damaligen Bundesrepublik       nicht heimisch werden konnte, hatte unter anderen darin seinen Grund, da\u00df an       der Schnittstelle des Kalten Krieges der westdeutsche Kommunismus nur unter der       direkten milit\u00e4rischen und geheimdienstlichen Direktive der Sowjetunion agieren       sollte. Die in Reaktion darauf in den 70-er Jahren wie Pilze aus dem Boden       schie\u00dfenden ML-Parteien stellten dagegen keine wirkliche Alternative dar, schon       weil deren F\u00fchrungspositionen in den meisten F\u00e4llen ebenfalls von ehemaligen       Beton-Kommunisten besetzt worden waren (einen neolithischen Rest aus dieser       Zeit findest Du heute noch in der MLPD vor).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der moderne Euro-Kommunismus, den Du in Deiner Kritik an der Partei Marx       vertrittst, hat sich nach 1989 aus der Umklammerung der Beton-Kommunisten       befreit, allerdings unter Duldung der unter diesem Banner in dieser Str\u00f6mung       \u00fcberwinternden beton-kommunistischen &#8218;Einzelpers\u00f6nlichkeiten&#8216; und Frakti\u00f6nchen,       deren Bedeutung mit den Jahren, so rechnet man, naturbedingt abnehmen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als modernen Euro-Kommunismus w\u00fcrde ich Deine Position aber vor allem deshalb       bezeichnen, weil sie mit der modernen Str\u00f6mung der europ\u00e4ischen radikalen       Linken korrespondiert, die zu charakterisieren auf Anhieb nicht so einfach ist.       Daraus resultieren meine Schwierigkeiten bei meiner Antwort auf Deine Kritik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die europ\u00e4ische radikale Linke setzt sich zusammen aus einerseits den modernen       Euro-Kommunisten, die eine Reformpolitik links von den Sozialdemokraten gegen       die Auswirkungen des \u201eneoliberalen\u201c Kapitalismus betreiben, d.h. diesem seine       asozialen All\u00fcren austreiben, dessen gewaltiges Modernit\u00e4tspotential aber       (woran es dem Beton-Kommunismus sowjetischer Provenienz immer grundlegend       gemangelt hatte) im Interesse der werkt\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung, der k\u00fcnstlerischen       und technischen Intelligenz \u201esozialistisch\u201c umfunktionieren wollen. Dieser       moderne Reformismus, wovon der Tenor Deiner Kritik an dem Projekt Partei Marx       bestimmt ist, wird von den \u00fcbriggebliebenen Vertretern eines scheinbar       kompromi\u00dflosen Beton-Kommunismus (DKP und Konsorten) verbal in Abrede gestellt,       aber als Mittel zum Stimmen- und Dummenfang durchaus in Anspruch genommen.       Insofern hattest Du mit Deiner gelegentlich ge\u00e4u\u00dferten Einsch\u00e4tzung recht, da\u00df       die politischen Wirkungsm\u00f6glichkeiten dieser Fraktion des Kommunismus       (zun\u00e4chst) begrenzt sind. Nun scheinen sich bei ihnen die orthodoxe       beton-kommunistische Fraktion mit einer anderen, die sich an den europ\u00e4ischen       radikalen Linken orientiert und damit eine moderne Variante des       Beton-Kommunismus darstellt, im Clinch zu liegen (\u201eProgrammdebatte\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Denkweise dieses modernen Beton-Kommunismus basiert (im Gegensatz zu       derjenigen der orthodoxen Kommunisten, die als traditionelle Breshnewisten       formal am XX. PT der KPdSU als Trennlinie festhalten) unmittelbar auf Stalins       institutioneller Konterrevolution von 1934 (die Kinder von Stalin und       Milosevic) und k\u00f6nnte (vielleicht gerade deshalb), wenn es ihm gelingt, sich       (mit den wachsenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise) zu konsolidieren,       zunehmenden Einflu\u00df auf die europ\u00e4ische radikale Linke einschlie\u00dflich der       modernen Euro-Kommunisten nehmen, wodurch dieses historische \u201eErbe\u201c entgegen       Deiner in dieser Beziehung reduzierten Wahrnehmung durchaus noch nicht zu den       Akten zu legen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das entscheidende Kennzeichen dieses Pseudo-Kommunismus ist, da\u00df seine       &#8218;Revolution von oben&#8216; (nicht wie zu Lenins Zeiten revolution\u00e4r, sondern)       konterrevolution\u00e4r durchgesetzt wird. Oder anders gesagt: war Stalins Putsch       von 1934 eine Konterrevolution in der Revolution, so h\u00e4tten wir von dem       modernen Pseudo-Kommunismus eine Revolution in der Konterrevolution zu erwarten       nach dem bekannten Muster, wonach mit dem Export der Revolution die       Konterrevolution gleich mitgeliefert wird. (Einiges dazu k\u00f6nntest Du, wenn Dein       Interesse f\u00fcr solche historischen Klamotten nicht so gering w\u00e4re, der home-page entnehmen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe nun bei meinen Versuchen, mich mit Deiner Kritik auseinanderzusetzen,       feststellen m\u00fcssen, da\u00df ich, entgegen meinen urspr\u00fcnglichen politischen       \u00dcberlegungen, wonach der moderne Euro-Kommunismus weit weniger       konterrevolution\u00e4r (weil nur im \u00fcblichen b\u00fcrgerlichen Sinn anti-kommunistisch)       ist als der Pseudokommunismus, nicht dar\u00fcber hinaus kam, die von Dir vertretene       Reformpolitik (die nichts desto trotz b\u00fcrgerliche caritas bleibt) anders als       mit pseudokommunistischen Argumenten (seien sie auch mit Lenin und Mao       unterf\u00fcttert) zu kritisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem gleichen Dilemma, das nach Engels nur aufzul\u00f6sen ist, wenn man es       verl\u00e4\u00dft, verharrt in st\u00e4ndig bewegtem Stillstand die europ\u00e4ische Linke, ohne       dieses allerdings als Manko zu empfinden: die modernen Euro-Kommunisten nicht,       die nichts dagegen haben, da\u00df sich ihre pseudokommunistischen       Reformismus-Kritiker in ihren Selbstwiderspr\u00fcchen totlaufen; die       Pseudo-Kommunisten ebensowenig, die den Reformismus, den sie bei den       Euro-Kommunisten kritisieren selbst als Taktik anwenden, um die Akzeptanz ihrer       mit revolution\u00e4ren Mitteln betriebenen Konterrevolution in der widerstrebenden       Bev\u00f6lkerung nach dem Muster der DDR zu erh\u00f6hen. Nur die Globalisierungsgegner       verleihen diesem bewegten Stillstand mit einer aus den 60er Jahren entlehnten       revolution\u00e4ren Folklore scheinrevolution\u00e4re Bewegtheit (wobei der bei jungen       Leuten noch als authentisch, weil spontan in Erscheinung tretende       Philanthropismus von den Altlinken f\u00fcr ihre Zwecke instrumentalisiert wird;       vgl. die peinliche Unterhaltung des Trotzkisten Alex Callinicos mit       Funktion\u00e4ren von Tute Bianchi auf einer der von Dir empfohlenen Websites). So       bleibt nur noch die Frage spannend, wann die modernen Beton-Kommunisten, das       beschriebene Reformismus-Dilemma verlassen werden, nachdem die Richtung durch       ihre offene Sympathie f\u00fcr das anti-amerikanische Polit-Gangstertum von Leuten       wie Milosevic, Kutschma, Lukaschenka, Mugabe, Chavez, etc seit langem       entschieden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen ersten Schritt auf dem langen Marsch, das besagte Dilemma auf       revolution\u00e4re Weise zu verlassen, findest Du [in folgendem]: Wenn, wie Lenin       vielleicht heute sagen m\u00fc\u00dfte, der Opportunismus in der revolution\u00e4ren       Arbeiterbewegung so tief in ihrer eigenen unbew\u00e4ltigten Historie verankert ist,       dann hat jeder ernsthafte Versuch zu ihrer Reorganisation zu allererst darin zu       bestehen, sich dar\u00fcber Klarheit zu verschaffen, wie es zu dieser in ihrer       Abgefeimtheit historisch un\u00fcberbotenen und damit auch neuen Form des       &#8218;Opportunismus&#8216; in Gestalt der von Stalin zuerst verwirklichten revolution\u00e4ren       Konterrevolution kommen konnte, die sich gegenw\u00e4rtig der europ\u00e4ischen Linken       als Taktik zum Ausstieg aus ihrem eigenen Dilemma perspektivisch anbietet. Den       alten dereinst von Lenin kritisierten Opportunismus zu durchschauen, ist       inzwischen zur Volksweisheit abgesunken, die die Pseudokommunisten wortradikal       wiederk\u00e4uen, ohne dem einen neuen Gedanken hinzuf\u00fcgen zu k\u00f6nnen. Den neuen       Opportunismus durchschaubar zu machen, scheint nur den Allerwenigsten zu       gelingen. Und zwar nur dann, wenn sie nach der Empfehlung von Friedrich Engels       das besagte Dilemma und mit diesem die Linke, die es hegt und pflegt,       verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Du Dich zu dem Projekt Partei Marx &#8218;in der Hauptsache&#8216; nicht ge\u00e4u\u00dfert,       sondern Dich an einem Epiph\u00e4nomen, der Kritik an den Anti-Globalisierern,       hochgezogen hast, wei\u00df ich leider nicht, in welcher Richtung Du das Dilemma, in       dem Dein Euro-Kommunismus steckt, verlassen wirst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn zu erwarten ist, da\u00df mit der Versch\u00e4rfung der globalen Krise des       Kapitalismus und der akut drohenden Verwandlung des anti-islamistischen       Verteidigungskriegs der &#8218;westlichen Welt&#8216; in einen Rassenkrieg der moderne       Euro-Kommunismus zwischen Pseudokommunismus und Welt-Kapitalismus zerrieben       wird, weil er nicht in der Lage ist, das Dilemma, zwischen Reformillusionen und       Polit-Gangstertum hin- und hergerissen zu werden, zu beseitigen. Vielleicht       wirst Du Dich dann an das Projekt Partei Marx erinnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sei ebenfalls weiterhin gegr\u00fc\u00dft [&#8230;]!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkung zum       kommentierten Veranstaltungs-Protokoll <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[<strong>\u201eBericht &#8218;Partei       Marx&#8217;&#8230;\u201c <\/strong>[1]]<strong> <\/strong>(10.11.2002)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Peter       Christoph,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">vielen Dank f\u00fcr die heutige E-Mail       und das Protokoll!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst zum Protokoll: ich finde es sehr gut und bemerke, da\u00df es auf eine       Seite der Partei Marx eingeht, die Du als \u201eParteibildungsproze\u00df\u201c (wie bereits       auf der Veranstaltung) bezeichnest. Diese Frage stand in der sp\u00e4ter zur\u00fcckgestellten       Urfassung dieses Projekts st\u00e4rker im Vordergrund. Aber inzwischen, bin ich       selbst darauf gekommen, sie nicht v\u00f6llig au\u00dfen vor lassen zu k\u00f6nnen.       Andererseits liegt es nun einmal in der Natur der Sache, da\u00df dazu noch vieles       unentschieden bleiben mu\u00df, zumal der \u201eParteibildungsproze\u00df\u201c nicht an meinem       oder Deinem Schreibtisch entschieden wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[So] &#8230; zielt die Neuschreibung der Geschichte der Partei Marx auf eine sich       durch die Weltwirtschaftskrise mit einer gewissen Zwangsl\u00e4ufigkeit ergebende neue       Formierung der Arbeiterbewegung jenseits der tradierten Formationen. Dabei       w\u00fcrde sich die deutsche Arbeiterbewegung mit gutem Gewissen so nur nennen       d\u00fcrfen, wenn sie sich positiv auf das \u00fcber den Weltmarkt erzeugte (Welt-)       Proletariat bezieht, genauer: wenn sie sich als der privilegierter Teil der im       Weltma\u00dfstab von der Welt-Bourgeoisie erzeugten Klasse begreift und nur dann!       Das setzt eine Menge proletarischer Bewu\u00dftseinsbildung (eine Menge \u201eKritik am       Gothaer Programm\u201c) voraus, und wie wir sehen, agieren die in der Tradition der       Dritten (und Vierten) Internationale &#8218;real existierenden&#8216; Arbeiterparteien       genau entgegengesetzt dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei aller Borniertheit, in der die deutsche\/(n) Arbeiter\/(klasse) von den       &#8218;Arbeiterparteien&#8216; geh\u00e4tschelt werden\/(wird), mu\u00df der erste Schritt zu einer       solchen Bewu\u00dftseinsbildung bei der Beantwortung der einen Frage ansetzen: was       machen die Kommunisten anders als was in der DDR (SU o. \u00e4.) gemacht worden ist       und zum Beispiel am 17. Juni (der von der Bourgeoisie weidlich ausgeschlachtet       worden ist) zur Entscheidung gestanden hat? Dazu m\u00fcssen die Parteig\u00e4nger der       Partei Marx notgedrungen tief in die historische Kiste greifen, weil durch die       \u00fcblichen linken Erkl\u00e4rungen die Fragenden entweder mit klassischer       DDR-Propaganda (\u201eKonterrevolution\u201c) oder mit sozialdemokratischen       Trauerges\u00e4ngen abgespeist werden. Wenn Du so etwas als \u201etheoriepraxis\u201c       bezeichnest, o.k.! Dar\u00fcber hinaus bleibt dieser Begriff mir noch reichlich       unklar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Abstieg der (klein-)b\u00fcrgerlichen Intelligenz in das &#8218;Proletariat&#8216; war ohne       Zweifel politisch eine Katastrophe: wie dereinst die russischen Bauern haben       sich die deutschen Arbeiter an die Birne gepackt und die Absteiger gefragt, wie       man so bl\u00f6d sein kann und darauf verzichtet, seine Qualifikation als       b\u00fcrgerlicher Intellektueller nicht entsprechend zu versilbern. W\u00e4hrend der       Ausstieg aus dem Proletariat wiederum besonders zielstrebige (Polit-)manager       hervorgebracht hat, die, weil sie mit allen Wassern in der Parteiintrige und       der Propaganda gewaschen sind, die \u00fcblichen Aufsteiger um L\u00e4ngen \u00fcberragen.       Sonst ist dabei nichts herausgekommen. Den Universalgelehrten, der f\u00fcr die       selbst denkenden Arbeiter eine wissenschaftliche Erkl\u00e4rung des Kapitalismus in       radikaler Abgrenzung zu den g\u00e4ngigen Gebrauchsanweisungen der Profitmaximierung       liefert und als solcher von der Arbeiterbewegung kooptiert wird, gibt es nicht       mehr, kann es wahrscheinlich nicht mehr geben. Wenn solche Seitenwechsel       vorkommen, landen diese Intellektuellen bei einer der traditionellen       Arbeiterparteien, schon um &#8218;links&#8216; und b\u00fcrgerlicher Intellektueller bleiben zu       k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen die \u201eParteibildung\u201c nur mit dem &#8218;Kadermaterial&#8216; (ein wundersch\u00f6ner       Ausdruck!) bestreiten, das historisch\/biographisch aus dem Umschmelzungsproze\u00df       des \u201ekurzen Jahrhunderts\u201c von Revolution und Konterrevolution als       widerst\u00e4ndiger Bodensatz \u00fcbrig geblieben ist&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn vom \u201eParteibildungsproze\u00df\u201c zu reden ist, dann in diesem konkreten Sinn,       wobei er sich wohl komplizierter gestalten wird als diejenigen sich das       vorstellen, die sich vor die Tore des Opelwerks stellen und der Arbeiterklasse       den &#8218;Sozialismus&#8216; durch das Auslegen von \u00f6konomistischen Leimruten schmackhaft       machen wollen. Mit all unseren kleinb\u00fcrgerlichen Kr\u00e4mpfen und Traumata sind wir       schon mitten drin in diesem \u201eParteibildungsproze\u00df\u201c, wenn wir aufh\u00f6ren, uns \u00fcber       uns selbst wie \u00fcber diese \u00e4u\u00dferst &#8217;schwierige Abteilung&#8216; des Welt-Proletariats       irgendwelchen Illusionen hinzugeben&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen von diesen n\u00e4her zu bestimmenden Begriffen habe ich keine Probleme       mit Deinem Protokoll; im Gegenteil: es erg\u00e4nzt ein wichtiges von mir mehr oder       weniger absichtlich beiseite gelassenes Problem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[&#8230;]<br \/>\nHerzliche Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ernst-Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1) <\/sup>Text des Vortrags siehe: <a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=126\">KRITIK 1, ANHANG 2<\/a><\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An Django <\/strong>(09.12.2002)<strong>:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielen Dank f\u00fcr die freundliche       Einladung [nach Porto Alegre]. Abgesehen von den finanziellen       (Weihnachtsurlaub) sind Dir meine politischen Erw\u00e4gungen hinl\u00e4nglich bekannt,       soda\u00df ich meine Absage nicht n\u00e4her begr\u00fcnden mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gelegentlichen E-Mails habe ich erhalten und mir die j[unge] W[elt] einige       Male gekauft. Abgesehen davon, da\u00df sie als Sprachrohr der PDS-Minderheit ganz       informativ ist, hat mich das Niveau ein wenig entt\u00e4uscht. So lese ich am       Wochenende abwechseln ND und jW.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht noch ein Hinweis: ein Brief von K[arl]. M[arx]. aus dem Jahre 1881       an Nieuwenhuis, auf den ich gerade gesto\u00dfen bin und [der] mir, was Deinen       Vorschlag betrifft, sehr aus der Seele spricht (MEW 35, 160f.) [1]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herzliche Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1) <\/sup><strong>\u00bb<\/strong><strong>Die Frage des bevorstehenden Z\u00fcricher Kongresses <\/strong>[Sozialistischer Weltkongre\u00df vom       02.-04.10.1881 in Chur]<strong>, die Sie mir mitteilen, scheint mir \u2013 ein       Fehlgriff. Was in einem bestimmten gegebnen Zeitmoment der Zukunft zu tun ist, <em>unmittelbar<\/em><\/strong><strong> zu tun ist, h\u00e4ngt nat\u00fcrlich ganz       von den gegebnen historischen Umst\u00e4nden ab, worin zu handeln ist. Jene Frage       aber stellt sich im <em>Nebelland<\/em><\/strong><strong>, stellt also in der Tat ein Phantomproblem, worauf die       einzige Antwort \u2013 die <em>Kritik der Frage<\/em><\/strong><strong> selbst sein mu\u00df. <\/strong>[&#8230;]<strong> Nach meiner \u00dcberzeugung ist       die kritische Konjunktur einer neuen internationalen Arbeiterassoziation       noch nicht da; ich halte daher alle Arbeiterkongresse, resp.       Sozialistenkongresse, soweit sie nicht auf unmittelbare, gegebne Verh\u00e4ltnisse       in dieser oder jener bestimmten Nation beziehn, nicht nur f\u00fcr nutzlos, sondern       f\u00fcr sch\u00e4dlich. Sie werden stets verpuffen in unz\u00e4hlig wiedergek\u00e4uten       allgemeinen Banalit\u00e4ten.<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reaktionen auf die partei Marx aus dem Jahr 2002.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1178"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1178"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1178\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}