{"id":110,"date":"2006-05-28T19:55:31","date_gmt":"2006-05-28T17:55:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.parteimarx.org\/wordpress\/?p=110"},"modified":"2013-07-26T14:22:05","modified_gmt":"2013-07-26T12:22:05","slug":"zur-kritik-am-projekt-partei-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.parteimarx.org\/?p=110","title":{"rendered":"Zur Kritik* am Projekt partei Marx (Zusammenfassung)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>*<sup>) <\/sup>Django Schins:<sup> <\/sup><em>Determinismus zum ersten, zweiten, dritten und vierten&#8230;<br \/>\n<\/em><\/strong>Version 01<strong> <\/strong>(23.03.2004) <a href=\"mailto:Django.Schins@comlink.org\">Django.Schins@comlink.org<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=122\"><span style=\"font-variant:small-caps\">Kritik 1 Anhang 1<\/span><\/a> (Auf diese Textversion beziehen sich die Seitenangaben im Text).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/wp-content\/uploads\/2006\/05\/pM_0907_KRITIK_1_Zur_Kritik_am_Projekt_pM_pdf_doc1.pdf\">Dieser Artikel ist auch als PDF-Datei verf\u00fcgbar.<\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Vorbemerkung<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich in der Vergangenheit mehrfach von Django Schins aufgefordert worden bin, seine detaillierte Kritik an dem Projekt <em>partei Marx<\/em> (siehe: <span style=\"font-variant:small-caps\">Reaktionen<\/span> An <em>partei Marx<\/em>) konkret zu beantworten, ist dies nun in Gestalt meiner \u00fcberarbeiteten Exzerpte zu seinem Kritik-Papier [<a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=122\"><span style=\"font-variant:small-caps\">Kritik 1 Anhang 1<\/span><\/a>] geschehen. Der folgende Text ist eine Zusammenfassung meiner ausf\u00fchrlichen Antwort auf seine Kritik, die als PDF-Datei vorliegt [<a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=62\"><span style=\"font-variant:small-caps\">Kritik 1<\/span> Zur Kritik am Projekt <em>partei Marx<\/em><\/a>].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich auch gezeigt hat, da\u00df wir dieses Projekt von v\u00f6llig entgegengesetzten Ausgangspunkten aus beurteilen, sind die Bem\u00fchungen und der Mut des Kritikers auf jeden Fall zu begr\u00fc\u00dfen, sich damit in dieser Ausf\u00fchrlichkeit auseinandergesetzt und das mit wenigen Ausnahmen gro\u00dfe linke Beschweigen dieses Projekts durchbrochen zu haben. Deshalb ist meine polemische Antwort, wenn es auch den Anschein haben mag, nicht gegen seine Person gerichtet, sondern gilt der gesamten deutschen Linken, f\u00fcr die er mutig den Buckel hingehalten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Texte, die er kritisiert hat als Vorschl\u00e4ge und Entw\u00fcrfe zu einer in gang zu setzenden Debatte keinen Letztbegr\u00fcndungs-Charakter tragen, habe ich jedenfalls aus seiner Kritik f\u00fcr meine Arbeit an diesem Projekt eine Menge gelernt. Wie ich hoffe, wird er das in Hinblick auf unsere weitere Auseinandersetzung auch von sich sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-variant:small-caps\">Ernst-Ulrich Knaudt<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">1. Kapitalismus und Kapitalismus \u2013 oder die Jahrhundert-Frage nach dem revolution\u00e4ren Subjekt<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die Linke des 21. Jahrhunderts in Gestalt der \u2018Globalisierungskritiker\u2019 sich selbst zum revolution\u00e4ren Subjekt erkl\u00e4rt und damit ihre bis dahin auf das <em>Manifest der Kommunistischen Partei<\/em> (KM) bezogenen Koordinaten v\u00f6llig neu bestimmt hat, scheint ein Festhalten am Proletariat als revolution\u00e4rer Klasse vollkommen obsolet und vergleichsweise unsinnig geworden zu sein. Davor w\u00e4re es auch dem letzten Anarchisten nicht einmal im Traum eingefallen, wie abenteuerlich manch einer seiner revolution\u00e4ren Bockspr\u00fcnge \u00fcber \u2018das bestehende System\u2019 hinweg in des \u2018Reich der Freiheit\u2019 auch aussehen mochte, sich nicht letztlich auf diese Koordinaten zu beziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hat sich mit der Selbsterm\u00e4chtigung der \u2018Globalisierungskritiker\u2019 gegen<strong> \u00bbdas kapitalistische System als solches\u00ab <\/strong>und als Bewegung, die <strong>\u00bbvon ihrem Wesen her antikapitalistisch ist, weil sich ihre Werte und Ziele innerhalb dieser Gesellschaftsordnung nicht durchsetzen lassen\u00ab<\/strong> (zit. <strong><span style=\"font-variant:small-caps\">Kritik 1<\/span> An Django Schins: Zur Kritik am Projekt <em>partei Marx<\/em><\/strong>, Seite 4<em> = <\/em><strong>Antwort<\/strong>, 4), wie es in der Besprechung eines Buches von Alex Callinicos hei\u00dft, schlagartig ge\u00e4ndert. Und daher mutet es nicht weniger abenteuerlich und geradezu altersstarrsinnig an, wenn heutzutage jemand daher kommt und die Frage nach dem revolution\u00e4ren Subjekt immer noch bezogen auf das KM stellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch kommt unser Kritiker nicht umhin, seine Kritik am Projekt <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong>, die sich im wesentlichen auf den Eingangstext, worin dem \u2018westlichen\u2019 Proletariat ja durchaus keine revolution\u00e4ren Lobges\u00e4nge gesungen werden, beschr\u00e4nkt [<a href=\"http:\/\/www.parteimarx.org\/?p=4\"><span style=\"font-variant:small-caps\">Kommunismus<\/span> Ein Gespenst geht um in Europa!<\/a>] mit einem Zitat aus dem KM zu w\u00fcrzen, aber durch die hinzugef\u00fcgten Hervorhebungen zum Ausdruck zu bringen, da\u00df dieses Projekt <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> ein intellektuelles Hirngespinst sei, weil sich z.B. die Frage nach der Rolle und den Aufgaben der <strong>\u00bbKommunisten\u00ab <\/strong>im Klassenkampf historisch erledigt hat, obwohl der Abschnitt, aus dem dieses Zitat stammt, sich ausdr\u00fccklich um das Verh\u00e4ltnis der <strong>\u00bbKommunisten\u00ab<\/strong> zur <strong>\u00bbGesamtbewegung\u00ab <\/strong>dreht (zit. <strong>Antwort<\/strong>, 2). Dar\u00fcber kann der Kritiker aber nun hinwegsehen, weil sich die Kl\u00e4rung dieses Verh\u00e4ltnisses durch die Verschmelzung der Linken mit der <strong>\u00bbmultitude\u00ab<\/strong> (Negri\/Hardt) zu einem neuen revolution\u00e4ren Subjekt erledigt zu haben scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wirft die weitere Frage auf, wie der systemst\u00fcrzende \u2018Antikapitalismus\u2019 der \u2018Globalisierungskritiker\u2019 mit dem Abgesang der Linken auf das KM und das Proletariat zusammen pa\u00dft. Logisch zumindest nicht! Als Ausweg aus einem logischen Dilemma empfiehlt sich f\u00fcr gew\u00f6hnlich die Seitw\u00e4rtsbewegung, durch die vermieden wird, das Dilemma bei den \u2018H\u00f6rnern\u2019 zu packen. Ein solcher side-step scheint in der Forderung der \u2018Globalisierungskritiker\u2019 nach dem Austritt der \u2018antikapitalistischen\u2019 <strong>\u00bbmultitude\u00ab <\/strong>aus dem<strong> <\/strong>Kapitalismus und ihrem Eintritt in eine \u2018andere Welt\u2019, die \u2018m\u00f6glich ist\u2019, gemacht zu werden, eine L\u00f6sung, die gewisse \u00c4hnlichkeiten mit dem von dem r\u00f6mischen Historiker Livius erz\u00e4hlten Mythos von der <em>secessio<\/em> der r\u00f6mischen <em>multitudo<\/em> auf den <em>mons sacer <\/em>aufweist (Livius: <em>Ab Urbe Condita<\/em>, 2.32).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn die von Django Schins ins Auge gefa\u00dfte <strong>\u201eVielzahl dieser auf den individuellen Nutzen gerichteter<\/strong> <strong>EGOS\u201d <\/strong>mit<strong> <\/strong>besagter <strong>\u00bbmultitude\u00ab<\/strong> multipliziert wird, ergibt sich daraus das <strong>\u201egemeinschaftliche Interesse an allgemeiner Wohlfahrt, das den Sozialstaat tr\u00e4gt\u201d<\/strong> (<strong><span style=\"font-variant:small-caps\">Kritik 1 Anhang 1<\/span><\/strong>, Seite 3 = <strong>Anhang 1<\/strong>, 3) oder auch nichts anderes als der ins Hobbes-Englisch \u00fcbersetzte wohlbekannte \u00dcbergang der <strong>\u00bbMultitude so united in one Person\u00ab <\/strong>in den b\u00fcrgerlichen Staat,<strong> <\/strong>d.h.<strong> <\/strong>das<strong> \u00bbCOMMON-WEALTH, in latine CIVITAS\u00ab <\/strong>(zit. <strong>Antwort<\/strong>, 7).<strong> <\/strong>Bleibt noch kl\u00e4ren, was die beiden Staatsgr\u00fcndungen denn voneinander unterscheidet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen, da\u00df es sich bei unserer modernen <strong>\u201eSozialstaats\u201d<\/strong>-Interessengemeinschaft weder um Hobbesische Besitzb\u00fcrger, die durch ihren Verzicht auf das \u2018Recht auf alles\u2019 den bevollm\u00e4chtigten Souver\u00e4n mit der F\u00fchrung ihrer den Staat betreffenden Gesch\u00e4fte beauftragen noch um kleinb\u00e4uerliche Nachfolger der Plebejer in Menenius Agrippas Staatsorganismus-Gleichnis handelt, die sich durch ihren Auszug aus dem r\u00f6mischen Gemeinwesen vergeblich gegen ihre Einverleibung in das patriarchalische Klientelwesen zur Wehr setzen wollen; der Auszug der \u2018antikapitalistischen\u2019 <strong>\u00bbmultitude\u00ab <\/strong>aus dem Kapitalismus in die \u2018andere m\u00f6gliche Welt\u2019, in ihr <strong>\u00bbcounter-Empire\u00ab<\/strong> vollzieht sich viel eher nach der bekannten Kindergeschichte \u2018Oh, wie sch\u00f6n ist Panama\u2019.<strong> <\/strong>Denn w\u00e4hrend Menenuis Agrippa in seinem Gleichnis die \u2018Arme\u2019, d.h. die Plebeier, erfolgreich zur R\u00fcckkehr in die r\u00f6mische <strong>\u00bbCIVITAS\u00ab<\/strong> bewegen kann, indem er ihnen erkl\u00e4rt, da\u00df nicht nur sie den \u2018Magen\u2019 mit Nahrung zu f\u00fcllen haben, sondern der \u2018Magen\u2019 auch sie ern\u00e4hre, stellen genau umgekehrt beim geplanten Umzug der Linken aus dem Kapitalismus in den <strong>\u201eSozialstaat\u201d<\/strong> der \u2018Magen\u2019 die <strong>\u00bbmultitude\u00ab<\/strong> und die \u2018Arme\u2019 den sie beh\u00fctenden und besch\u00fctzenden <strong>\u201eSozialstaat\u201d<\/strong> dar, den die <strong>\u00bbmultitude\u00ab <\/strong>mit der f\u00fcrchterlichen Drohung zu schocken: falls dieser<strong> <\/strong>sich weigere, die bei Max Stirner ausgeliehenen <strong>\u201eEGO\u201d<\/strong>s zu ern\u00e4hren, sich der \u2018Magen\u2019 postwendend nach \u2018Panama\u2019 verpflanzen lassen werde, wodurch die \u2018Arme\u2019 des <strong>\u201eSozialstaats\u201d<\/strong> zur Dystrophie (Muskelschwund), zum Absterben verurteilt und dem deutschen Gemeinwesen Ver.di auf den Hals geschickt wird. Sozusagen der vorzeitige Tod des b\u00fcrgerlichen Staates lange vor dem Kommunismus! Womit wir wieder beim KM angelangt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df mit der <strong>\u201eVielzahl dieser auf den individuellen Nutzen gerichteter EGOS\u201d<\/strong> ein solcher auf dem <strong>\u201egemeinschaftlichen Interesse an allgemeiner Wohlfahrt\u201d <\/strong>begr\u00fcndeter (Sozial-) Staat durchaus m\u00f6glich ist (obgleich er wahrscheinlich eher die Reihe der \u2018failed states\u2019 um einen weiteren bereichern w\u00fcrde), soll an dieser Stelle nicht bestritten und auch nicht best\u00e4tigt werden; feststeht jedoch, da\u00df nach Einschmelzung des Proletariats in die linke <strong>\u00bbmultitude\u00ab <\/strong>auf diese etwa das zutr\u00e4fe, was Marx mit Sismondi \u00fcber den r\u00f6mischen Staat formuliert hat: da\u00df darin das <strong>\u00bbr\u00f6mische Proletariat auf Kosten der Gesellschaft <\/strong>(<strong>lebte<\/strong>)<strong>, w\u00e4hrend die moderne Gesellschaft auf Kosten des Proletariats lebt\u00ab <\/strong>(zit. <strong>Antwort<\/strong>, 8). In unserem Fall w\u00fcrden die Stirnerschen <strong>\u201eEGO\u201d<\/strong>s aber nicht nur <strong>\u00bbauf Kosten der Gesellschaft\u00ab<\/strong>, was noch zu verschmerzen w\u00e4re,<strong> <\/strong>sondern auch<strong> \u00bbauf Kosten des Proletariats\u00ab<\/strong> leben. Siehe den Aufmacher des <em>autonomen<\/em> Kulturkongresses <strong>\u201dIndeterminate! Kommunismus\u201d<\/strong> aus dem Jahre<strong> <\/strong>2003, in dem frustriert festgestellt wird: <strong>\u201e<em>The revolutionary subject you are calling is temporarily not available<\/em><\/strong><strong>\u201d<\/strong> (zit. <strong>Antwort<\/strong>, 39 und <strong><span style=\"font-variant:small-caps\">Reaktionen<\/span> An Django <\/strong>28.10.2003), womit das Proletariat zusammen mit der Bourgeoisie f\u00fcr alle durch den Kapitalismus entstehenden gesellschaftlichen Sch\u00e4den gemeinsam in Anspruch zu nehmen w\u00e4ren! Diese Auskunft \u00fcber die \u2018Verf\u00fcgbarkeit\u2019 des Proletariats, die die Linke nach ihrer jahrzehntelang vergeblich gebliebenen Anrufung desselben als revolution\u00e4res Subjekt nun zum Auflegen des Telefonh\u00f6rers gebracht hat, veranla\u00dft sie nicht etwa zur selbstkritischen Frage, warum selbiges Proletariat so wenig geneigt ist, seine gegen\u00fcber dem Kapital erzwungene \u2018Verf\u00fcgbarkeit\u2019 auch der Linken zuteil werden zu lassen, sondern zum endg\u00fcltigen \u2018Abschied vom Proletariat\u2019: was k\u00fcmmert uns unser proletarisches Geschw\u00e4tz von gestern! Sollen die Totengr\u00e4ber der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft selbst ihre Toten begraben! Ihre historischen Irrt\u00fcmer seien ihnen verziehen! So mu\u00df ihnen diese auch niemand mehr nachweisen und nachtragen! <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong>, welch ein Schmarrn!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daf\u00fcr werden sich die <strong>\u201eSozialstaats\u201d<\/strong>-Gr\u00fcnder in Zukunft gemeinsam mit der Bourgeoisie um das Problem k\u00fcmmern, wie <strong>\u201edie Kernstruktur der kapitalistischen Produktionsweise bzw. die ihr entspringende Verwertungslogik in ihren Wirkungen zivilisierend modifiziert, d.h. verhindert <\/strong>[wird]<strong>, da\u00df sich deren Logik ungehindert (barbarisch) entfalten kann\u201d <\/strong>(<strong>Anhang 1<\/strong>, 3). Und zwar durch einen R\u00fcckgriff auf den <strong>\u2018Rheinischen Kapitalismus\u2019<\/strong>, unter dessen \u2018Akkumulationsregime\u2019 <em>Lohnarbeit <\/em>und<em> Kapital<\/em> friedlich wie Wolf und Lamm \u2018antifaschistisch\u2019 miteinander koexistieren werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser paradiesische Zustand, das wissen auch die Verteidiger des <strong>\u201eSozialstaats\u201d<\/strong>,<strong> <\/strong>war<strong> <\/strong>aber<strong> <\/strong>nicht nur durch moralischen Druck auf die mit dem Faschismus kooperiert habende deutsche Bourgeoisie, sondern vor allem durch die von den Bajonetten der siegreichen Roten Armee ausgehenden \u00dcberzeugungsarbeit gegen\u00fcber derselben zustande gekommen. \u00c4hnliche Druckverh\u00e4ltnisse sollen heute von jenen <strong>\u201eGegenkr\u00e4ften\u201d<\/strong> ausgehen, die mit revolution\u00e4ren Staatsf\u00fchrern wie Hugo Ch\u00e1vez oder Evo Morales im R\u00fccken, als <strong>\u201e<\/strong><strong><em>re<\/em><\/strong><strong>form-re<em>vo<\/em><\/strong><strong>lution\u00e4r-<em>dia<\/em><\/strong><strong>lektische <em>K<\/em><\/strong><strong>lassenk\u00e4mpfer\u201d<\/strong> dem Kapitalismus (durch eine \u2018Revolution von oben\u2019) <strong>\u201e<\/strong><strong>den Garaus machen k\u00f6nnten\u201d<\/strong> (<strong>Anhang 1<\/strong>, 5). Das Dialektische an diesen revolution\u00e4ren <strong>\u201eKlassenk\u00e4mpfer<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong>\u201d<\/strong> ist, da\u00df sie als neues revolution\u00e4res <strong>\u201eSubjekt einer System transformierenden Strategie\u201d<\/strong> den Kapitalismus durch <strong>\u201eeine nur reformistisch-korrigierende Negation\u201d<\/strong> nicht einfach negieren, sondern den <strong>\u201eblo\u00dfen Reformismus in einer h\u00f6heren <\/strong>(<strong>tendenziell revolution\u00e4ren<\/strong>)<strong> Qualit\u00e4t des Allgemeininteresses\u201d<\/strong> aufheben werden (<strong>Anhang 1<\/strong>, 3). Die Gr\u00fcndung des <strong>\u201eSozialstaats\u201d<\/strong> w\u00e4re verbunden mit der Umwandlung dieser revolution\u00e4ren Dialektik in eine \u2018Zeitmaschine\u2019 zur Zur\u00fcckverpflanzung des <strong>\u2018Rheinischen Kapitalismus\u2019<\/strong> ins Deutschland von heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu mu\u00df die Bourgeoisie nur noch davon \u00fcberzeugt werden, da\u00df sie <strong>\u201eschon einige Zeit strategisch gegen ihr eigenes Existenzinteresse\u201d<\/strong> handelt, weil ihre <strong>\u201epolitische<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong> Erf\u00fcllungsgehilfen&#8230; eine Strategie der Profitmaximierung auf Teufel komm raus fahren, an einem \u2018sozialvertr\u00e4glichen Ausgleich\u2019 deshalb nicht mehr interessiert sind, und immer mehr gesellschaftliche Bereiche der Kapitalverwertung direkt unterwerfen\u201d <\/strong>und dabei meinen, <strong>\u201esich ohne DDR und mit schwachen Gewerkschaften alles erlauben\u201d<\/strong> zu k\u00f6nnen (<strong>Anhang 1<\/strong>, 5). Es geht also darum, <strong>\u201eden Klassenkompromi\u00df der Nachkriegszeit\u201d<\/strong>, den <strong>\u201edas Kapital aufgek\u00fcndigt\u201d<\/strong> hat, wiederherzustellen! Aber wem hat die deutsche Bourgeoisie diesen eigentlich aufgek\u00fcndigt: der Linken oder der deutschen Arbeiterklasse?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei einer derartigen \u00dcberzeugungsarbeit ist der Katastrophen-Kommunismus, wie er der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> von ihrem Kritiker unterstellt wird, nat\u00fcrlich besonders hinderlich und mu\u00df zum Schutz des neu zu gr\u00fcndenden <strong>\u201eSozialstaats\u201d <\/strong>vor solchen<strong> \u201eHasardeuren\u201d <\/strong>bewahrt und wie ein l\u00e4stiges Insekt abgestreift werden. Aber wo ist denn auf den Web-Seiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> an irgendeiner Stelle die These aufgestellt worden, da\u00df <strong>\u201edie <\/strong><strong>Millionen Nutznie\u00dfer des \u2018Sozialstaates\u2019 &#8230;statt f\u00fcr Reformen zu ihrem Nutzen zu k\u00e4mpfen, noch mehr darben, warten sollen, ehe sie zur Revolution schreiten d\u00fcrfen, nein, m\u00fcssen \u2013 weil dann durch reine Fundamentalopposition die Widerspr\u00fcche bis zur Katastrophe zugespitzt worden sind\u201d<\/strong>? (<strong>Anhang 1<\/strong>, 3 ff.) Wenn dies zutr\u00e4fe und die katastrophische Zuspitzung der Widerspr\u00fcche in Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht, tats\u00e4chlich nur mit Hilfe sogenannter <strong>\u201eHasardeure\u201d<\/strong> produziert w\u00fcrde, w\u00e4re die der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> unterstellte Katastrophen-Strategie in der Tat eine ziemliche anarchistische Dummheit, um es milde auszudr\u00fccken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Popanz, gegen den sich der Kritiker der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> zu profilieren hofft, ist Ausdruck des in der Linken grassierenden <em>politischen \u00d6konomismus<\/em>, der ihr zur Gewinnung der <strong>\u201ef\u00fcr den Sozialismus &#8230; <\/strong><strong>notwendigen Tr\u00e4ger und Subjekte, Mehrheiten <\/strong>[!]<strong>\u201d <\/strong>verhelfen, (<strong>Anhang 1<\/strong>, 4) d.h. f\u00fcr eine Gesellschaft instrumentalisieren soll, deren Baupl\u00e4ne nach den bekannten historischen Vorlagen und Mustern in ihren K\u00f6pfen vorgefertigt und jederzeit abrufbar aufbewahrt sind. Dagegen steht der <em>politische Klassenkampf<\/em>, der nach der Marxschen Strategie das Proletariat in die Lage versetzt, den Kampf gegen die Klasse der Bourgeoisie selbstt\u00e4tig und selbst\u00e4ndig zu f\u00fchren (<strong>Antwort<\/strong>, 10 ff.). Darin ist der <strong>\u201eSozialismus\u201d<\/strong>, f\u00fcr den der Kritiker der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> erst die <strong>\u201enotwendigen Tr\u00e4ger und Subjekte, Mehrheiten<\/strong> <strong>gewinnen\u201d<\/strong> zur Erreichung dieses fernen Ziels gewinnen will, bereits in die Arbeit der <strong>\u00bbRekonstruktion des Proletariats als revolution\u00e4re Klasse\u00ab <\/strong>und der<strong> \u00bbWiedererschaffung einer revolution\u00e4ren deutschen Arbeiterbewegung\u00ab <\/strong>(<strong><span style=\"font-variant:small-caps\">Kritik 1 Anhang 2<\/span> <\/strong>22) eingeschlossen, die im Gegensatz zur deutschen Linken nicht auf die \u00d6ffnung eines <strong>\u201eZeitfenster<\/strong>(<strong>s<\/strong>)<strong>\u201d<\/strong> hoffen mu\u00df, das <strong>\u201esich f\u00fcr jene Kr\u00e4fte\u201d<\/strong> \u00f6ffnen wird, <strong>\u201edie das \u00dcbel an der Wurzel packen, ausrei\u00dfen wollen und k\u00f6nnen\u201d <\/strong>und die,<strong> \u201eum es diesmal richtig zu machen, auch die besseren konkreten Alternativen anbieten m\u00fc\u00dften, nicht alleine den GROSSEN REVOLUTION\u00c4REN WURF. Mit dem man im besten Fall ganz alleine in Sch\u00f6nheit stirbt\u201d<\/strong> (<strong>Anhang 1<\/strong>, 6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kritik am <strong>\u201eGROSSEN REVOLUTION\u00c4REN WURF\u201d <\/strong>ist wohl eher an die Adresse der deutschen Linken in ihrem fr\u00fcheren Zustand gerichtet, die fr\u00fcher damit st\u00e4ndig herumgeprahlt hat. Anders als damals werden mit den <strong>\u201eKr\u00e4ften,<\/strong> <strong>&#8230;die das \u00dcbel an der Wurzel packen, ausrei\u00dfen wollen und k\u00f6nnen\u201d <\/strong>kleine Br\u00f6tchen gebacken, bei denen es sich selbstverst\u00e4ndlich nicht mehr um das auf den Webseiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> <strong>\u201eimaginierte revolution\u00e4re Proletariat als Klasse\u201d<\/strong>, sondern um <strong>\u201eMehrheiten (lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte, Arbeitslose, zivilgesellschaftliche Akteure)\u201d <\/strong>handelt, die das Kapital <strong>\u201ezivil und friedlich und ohne roten Terror in seine Schranken weisen\u201d<\/strong> k\u00f6nnen. Und damit sie das auch tun, werden ihnen die Segnungen des linken <strong>\u2018Sozialstaats\u2019<\/strong> als <strong>\u201edie besseren konkreten Alternativen\u201d <\/strong>angeboten. Auch hinter diesem Popanz steckt der bereits genannte <em>politische \u00d6konomismus<\/em>, mit Hilfe dessen parlamentarische <strong>\u201eMehrheiten\u201d<\/strong> gezimmert und der <strong>\u2018Sozialstaat\u2019<\/strong> der <strong>\u00bbmultitude\u00ab <\/strong>als<strong> <\/strong>Sozialismus in \u2018Panama\u2019 verkauft werden soll. Derartige Vorschl\u00e4ge werden, da hat unser Kritiker v\u00f6llig recht, schwerlich auf den Seiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> zu finden sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was lernen wir daraus? Sobald der gew\u00f6hnliche Antifaschist unter dem <span style=\"text-decoration: underline;\">Druck<\/span> der politischen Ereignisse die N\u00e4he unbesetzter Regierungssessel wittert, wird aus dem bisherigen Erretter der Menschheit der knallharte <span style=\"text-decoration: underline;\">Realist<\/span>, der nur noch den unmittelbaren Erfolg sucht und diesen auch notfalls gegen den eigenen Utopismus von gestern verteidigt. Um \u2018zielf\u00fchrend\u2019 zu handeln, lernt er sehr schnell, mit dem Realismus der zu Antifaschisten ernannten politischen Gegner seinerseits realistisch zu kalkulieren: <strong>\u201e\u2019Volksparteien\u2019 m\u00fcssen bestimmte R\u00fccksichten nehmen, weil sie gew\u00e4hlt werden wollen. Eigeninteresse versus nacktes Kapitalinteresse!\u201d <\/strong>(<strong>Anhang 1<\/strong>, 3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses <strong>\u201eEigeninteresse\u201d<\/strong> ist aber zum einen nichts anderes als eine Projektion des eigenen Zwiespalts, in den sich der Kritiker des vermeintlichen Katastrophen-Kommunismus der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> durch seinen \u2018Abschied vom Proletariat\u2019 selbst begeben hat und von dem es per Analogieschlu\u00df annimmt, da\u00df er auch auf seiten der <strong>\u2018Volksparteien\u2019<\/strong>, einschlie\u00dflich der b\u00fcrgerlichen Arbeiterparteien, zugunsten der <strong>\u201e<\/strong><strong>Millionen Nutznie\u00dfer des \u2018Sozialstaates\u2019\u201d<\/strong> (<strong>Anhang 1<\/strong>, 3) vorhanden sein m\u00fcsse. Aber anders als unser Kritiker glaubt betrachten diese Parteien ihre Stellung zueinander und zur b\u00fcrgerlichen Gesellschaft ausschlie\u00dflich unter dem Gesichtspunkt der Konkurrenz und der kollektiven Wahrung des <strong>\u201e<\/strong><strong>nackten Kapitalinteresses\u201d<\/strong> der deutschen Bourgeoisie (eine Bezeichnung \u00fcbrigens, die bemerkenswerter Weise bei unserem Kritiker nicht ein einziges Mal vorkommt!) gegen\u00fcber den Interessen des Proletariats (lassen wir hier einmal dahingestellt, woraus sich dieses als Klasse <em>an sich<\/em> im Zeitalter der \u2018Globalisierung\u2019 rekrutiert!). Die Ersetzung des Antagonismus von <em>Lohnarbeit und Kapital<\/em> in Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht, durch den Gegensatz einer r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten und einer reformbereiten Fraktion der Bourgeoisie, ergibt sich unmittelbar aus der Liquidierung des laut KM bestehenden weltrevolution\u00e4ren Charakters des Proletariats Klasse gegen\u00fcber der Bourgeoisie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder wie es in der Kritik am Projekt <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> abschlie\u00dfend hei\u00dft:<strong> \u201e<\/strong><strong>Also: Die Bewegung dieses (inner\u00f6konomischen) Widerspruches zwischen dem Interesse der Einzelkapitale und dem des Gesamtkapitals (und erst recht dem der Gesellschaft als Ganzes) produziert Gegenkr\u00e4fte (auch staatliche: Venezuela, Bolivien) \u2013 und dies <em>weltweit<\/em><\/strong><strong> \u2013 in einem (f\u00fcr mich jetzt schon) unerwarteten Ausma\u00df, die durch politische Interventionen im Interesse der Mehrheit, den wild gewordenen Kapitalismus wieder an die Leine legen k\u00f6nnen. Staatliche Interventionspolitik <em>kann<\/em><\/strong><strong> diesen Widerspruch regulieren \u2013 wie historisch bewiesen! \u2013 ohne ihn jemals zu l\u00f6sen\u201d <\/strong>(<strong>Anhang 1<\/strong>, 6). Das mag sein; nur stellt sich die Frage, ob diese angeblichen <strong>\u201eGegenkr\u00e4fte\u201d<\/strong> und die von ihren <strong>\u201eMehrheiten\u201d<\/strong> in die Parlamente gesp\u00fclte neue Bourgeoisie die <strong>\u201eLeine\u201d<\/strong>, an die sie den Kapitalismus legen wollen, nach Ausf\u00fchrung ihrer <strong>\u201epolitische<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong> Intervention\u201d <\/strong>auch wieder loslassen werden, wenn das von ihnen zum <strong>\u201egeschichtlichen Aposteriori\u201d<\/strong> (<strong>Anhang 1<\/strong>, 15) zwischenzeitlich degradierte Proletariat vorhaben sollte, sich wieder in den Besitz seiner vom Kapital enteigneten Produktionsbedingungen zu bringen. Dies h\u00e4tte unser Kritiker der Vollst\u00e4ndigkeit halber noch hinzuf\u00fcgen sollen; denn bekanntlich lassen manche<strong> \u201eGegenkr\u00e4fte\u201d<\/strong>, wenn sie sich als Betreiber <strong>\u201estaatliche<\/strong>(<strong>r<\/strong>)<strong> Interventionspolitik\u201d<\/strong> zur B\u00e4ndigung des <strong>\u201ewild gewordenen Kapitalismus\u201d<\/strong> erst einmal etabliert und ihn an die Leine genommen zu haben meinen, diese <strong>\u201e \u2013 wie historisch bewiesen! \u2013\u201d <\/strong>nur unter \u00e4u\u00dferstem (revolution\u00e4ren) Zwang wieder los (siehe; Berlin, Posen, Budapest in den <em>Golden Fifties<\/em>!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gro\u00dfe Dilemma, da\u00df die damaligen haupts\u00e4chlich proletarisch gepr\u00e4gten <strong>\u201eGegenkr\u00e4fte\u201d<\/strong> in ihrem Kampf gegen die neue Bourgeoisie nicht in der Lage waren, sich von der alten freizumachen, wiederholt sich als Farce bei den proletarisierten oder sich gerade proletarisierenden <strong>\u201eGegenkr\u00e4ften\u201d<\/strong> von heute in ihren symbolischen Widerstandsaktionen gegen die alte Bourgeoisie, die von der neuen Bourgeoisie, die darauf aus ist, ihre \u2018alten K\u00f6nigreiche\u2019 zur\u00fcckzuerobern, politisch dominiert werden; dieses Dilemma l\u00e4\u00dft sich durch die von unserem Kritiker bem\u00fchte abstrakte Entgegensetzung von Reform <span style=\"text-decoration: underline;\">oder<\/span> Revolution nicht aus der Welt schaffen, sondern wird nur st\u00e4ndig von neuem best\u00e4tigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wirklichkeit stehen sich hier mit den linken <strong>\u201eGegenkr\u00e4fte<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong>\u201d <\/strong>als neuem revolution\u00e4rem Subjekt einerseits und dem von der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> auf ihren Seiten <strong>\u201eimaginierte<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong> revolution\u00e4re<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong> Proletariat als Klasse\u201d <\/strong>(<strong>Anhang 1<\/strong>, 7) andererseits zwei einander ausschlie\u00dfende gesellschaftsver\u00e4ndernde Konzepte unvermittelt gegen\u00fcber, worin es jeweils nicht um Reform <span style=\"text-decoration: underline;\">oder<\/span> Revolution, sondern Reform <span style=\"text-decoration: underline;\">und<\/span> Revolution geht. Der Unterschied besteht aber nicht nur in einer verschiedenen Reihenfolge, sondern darin, was in beiden Konzepten jeweils unter Reform und Revolution verstanden wird. Da aber ein Streit mit welcher Bourgeoisie auch immer dar\u00fcber, da\u00df durch ihre Reformpolitik die Revolution verhindert werde (ein beliebter Vorwurf der radikalen Linken an die Adresse der alten Bourgeoisie und die ihr dienenden b\u00fcrgerlichen Arbeiterparteien), m\u00fc\u00dfig, weil an die falsche Adresse gerichtet, ist, kann sich dieser nur um den Nachweis drehen, da\u00df die Reformen der neuen Bourgeoisie, weil sie allein der R\u00fcckeroberung ihrer Alleinherrschaft dienen, eine Farce sind, im Extremfall eine Revolutions-Kom\u00f6die, die .die alte Gesellschaft nicht in Richtung Revolution, sondern einer wie auch immer revolution\u00e4r daherkommenden Reaktion vorantreibt. Das lie\u00dfe sich an jeder der von der Linken inspirierten Reformen nach dem Goetheschen Motto: \u2018Vernunft wird Unsinn, Wohlstand Plage&#8230;\u2019 nachweisen, wof\u00fcr hier weder Platz noch Gelegenheit ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und daran wird sich auch nichts \u00e4ndern, solange die Karikaturen der Diktatur des Proletariats, ob als <strong>\u201eroter Terror\u201d<\/strong> oder Pol-Pot-Gegrusel, ausschlie\u00dflich von der (alten und neuen) Bourgeoisie historisch verwaltet werden und die Linke mit Karl Kautsky der Ansicht ist, da\u00df mit der zunehmenden Entfaltung der Produktivkr\u00e4fte und Zivilisierung der Arbeiterklasse derartige , wie es im Programm der DKP euphemistisch hei\u00dft, \u2018Fehlentwicklungen\u2019 von selbst verschwinden werden; solange also dieser negative Erfahrungsschatz nicht in das von der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> so inbr\u00fcnstig <strong>\u201eimaginierte revolution\u00e4re Proletariat als Klasse\u201d <\/strong>eingegangen ist, wird sein Klassenbewu\u00dftsein ein wei\u00dfes Blatt Papier bleiben, worauf die alte und die neue Bourgeoisie ihre Sittengem\u00e4lde vom barbarischen oder paradiesischen Kommunismus je nach Gusto abbilden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">2. \u00dcber Glaube, Liebe Hoffnung und den Kommunismus<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Anbetracht dessen handelt es sich bei der von unserem Kritiker auf den Seiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> und in unserer Korrespondenz entdeckten Frage, ob <strong>\u201ed<\/strong><strong>er Sozialismus\/Kommunismus <em>zwangsl\u00e4ufig <\/em><\/strong>(<strong><span style=\"font-variant:small-caps\">Reaktionen<\/span> An Django<\/strong> 10.01.2002)<strong>, also mit Notwendigkeit im Sinne eines ehernen historischen Gesetzes kommen wird\u201d<\/strong> oder nicht, um ein schlichtes Scheinproblem, das durch die im KM entwickelte Methodik, wonach die L\u00f6sung der Eigentumsfrage bereits in ihrer Bestimmung als historische Frage enthalten ist, sich erledigt hat. (<strong>\u00bbDie Abschaffung bisheriger Eigentumsverh\u00e4ltnisse ist nichts den Kommunismus eigent\u00fcmlich Bezeichnendes&#8230;\u00ab<\/strong>; zit. <strong>Antwort<\/strong>, 2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn daher auf den Seiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> und in unserer Korrespondenz die <strong>\u00bb<\/strong><strong>Abschaffung bisheriger Eigentumsverh\u00e4ltnisse\u00ab<\/strong> als etwas <span style=\"text-decoration: underline;\">nur<\/span> <strong>\u00bbden<\/strong> <strong>Kommunismus eigent\u00fcmlich Bezeichnendes\u00ab <\/strong>erkl\u00e4rt worden w\u00e4re, w\u00e4re dies auch zu Recht zu kritisieren. Allerdings scheint sich auch der Kritiker \u00e4hnliche Probleme mit seiner Prophetie eingehandelt zu haben, in der er den Kommunismus zu einer Frage der Demokratie macht, d.h. der <strong>\u201enur dann kommen wird, &#8230;<\/strong><strong> wenn hinreichend viele Menschen ihn <em>wollen<\/em><\/strong><strong>\u201d<\/strong> (<strong>Anhang 1<\/strong>, 7). Das ist aber gar nicht die entscheidende Frage, sondern wie gesagt die <strong>\u00bb<\/strong><strong>Abschaffung bisheriger Eigentumsverh\u00e4ltnisse\u00ab<\/strong> als Lokomotive der Geschichte. Und diese k\u00f6nnen in unserem Fall nur von denjenigen abgeschafft werden, die damit unmittelbar praktisch was zu tun haben, was dadurch nicht mehr ausschlie\u00dflich eine Frage der Demokratie ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der <strong>\u00bb<\/strong><strong>Abschaffung bisheriger Eigentumsverh\u00e4ltnisse\u00ab <\/strong>durch den Kommunismus<strong> <\/strong>h\u00e4ngt wiederum die Frage der gemeinschaftlichen Produktion, d.h. des Privateigentums oder des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln und die des praktischen Scheiterns aller <strong>\u201ebisherigen Ans\u00e4tze \u00bbgemeinschaftlicher Produktion\u00ab\u201d <\/strong>zusammen, die aber nicht, wie unser Kritiker meint, <strong>\u201ean ihrer \u00f6konomischen Ineffizienz\u201d<\/strong> (<strong>Anhang 1<\/strong>, 9), sondern an der bisher zu geringen Entfaltung der Widerspr\u00fcche der kapitalistischen Produktionsweise gescheitert sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemessen daran ist der Einwand wenig \u00fcberzeugend: <strong>\u201eIch sehe hier freundlicherweise davon ab, da\u00df eine wirklich gemeinschaftliche Produktion schlichtweg unvorstellbar ist, also, gelinde gesagt, schon auf erhebliche theoretische Schwierigkeiten st\u00f6\u00dft: Wie soll man sich z.B. vorstellen, da\u00df alle Mitglieder einer Gesellschaft (ihre) allgemeine Produktion kontrollieren, also jeder beliebige Arbeiter oder jedes beliebige Arbeitskollektiv Informationen und Einflu\u00df auf jede andere Produktion hat?\u201d <\/strong>(<strong>Anhang 1<\/strong>, Anmerkung 27) Wenn unser Kritiker schon die M\u00f6glichkeit einer <strong>\u201ewirklich gemeinschaftliche<\/strong>(<strong>n<\/strong>)<strong> Produktion\u201d<\/strong> auf ihre rein technischen Bedingungen beschr\u00e4nkt diskutiert, verwundert es schon, wie er den gewaltigen Entwicklungsschub, der in den letzten Jahrzehnten in der Informationstechnologie eingetreten ist, so vollst\u00e4ndig ignorieren kann. Kann er sich nicht vorstellen, da\u00df unter derartigen Voraussetzungen die in den archaischen Gesellschaften herrschende <span style=\"text-decoration: underline;\">nat\u00fcrliche<\/span> Arbeitsteilung, deren bruchlose Fortf\u00fchrung, wie sich st\u00e4ndig von neuem zeigt, nur eine weitere Abart des Faschismus erzeugt, durch eine <span style=\"text-decoration: underline;\">bewu\u00dfte<\/span> Arbeitsteilung zwischen den Produzenten, die sich ihre Produktionsbedingungen als gesellschaftliche wiederaneignen, aufgehoben werden k\u00f6nnte? Wahrscheinlich hat das unverarbeitete Scheitern des \u2018realen Sozialismus\u2019 bei ihm so tiefe Spuren hinterlassen, da\u00df er sich Sozialismus anders als in seiner asiatischen Form und der damit verbundenen orientalischen Despotie nicht vorstellen kann und er aus diesem Grund jede Form der gemeinschaftlichen Produktion von vornherein ablehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um so bedauerlicher ist es, da\u00df der Kritiker mit diesem Popanz kritisch bewaffnet, auf den Kommunismus der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> eindrischt und diesen als reinen Erl\u00f6sungsglauben (Eschatologie) zu entlarven sucht (<strong>Antwort<\/strong>, 35 ff.). Dabei bedient er sich eines langen Zitats aus Friedrich Engels\u2019 <em>Anti-D\u00fchring<\/em> (zit. <strong>Anhang 1<\/strong>, 11), allerdings nur, soweit darin die Geschichte der Religionen behandelt wird, ohne die Pointe der Engelsschen Kritik an den unbegriffenen M\u00e4chten der modernen Gesellschaft, die nur durch eine <strong>\u00bbeine gesellschaftliche <em>Tat<\/em><\/strong><strong>\u00ab <\/strong>\u00fcberwunden werden k\u00f6nnen, in sein Zitat aufzunehmen. Das verwundert doch sehr, bei all der Praxisorientiertheit, die der Kritiker bis dahin gegen die angebliche Theorielastigkeit der Kommunismus-Vorstellungen der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> ins Feld gef\u00fchrt hat. Sein auch in diesem Zusammenhang wiederholter <strong>\u201eDeterminismus\u201d<\/strong>-Vorwurf wird hieran gemessen noch um einiges fragw\u00fcrdiger.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">3. The meaning of the eating is the pudding?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher bietet es sich an, den Praxis-Begriff unseres Kritikers, den er erkl\u00e4rterma\u00dfen von W.F. Haug bezieht (<strong>\u201eIch sehe das wie Haug\u201d<\/strong>), genauer unter die Lupe zu nehmen, weil er davon die <strong>\u201ekontemplative Grundstruktur des Denkens\u201d<\/strong>, die<strong> <\/strong>dem Projekt der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> zugrunde liegen soll, ableitet (<strong>Anhang 1<\/strong>, 17 und Anmerkung 49).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn er sich seines theoretischen Gew\u00e4hrsmanns nicht dogmatisch, sondern kritisch bedienen w\u00fcrde, h\u00e4tte unserem Kritiker eigentlich auffallen m\u00fcssen, da\u00df der in der Ersten <em>Feuerbach-These<\/em> von Marx kritisierte <strong>\u00bbHauptmangel alles bisherigen Materialismus\u00ab <\/strong>auf die im Titel des Aufsatzes von W.F. Haug angek\u00fcndigte <strong>\u201ematerialistische Erkenntnistheorie\u201d<\/strong> kaum weniger zutrifft, weil darin auch der <strong>\u00bbGegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des <em>Objekts oder der Anschauung<\/em><\/strong><strong>\u00ab <\/strong>gefa\u00dft wird, <strong>\u00bbnicht aber als <em>sinnlich menschliche T\u00e4tigkeit<\/em><\/strong><strong>, <em>Praxis<\/em><\/strong><strong>; nicht subjektiv\u00ab <\/strong>(zit. <strong>Antwort<\/strong>, 49). Eine solche als Sinnlichkeit, Subjektivit\u00e4t, menschliche T\u00e4tigkeit bestimmte Praxis kann aber nicht stattfinden, solange der <strong>\u00bbGegenstand &#8230;unter der Form des Objekts&#8230; gefa\u00dft wird\u00ab<\/strong>, wie sehr auch, besonders in der Kritik am Idealismus,<strong> <\/strong>dieses Verh\u00e4ltnis<strong> <\/strong>unter dem<strong> \u201eGesichtspunkt des Lebens, der Praxis\u201d <\/strong>als der <strong>\u201eerste und grundlegende Gesichtspunkt der Erkenntnistheorie\u201d <\/strong>betont werden mag (zit. <strong>Antwort<\/strong>, 67). Eine solche ausschlie\u00dflich objektbezogene Praxis bleibt, weil sie diesen nur <strong>\u00bbunter der Form des <em>Objekts oder der Anschauung<\/em><\/strong><strong>\u00ab <\/strong>begreift, in der rein <strong>\u201ekontemplative(n)\u201d <\/strong>Aneignung des Gegenstandes und jener <strong>\u201ekontemplativen Grundstruktur des Denkens\u201d<\/strong> (<strong>Anhang<\/strong> 1, 17) befangen, die unser Kritiker dem Projekt <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> grunds\u00e4tzlich unterstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Folgen, die dieser subjekt- und letztlich auch geschichtslose Praxis-Begriff gezeitigt hat, ber\u00fchren alle Seiten des \u2018realen Sozialismus\u2019, den Haug in diesem Aufsatz von seiner subjektivistischen Willk\u00fcr und seinem mechanischen Materialismus befreien will. Gemessen an den <em>Feuerbach-Thesen<\/em> mu\u00df dieser Reformversuch jedoch scheitern (siehe im einzelnen: <strong>Antwort<\/strong>, 48 Exkurs).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von aktueller Bedeutung sind die Auswirkungen dieses Praxis-Begriffs auf das Verh\u00e4ltnis von Theorie und Praxis, das W.F. Haug als Problem der <strong>\u201e<em>besondere<\/em><\/strong><em>(<strong>n<\/strong><\/em><em>)<strong> Stellung der Kopfarbeiter<\/strong><\/em><strong> im gesellschaftlichen System der Teilung der Arbeit\u201d <\/strong>auf dem <strong>\u201eFeld des <em>ideologischen Klassenkampfes<\/em>\u201d <\/strong>bestimmt (zit. <strong>Antwort<\/strong>, 52). Haug geht von der Annahme aus, da\u00df der real-sozialistische <strong>\u201e<em>Kopfarbeiter<\/em><\/strong><strong>\u201d<\/strong>, weil er sich dem \u2018realen Sozialismus\u2019 zur Verf\u00fcgung gestellt hat, verglichen mit dem kapitalistischen <strong>\u201e<em>Kopfarbeiter<\/em><\/strong><strong>\u201d<\/strong> aus dem Schneider sei, weil er im Gegensatz zu seinem westlichen Kollegen dem Proletariat als dem \u2018politisch korrekten\u2019 Arbeitgeber dient und, obwohl Kritik eigentlich sein Beruf ist, sein neues \u2018Arbeitsverh\u00e4ltnis\u2019 davon nicht ber\u00fchrt wird. Dabei ist es gerade diese Berufskrankheit, die Marx am rein theoretischen Materialismus in der Ersten <em>Feuerbach-These<\/em> kritisiert: <strong>\u00bbFeuerbach will sinnliche \u2013 von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedne Objekte: aber er fa\u00dft die menschliche T\u00e4tigkeit selbst nicht als gegenst\u00e4ndliche T\u00e4tigkeit. Er betrachtet daher im \u2018Wesen des Christentums\u2019 nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, w\u00e4hrend die Praxis nur in ihrer schmutzig j\u00fcdischen Erscheinungsform gefa\u00dft und fixiert wird\u00ab <\/strong>(zit.<strong> Antwort<\/strong>, 51). Daraus zieht Marx eine f\u00fcr diesen rein materialistischen Praxis-Begriff t\u00f6dliche Schlu\u00dffolgerung: <strong>\u00bbEr <\/strong>[Feuerbach]<strong> begreift daher nicht die Bedeutung der \u2018revolution\u00e4ren\u2019, der \u2018praktisch kritischen\u2019 T\u00e4tigkeit.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hei\u00dft das? Wenn der Kritiker seine kritische T\u00e4tigkeit nur als theoretische Arbeit f\u00fcr einen besseren \u2018Arbeitgeber\u2019 (\u2018besser\u2019, weil dieser, wie er vermutet, die Zukunft der Menschheit repr\u00e4sentiert) bestimmt, bleibt er ein <strong>\u201e<em>Kopfarbeiter<\/em><\/strong><strong>\u201d<\/strong>, der seine theoretische Arbeit heute dieser und morgen jener herrschenden Klasse zur Verf\u00fcgung stellt; d.h. der Konflikt, in den sich jeder <strong>\u201e<em>Kopfarbeiter<\/em><\/strong><strong>\u201d <\/strong>mit seiner theoretischen Arbeit begibt, wird auch durch das revolution\u00e4re Proletariat als neuer Arbeitgeber nicht beseitigt, solange der <strong>\u201e<em>Kopfarbeiter<\/em><\/strong><strong>\u201d<\/strong> nicht die <strong>\u00bbBedeutung\u00ab <\/strong>seiner kritischen T\u00e4tigkeit als <strong>\u00bb\u2018revolution\u00e4re\u2019, &#8230;\u2018praktisch kritische\u2019 T\u00e4tigkeit\u00ab <\/strong>begreift, worin der f\u00fcr ihn unl\u00f6sbar erscheinende Konflikt <span style=\"text-decoration: underline;\">praktisch<\/span> aufgehoben ist. Diese Praxis ist es, die W.F. Haug und mit ihm unser Kritiker nicht akzeptieren. Da\u00df dieser Praxis-Begriff auch Auswirkungen auf Haugs Interpretation der Marxschen Werttheorie hat, worin die Spaltung der Ware in Gebrauchswert und Wert und der produktiven menschlichen T\u00e4tigkeit in konkrete und abstrakt menschliche Arbeit nicht vorkommen, sei hier nur am Rande vermerkt (<strong>Antwort<\/strong>, 55 ff.), von der vollkommen willk\u00fcrlichen Ableitung der Widerspiegelungstheorie aus dem ber\u00fchmten Fetisch-Kapitel im <em>Kapital<\/em> einmal ganz abgesehen (<strong>Antwort<\/strong>, 59).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W.F. Haugs <strong>\u201ematerialistische Erkenntnistheorie\u201d<\/strong> landet damit zwangsl\u00e4ufig bei einem kruden Realismus, der letztlich in der bekannten Devise \u2018der Zweck heiligt die Mittel\u2019 gipfeln mu\u00df: <strong>\u201eIndem es in der menschlichen Praxis um die objektive Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse geht, gehen mu\u00df, zielt sie ebenso notwendig auf die Entsubjektivierung der Erkenntnis. Wir haben es n\u00f6tig, weil wir von subjektiven Vorstellungen nicht leben und mit ihren rein subjektiv konstituierten Phantasierezepten nicht leben k\u00f6nnen\u201d <\/strong>(Zit. <strong>Antwort<\/strong>, 65), ein Realismus, dessen sich auch unser Kritiker ausreichend bedient, der sich zu der absurden Tautologie versteigt: <strong>\u201e<\/strong><strong>Marx definiert hier Marxismus radikal als Realismus!\u201d<\/strong> (<strong>Anhang 1<\/strong>, 20). Solche auf diese Weise entsubjektivierte angeblich dialektisch-materialistische Erkenntnistheorie hat sich damit auch von jeder menschheitsbefreienden revolution\u00e4ren Perspektive verabschiedet und l\u00e4uft Gefahr, zur Legitimationswissenschaft der Reaktion, in welcher politischen Gestalt diese auch immer auftritt, zu verkommen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Und wie weiter?<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von diesem Befund ausgehend, f\u00e4llt es mir schwer, diese Kritik an dem Projekt <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> ernsthaft zu erwidern, zumal diese zunehmend psychologisierend daraufhin zugespitzt wird, da\u00df das Betreiben eines solchen Projekts einen pathologischen Fall von Gr\u00f6\u00dfenwahn darstelle, wovor der Kritiker in der scheinbar \u00fcberlegenen Position des radikal realistischen \u2018Marxisten\u2019 den Betreiber dieses Projekts f\u00fcrsorglich warnen m\u00f6chte (<strong>\u201e<\/strong><strong>Hast Du Dich da auf einen Stuhl gesetzt, ohne dessen Tragf\u00e4higkeit zu pr\u00fcfen?\u201d<\/strong>)<strong> <\/strong>(<strong>Anhang 1<\/strong>, 22). Diese p\u00e4dagogisch sicherlich freundlich gemeinte F\u00fcrsorglichkeit erinnert sehr stark an entsprechende Verfahrensweisen aus der Breshnew-\u00c4ra, als der \u2018Marxismus\u2019 noch <em>ex cathetra<\/em> des Politb\u00fcros als Unfehlbarkeitsdogma verk\u00fcndet werden konnte und Kritiker, die es tats\u00e4chlich wagten, eine Differenz zwischen der staatlich verwalteten Theorie und der gesellschaftlichen Praxis gegen\u00fcber deren amtlichen Verk\u00fcndern anzumahnen, wegen ihrer anma\u00dfenden Winzigkeit auf ihre schlichte Unbedeutendheit administrativ zur\u00fcckgestutzt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darin steckt nichts anderes als der von Friedrich Engels in seinen schlechtesten Tr\u00e4umen vorausgeahnte<strong> \u00bbpreu\u00dfischer Sozialismus\u00ab<\/strong> in R(h)einkultur! Auf dieser Grundlage schrumpfen die angeblichen Unterschiede zwischen dem von der DKP hochgehaltenen Sozialismus Breshnewscher Provenienz und den kritisch davon Abstand halten wollenden <em>Demokratischen Sozialisten<\/em> weitgehend zusammen. Wahrscheinlich hat es eine solche auch nie ernsthaft gegeben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um eine Kritik in der <span style=\"text-decoration: underline;\">Sache<\/span> handelt es sich hierbei jedenfalls nicht mehr, eine Kritik, worin u.a. die Frage zu ergr\u00fcnden w\u00e4re, wie es denn zu dieser von Engels bei einem Katheder-Sozialisten wie D\u00fchring bereits feststellten und dann wirklich eingetretenen Verpreu\u00dfung des Sozialismus, nicht allein in Deutschland, hat kommen k\u00f6nnen. Fragen, die sich Marxismus-P\u00e4pste nicht stellen lassen, ohne daraufhin \u2018pers\u00f6nlich\u2019 zu werden und sich schon gar nicht von irgendwelchen Niemanden stellen lassen, ohne laut \u00f6ffentlich an deren Geisteszustand zu zweifeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzukommt, da\u00df die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland \u00fcber das auf den Seiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> halluzinierte <strong>\u201e<\/strong><strong>revolution\u00e4re Proletariat \u2013 als blutleere Kopfgeburt des idealistischen Philosophen \u2013 &#8230; eine logische Klasse, die das Wahre, Gute und Sch\u00f6ne an und f\u00fcr sich, schlechthin, verk\u00f6rpert\u201d <\/strong>(<strong>Anhang 1<\/strong>, 20), l\u00e4ngst hinweggegangen zu sein scheint, seitdem die deutsche Linke in Zusammenarbeit mit der b\u00fcrgerlichen Massenpresse und philanthropischen Fernseh-Moderator_innen einen Stellvertreter des Proletariats auf Erden in der Gestalt des \u2018Prekariats\u2019 gefunden hat, der wahlkampftechnisch betrachtet alle Vorz\u00fcge einer \u2018Unterklasse\u2019 aufweist, ohne selbst noch als <span style=\"text-decoration: underline;\">Klasse<\/span> gegen\u00fcber der Bourgeoisie in Erscheinung zu treten, sondern nur als \u2019Einzelschicksal\u2019 gegen\u00fcber der modernen \u2018Armenpflege\u2019, wozu sich der Solidarfonds der staatlich verwalteten Arbeitslosenversicherung zunehmend verwandelt hat. (Welches \u2018Einzel-Schicksal\u2019 bei\u00dft die Hand, von der es gef\u00fcttert wird?) Zweifellos geh\u00f6rt das Aufkommen der \u2018Massenarmut\u2019 zu den klassischen Syndromen, die mit der zunehmenden Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Produktionsweise einhergehen. Da\u00df aber das von ihr inthronisierte Stellvertreter-Proletariat, das seiner gesellschaftlichen Stellung nach selbst nicht in der Lage ist, als revolution\u00e4re Klasse zu handeln, von der Massenpresse als revolution\u00e4res Gespenst aufgeblasen und unter t\u00e4tiger linker Mithilfe publizistisch aufgesch\u00e4umt wird, bildet einen weiteren Meilenstein bei der Verwandlung der Linken in eine Wahlkampfmaschine und auf dem Wege ihrer politischen <strong>\u201eTranszendenz\u201d<\/strong> in die \u2018andere m\u00f6gliche Welt\u2019. Wobei noch nicht ausgemacht ist, welche Bourgeoisie dann dabei mit von der Partie sein wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So bleibt die auf den Eingangseiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> ge\u00e4u\u00dferte Feststellung, da\u00df sich <strong>\u00bbdie Totengr\u00e4ber &#8230;des Kapitalismus in seinen Hochburgen &#8230;im Streik\u00ab<\/strong> befinden, wovon die in isolierten symbolischen Aktionen vorgetragenen Leistungsmehrforderungen des \u2018Prekariats\u2019 diese am allerwenigsten abbringen werden, nicht nur unver\u00e4ndert bestehen, sondern ist unter diesem neuen Gesichtspunkt erst wirklich wahr geworden. Auch hat sich an der gegen das Projekt vorgetragenen <strong>\u201erealistischen\u201d<\/strong> Kritik, gezeigt, da\u00df hinter der von der deutschen Linken politisch vorgeschobenen Demokratie der \u2018Reale Sozialismus\u2019 als nach wie vor unverzichtbare Grundlage an allen Ecken und Enden hervorschaut. Hinzugekommen ist auch, da\u00df alle die, die Marx beim Wort nehmend und ausgehend von ihrem radikalen Verst\u00e4ndnis der Marxschen Theorie diese Grundlage aus historischer Erfahrung <span style=\"text-decoration: underline;\">praktisch<\/span> infrage gestellt sehen, vom schwer bewachten, wenn auch momentan kaum genutzten Territorium des \u2018Realen Sozialismus\u2019 aus erbarmungslos bek\u00e4mpft werden, Angriffe gegen die pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t eingeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekanntlich kann aus einem Funken ein Steppenbrand entstehen. Auf welcher Seite sich dann jene Kritiker und die auf den Seiten der <strong><em>partei Marx<\/em><\/strong> Kritisierten wiederfinden, l\u00e4\u00dft sich von heute aus betrachtet, weil unter dem Schleier des Nichtwissens verborgen, zum Gl\u00fcck nur erahnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Zur Kritik am Projekt partei Marx<\/b><br \/> <br \/>\nEine inhaltliche Zusammenfassung der Widerlegung (s.o.) der Kritik von Django Schins am Projekt partei Marx.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.parteimarx.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}