Kommunismus 

Ein Gespenst geht um in Europa!

… Aber der Kommunismus des XX. Jahrhunderts ist zum Gespenst seiner selbst geworden und was mit ihm seither umgeht, ist einzig sein notorisch schlechter Ruf bei den Proletariern aller Länder.

Der Kapitalismus, zerfressen von seinen inneren Widersprüchen, steht erneut vor einer Menschheitskatastrophe, aber die Totengräber in seinen Hochburgen, die diese verhindern könnten, befinden sich im Streik.

An ihrer Stelle drückt der proletarisierte under dog seinen Protest gegen das regierende linke bürgerliche Establishment in Wählerstimmen für populistische Seelenfänger aus, während von der ‚Peripherie‘ her das panislamistische Mittelalter mit einer tiefreaktionären Kulturrevolution seinen ‚Antikapitalismus‘ als Kampf gegen die ‚westliche Zivilisation‘ zum ‚heiligen‘ Endsieg führen will.

Zwischen diesen beiden Stühlen sitzt das (noch) außerparlamentarische linke Krisenmanagement in Gestalt der „Globalisierungsgegner“, das auf seine Weise den Tagungskalender des offiziellen Weltkrisenmanagements abarbeitet, indem es, wie ein Versicherungsvertreter von Tagung zu Tagung ihm auf den Fersen hängend, dieses laut protestierend zu einer vernünftigen Regulierung des Elends auf dieser Welt zu überreden hofft, bis es diese, in den Stürmen der Protestbewegung zu Parlamentariern geläutert, als neue Krisenmanager (irgendwann) selbst in die Hand nehmen wird.

Um den Kommunismus bei den Proletariern aller Länder zu neuem Leben zu erwecken, muß er zwei Schritte zurück machen: back to the roots, zum Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels.

Dabei wird der erste Schritt darin bestehen, den Leichnam des (sur-) realen Sozialismus des XX. Jahrhunderts historisch zu sezieren und danach ehrenvoll zu begraben [Keinen Schritt vorwärts ohne zwei Schritte zurück!].

Das heißt:

Ein ‚Paradigmenwechsel‘ ist angesagt; aber nicht, wie die Gurus der „Anti-Globalisierer“ Anfang 2001 angekündigt haben: back to Lenin *), sondern weg von Lenin und zurück zu Lenin über Marx (und nicht über Stalin); d.h. um für unsere Gegenwart aktuell zu bleiben, muß Lenin von Marx her ‚historisiert‘ werden.

Da eine solche Arbeit aber die individuellen Kapazitäten einzelner Marx-Parteigänger übersteigt, erfordert diese die Zusammenarbeit der über den Globus verstreuten Partei Marx.

Diese Internet-Seite ist ein Beitrag zu einem interaktiven NetWork in progress, das sich arbeits-kollektiv auf die Dauer selbst reproduzieren wird.

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*) Slavoj Zizek, Von Lenin lernen, in: DIE ZEIT v. 01.02.01; derselbe: Die Revolution steht bevor, Frankfurt/M. 2002.

2 Kommentare

  1. Harun Farocki
    Erstellt am 7. November 2010 um 20:12 | Permanent-Link

    Lieber Ulrich,
    bist Du das? Bist Du der Knaudt von 1968 mit dem Opel mit den vielen Mängeln? Von dem ich das Wort „horizontale Unterprevilegierung“ lernte? Wenn ja, wie geht es Dir, wo bist Du? Ich bin gerade in den USA wo ich unterrichte.
    Ich bin sogar an einer Uni, die damals in „Nicht löschbares Feuer“ erwähnt wurde. Ich wusste aber nicht, dass hier ein Chemiker namens Fieser Napalm-Experimente gemacht hat.
    Herzlichen Gruß,
    Dein Harun

    • Erstellt am 22. Januar 2011 um 18:27 | Permanent-Link

      Lieber Harun, Du hast richtig geraten: der bin ich; habe aber keinen Opel und keinen Führerschein mehr, weil ich als Taxifahrer zu viele Punkte gesammelt habe – aber nicht wegen Suff, sondern wegen Ampel…Ich wohne immer noch im Pott. Schön, daß Du Dich gemeldet hast, ich habe Deine Mail erst gefunden, als ich einen neuen Text auf meine web site gestellt habe. Seltsamerweise wurde dieser nicht unter den ankommenden e-mails angezeigt.
      Es würde mich freuen, von Dir mal wieder zu hören. In der FAZ gab es ab und zu mal einen Artikel über eine Ausstellung oder ein Festival, wo Sachen von Dir gezeigt wurden. Anläßlich des dffb-Jubiläums fand sich ein schönes Photo von uns aus 1968 im Tagesspiegel. Einige alte Freunde, die mich darauf wiedererkannten, hatten zwischenzeitlich Kontakt aufgenommen. Aber ansonsten ist das für mich eine ferne Welt geworden, während die Welt und was dort passiert, mir schon immer ziemlich nahegeganen sind, wie Du aus meiner Seite entnehmen kannst.
      Alles Gute wünscht Dir Dein alter Kommilitone Ulrich

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