EINspruch 

13.11.2015

Vor dem Schwarzen Freitag, dem 13.


Nun ist es also heraus! Ursache für den Absturz der russischen Verkehrsmaschine auf dem Sinai war eine Bombe. [1] Willkommen im Club!


Das kommt dabei raus, wenn die Regionalmacht wieder Weltmacht werden will! Der Spezialist für künstlich herbeigeführte und genial vertuschte Flugzeugabstürze (Stichwort: Smolensk, MH17) wird nun selbst ‚Opfer‘ eines solchen, bei dem es nichts mehr zu vertuschen gibt. [2] Er wurde es selbstverständlich nicht persönlich. Und allein darum verbietet sich jede Schadenfreude. Feind der Menschheit ist ja nicht die gehobene russische middle class, die sich, anders als die Masse der russischen Bevölkerung, noch einen Urlaub in Sharm El Sheikh leisten kann, sondern der von ihr mehrheitlich gewählte russische Präsident. Er war es auch, der seiner Armee befohlen hatte, Präsident Assad bei seinem Mörderhandwerk gegen die syrische Zivilbevölkerung zur Hand zu gehen. [3] Schadenfreude verbietet sich auch, weil dies die insgeheime Übereinstimmung mit den islamistischen Menschheitsfeinden bedeutet. Die Erinnerung an Charly Hebdo ist noch frisch. [4] Besonders an die Ausbrüche klammheimlicher Freude bei der westlichen Linken nach dem 11.09.2001, als man die Angriffe von Al Qaida auf die ‚Ungläubigen‘ in den twin towers noch als eine, wenn auch schon eine stark verunglückte antiimperialistische Aktion zu interpretieren pflegte [5] (eine politische Denkart, die in dem von rechts bis links anzutreffenden Antiamerikanismus bis heute nachwirkt). Schadenfreude verbietet sich schließlich, weil die Islamofaschisten vom Islamischen Staat (Daesh) [6], die vorgeben, das Assad-Regime zu bekämpfen, aber hauptsächlich die Zivilbevölkerung terrorisieren und die Assad-Gegner dezimieren helfen, zur Avantgarde im Kampf gegen die Neuauflage des sowjetischen Sozialimperialismus aus den 80er Jahren rehabilitiert würden. Allein deshalb sollte Syrien kein zweites Afghanistan werden.


Also keine Rachegefühle, keine klammheimliche Freude! Dafür endlich politische Klarheit darüber, daß Putins Traum von einer ohnehin nie ernstgemeinten Rolle des Vermittlers zwischen Assad und der Arabischen Revolution endgültig geplatzt ist. Mag die russische Regierung auch behaupten, von Assad zu Hilfe gerufen worden zu sein, wie ihr Außenminister ständig wiederholt, und mag er die russische Aggression in Syrien als völkerrechtlich legal darstellen, auch die Hilfe für einen Völkermörder gilt als Beihilfe zum Völkermord und ist ein internationales Verbrechen wie dieser selbst. [7] Wie zur Bestätigung dessen, daß nun auch von russischer Seite nicht mehr zu bestreiten ist, daß die russische Verkehrsmaschine über dem Sinai von den Islamofaschisten zum Absturz gebracht wurde, scheint die syrische Armee, seitdem sie von Rußland direkt aus der Luft unterstützt wird, ausnahmsweise auch mal militärisch wichtige Stellungen des Islamischen Staates anzugreifen. [8] Bislang hatten sich die russischen Luftangriffe zu 80% auf Stellungen der ‚Assad-Gegner‘ gerichtet. [9] Die von Putin in die Umgebung des russischen Flottenstützpunkt Tartus verlegten ‚Verstärkungen‘ sind in Afghanistan angekommen. [10]


Wenn Putin aber glaubt hat, er könne dabei Assads Spielchen einfach übernehmen, der die Islamofaschisten und die Kämpfer der Syrischen Revolution immer schon als ‚Terroristen‘ in einen Topf geworfen hat und von jenen die Drecksarbeit gegen die Syrische Revolution erledigen läßt, dann haben sich nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten Assads schmutzige Tricks, auf die die europäische Linke immer wieder allzu gerne freudig reinfällt, [11] von selbst erledigt.


Die Arabische Revolution in Syrien steht nun vor der Entscheidung, ob sie sich an dem von Rußland gegen den Islamischen Staat erklärten drôle de guerre (seltsamen Krieg) beteiligen oder ob sie es mit den Islamofaschisten Al Baghdadis halten will, der unter der Einheitsfront aller Gläubigen gegen den russischen Eindringling die Unterwerfung der umma unter sein islamofaschistisches Regime versteht. Sollte sie sich für Al Baghdadi entscheiden, dann wäre die Syrische Revolution schließlich doch noch Assads und Putins trickreichen Manipulationen zum Opfer gefallen. Der Ausweg aus diesem Dilemma kann nur in einem klaren Schnitt und einer eindeutigen Absage an die Islamofaschisten und ihren Rassen- und Religionskrieg gegen die arabischen Völker bestehen. Menschheitsverbrechen mit Verbrechen gegen die Menschheit zu beantworten, würde das sichere Ende des legitimen Widerstands gegen das mörderische Assad-Regime und die russische Aggressoren bedeuten. Die eindeutige Ablehnung der von verzweifelten Widerstandsgruppen gegen Angehörige der Alawiten in einem Vorort von Damaskus in Szene gesetzten Käfig-Aktionen durch die Syrische Nationale Koalition (SNC) können als ein deutlicher Hinweis gewertet werden, daß die Syrische Revolution diesen Weg nicht einzuschlagen gedenkt. [12]

Nach dem Schwarzen Freitag, dem 13.


Mit dem Schwarzen Freitag in Paris ist die jüngere Weltgeschichte um ein weiteres magisches Datum reicher. Aber der Aufstand der ‚Verdammten dieser Erde‘ aus den Pariser Banlieues gegen die jugendbewegte gehobene middle class in den hippen Szenekneipen des Pariser Ostens unter dem Kampfruf Pour la Syrie! war ein Fake. Ein Staat namens Syrien ist, worauf schon der Name dieser Organisation hindeutet, in dem von Daesh erträumten Weltreich nicht vorgesehen. In der islamistischen umma soll es bis auf diesen einen überhaupt keinen weiteren Staat oder eine Nation geben.


Im Frühjahr 2011 war der Islamismus für wenige glückliche Augenblicke der Arabischen Revolution zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. [13] Ihre unvermeidlichen Rückschläge wurden für die Islamofaschisten zum willkommenen Anlaß, um die von der Revolution vorerst nicht einlösbare Hoffnung der arabischen Jugend auf ein Ende ihrer sozialen Perspektivlosigkeit für die Errichtung des islamistischen Gottesstaates auszuschlachten und den bisher geübten revolutionären Widerstand gegen die alten arabischen Regimes auf das Konto des Salafismus umzubuchen. Ob den Salafisten auch in den Pariser Banlieues Ähnliches gelungen ist, bleibt zunächst unklar. Zumal dort keine Revolution stattgefunden hat, die islamistisch umgedreht werden müßte. Es fiel nur auf, daß die Djihadisten vom 13.11. nicht älter waren als die von ihnen attackierten Pariser Kneipenbesucher. Vielleicht ein islamistisch verschleierter Klassenkrieg der Banlieue gegen das Establishment? Sehr schnell hat sich aber herausgestellt, daß die djihadistischen Glaubenskrieger, die wahllos in Cafés, Restaurants und einem Musikpalast auf die Besucher schossen und vorgehabt hatten, im Stade de France eine Massenpanik zu erzeugen, ‚alte Kunden‘ aus des Salafistenszene sind, die überdies nicht aus Pariser, sondern Brüsseler Vorstädten stammen.


Vor allem aber war der Zeitpunkt für diese Aktion nicht ohne tieferen Hintersinn gewählt worden: ein jedem Moslem heiliger Freitag und der Vorabend der Wiener Konferenz, auf der die USA und Rußland mit einigen Mittelmächten, darunter Frankreich und Deutschland, über die ‚Syrienfrage‘ und die ‚Flüchtlingskrise‘ beraten wollten. Wie hätte ‚dem Westen‘ drastischer vor Augen geführt werden können, daß nach der von Assad und Putin ständig wiederholten Leier, daß die Arabische Revolution und die Konterrevolution des Islamischen Staats ein und derselbe Terrorismus seien, der nun nicht mehr allein auf den Nahen Osten eingegrenzt werden kann! Und wieso, fragt man sich inzwischen in der Presse, haben die Hauptakteure der islamistischen Killertruppe vor der Durchführung ihres Massakers des öfteren zu ihren Auftraggebern nach Syrien reisen können, ohne daß dies den ‚Sicherheitsbehörden‘ nicht hätte auffallen müssen? [14]


Ein Ergebnis der Wiener Konferenz war übrigens, daß Putin mit den westlichen Großmächten und den USA wieder in einem Boot sitzt, (so als hätte es die Annexion der Krim und von Teilen des Donbass nie gegeben) und daß alle Beteiligten inzwischen Assads und Putins Legende beglaubigt haben, daß es von nun an nicht mehr das verbrecherische Assad-Regime, sondern daß es nur noch den Islamische Staat im Bündnis mit Rußland zu bekämpfen gilt. Dieser game change wäre ohne die Pariser Massaker eher gar nicht oder aber nicht so schnell zustande gekommen. [15] Unter den Teppich gekehrt wurde dagegen das ethnic cleansing der syrischen Städte und Dörfer durch Assads Faßbomben und russische Kampfjets mit dem Ziel der Destabilisierung und Spaltung Europas durch einen nicht mehr abreißenden ‚Strom‘ von Flüchtlingen über die Balkanroute Richtung Norden, bei dem sich Erdogan bisher fleißig als Beschützer der Schlepperbanden betätigte, wie aus dem plötzlichen Nachlassen des ‚Flüchtlingsstroms‘ nach dem Abschuß eines russischen Kampfflugzeuges an der syrischen Grenze durch die Türkei geschlossen werden muß. [16] Die gegen die Syrische Revolution von Assad und Putin inszenierte Konterrevolution ist über das Geheimdienstkonstrukt des Pariser 13. November endgültig in Europa angekommen. Putin hat seine Zwickmühle wieder einmal zugezogen und bei diesem Befreiungsschlag zugunsten Assads Europa als Geisel genommen. [17] Nur bloß keine Verschwörungstheorien!


Hier wird dann auch die Frage zu stellen sein, ob die Havarie der russischen Urlaubermaschine über dem Sinai nicht aus derselben Trickkiste stammt, aus der sich Assad bei der Vernichtung der Syrischen Revolution seit Jahr und Tag bedient; in diesem Fall, um Putins zukünftige aktive Beteiligung am syrischen ‚Bürgerkrieg‘ moralisch und psychologisch vor dem russischen Volk zu rechtfertigen? Der Trick von Assads enger Fernbeziehung zum djihadistischen Terrorismus besteht wie gesagt darin, daß dieser von Assad nicht an seiner Entfaltung gegenüber der Syrischen Revolution gehindert, aber gleichzeitig vermieden wurde, daß sich Assad  dabei
selbst die Finger schmutzig macht (obwohl es da kaum noch etwas schmutzig zu machen gibt). Lieber halten sich Assads Gangsterdepartments aus Armee und Geheimdienst an völlig Unbeteiligte, bei deren Familien ein sattes Lösegeld zu holen ist, wenn diese nicht in Assads Folterkellern verschwinden sollen. [18] Die Bilder, die ein geflüchteter Polizeifotograf jetzt in London ausgestellt hat, zeigen die Folteropfer dieser Staatsmafia, die nicht gezahlt haben oder nicht zahlen konnten. [19] Die weltweite Allianz gegen den Islamischen Staat gleicht dem weltweiten Kampf der Geheimdienste gegen einen Popanz, der von allen Beteiligten nur deshalb am Leben erhalten wird, um einem offenen Zusammenstoß ‚des Westens‘ mit den Schutzherren der sich islamisierenden ‚Dritten Welt‘, d.h. mit Rußland und China, so lange wie möglich aus dem Weg zu gehen.


Und wenn wir diesen Gedanken noch einen Tick weiter spinnen, dann lassen sich Assads trickreiche Manöver auch auf den 13. November in Paris übertragen. Da dort kein Ghettoaufstand, wie er häufig in amerikanischen oder britischen Vorstädten vorkommt, stattgefunden hat, sondern eine autonome Salafistengruppe mit aktiver Kampferfahrung im ‚syrischen Bürgerkrieg‘ und gebrieft von einem bereits seit längerem zum Djihad blasenden Islamischen Heiligen, [20] am Werk war, wird dieser Heilige Krieg auch Monsieur le Président nicht ganz ungelegen gekommen sein, um seinerseits zum Krieg gegen die Heiligen Krieger blasen zu können.


Dadurch haben sich nicht nur Hollandes Aussichten für die Anfang Dezember stattfindenden Regionalwahlen ein wenig aus dem demoskopischen Keller herausbewegt, es wird auch die rasant zunehmende Militarisierung der Gesellschaft von den Bürgern bereitwilliger akzeptiert und nicht zuletzt die Rüstungsproduktion wieder angekurbelt werden, wovon als freudige Botschaft die Aktienkurse der Rüstungsfirmen künden. Von Obama gab es sogar einen Klaps auf die Schulter und die Beschwörung jahrhundertealter amerikanisch-französischer Freundschaft. Vergessen die üblichen Kabalen und Intrigen zwischen den erbitterten Konkurrenten auf dem Weltmarkt des Kapitals. Und wer wird dann noch was dagegen haben können, wenn Frankreich trotz Georgien, Krim und Ukraine seine alten oder noch älteren Verbindungsfäden zu Rußland wieder aufnimmt, wovon Sarkozys bürgerliche Mitte und Frau Le Pens ‚rechter Sektor‘ schon seit längerem schwärmen, um endlich auch ‚die Deutschen‘ von beiden Seiten fester zu umarmen.


Die Legitimität des Aufrufs der Bourgeoisie zur Verteidigung ihrer Nation gegen den Islamofaschismus steht und fällt mit der Beantwortung der Frage, ob sich Hollande und seine ‚westlichen‘ Bündnispartner ihrerseits aus Assads und Putins Trickkiste bedienen werden, wenn sie sich im Krieg gegen den Islamischen Staat nicht nur mit Putin, sondern notfalls auch auch mit Assad meinen verbünden zu müssen. Damit würden sie zwangsläufig zu Komplicen der Konterrevolution in Syrien und zu Mitbeteiligten am verbrecherischen Krieg gegen die syrische Bevölkerung und dazu beitragen, daß diese auch weiterhin von russischen Langstreckenbombern und Cruise missiles bombardiert wird. Aber warum gerade Frankreich? Vielleicht darum, weil Putin und Assad mit Deutschland noch Bedeutenderes vorhaben? Der 13. November paßte jedenfalls ausgezeichnet zur Untermauerung von Putins in Wien vorgetragenen These, daß der Krieg gegen den Islamischen Staat nur Erfolg haben wird, wenn er zu seinen Bedingungen stattfindet – als drôle de guerre…


Das dazu passende traurige Nachspiel lieferte die deutsche Linke in der Debatte über die Beteiligung Deutschlands am Krieg gegen den Islamischen Staat. Mit ihrem Griff tief in die Kiste des Radikalpazifismus hat sie die Assadsche und Putinsche Dialektik um eine weitere Variante bereichert. [21] Denn wer wie die deutsche Linke jeden Krieg, also auch einen Verteidigungskrieg ablehnt, entzieht sich dadurch auch einer Stellungnahme zu dem politischen Charakter des jeweiligen Krieges und bestreitet für die darin Angegriffenen die legale Möglichkeit, sich gegen den Heiligen Krieg des Islamischen Staats, dem entscheidenden Mitspieler in dieser Dialektik, zu verteidigen, die Verteidigung der Arabischen Revolution gegen Putins und Assads Konterrevolution eingeschlossen. [22] Mit ihrem Radikalpazifismus hat sich die deutsche Linke endgültig als die politischen Spießgesellen dieser Mördergang qualifiziert und dafür den Boden bereitet, die Anwendung der bewährten Spielchen Assads und Putins mit dem IS nun auch in Deutschland eingeführt. [23]


Der Islamische Staat als Gegengift gegen die radikal-demokratische Arabische Revolution von 2011 wird nicht verhindern, daß der saudische ‚Zauberlehrling‘ von der von ihm geschaffenen salafistischen Kreatur früher oder später selbst aufgefressen werden wird. Die islamistische Flucht nach vorn gegen die unweigerlich weiter voranschreitende Verweltlichung der arabischen Gesellschaft und den wachsenden Einfluß des schiitischen Glaubens- und Erdölkonkurrenten findet als Gigantomachie zweier rückwärtsgewandter islamischer Revolutionen statt, die von den Geheimdiensten und den Armeen beider Seiten auf der Grundlage des sich in der Weltwirtschaftskrise in wachsendem Maße zusammenbrauenden Gangsterismus befeuert wird. Mit dem Islamischen Staat und dessen auf dem Gebiet des einstigen Arabischen Weltreichs  sich fortpflanzenden
islamofaschistischen Ablegern wird von den Saudis und den Golfstaaten ein Gegenfeuer gegen die drohende Übernahme des Irak und das durch Teheran, mit Rußland und China als Paten, am Leben erhaltene Assad-Regime entzündet, durch das die Arabische Revolution erstickt werden sollte. Der Islamische Staat hat sich mit äußerster Konsequenz von den Schwächen der Arabischen Revolution genährt und ist daran erstarkt. Er hat das Fehlen eines Konzepts für die soziale Revolution durch den demagogischen Rückgriff auf das arabische Frühmittelalter erfolgreich zu kompensieren gewußt. Seine rückwärtsgewandte Utopie ähnelt dem Germanenkult der Nazis bis aufs i-Tüpfelchen. Daher Islamofaschismus! Und daher kann die zivilisierte Menschheit (ein ziemlich unzulänglicher Begriff für die schon lange überfällige kapitalistische Produktionsweise) mit dem Islamofaschismus nicht in friedlicher Koexistenz zusammenleben, so wenig wie das seinerzeit mit dem deutschen Faschismus möglich gewesen ist. Punkt.

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[1] FAZ 17.11.2015 Liveblog: Der russische Geheimdienst FSB bestätigt die Explosion einer Bombe an Bord der russischen Urlaubsmaschine.
FAZ 18.11.2015 Putins Rache.
[2] Jürgen Roth: Verschlußakte S. Smolensk, MH17 und Putins Krieg in der Ukraine, München 2015.
[3] Seit Mitte September verstärkt Rußland sein Truppenaufkommen in Syrien.
NYT 15.09.2015 Russian Moves in Syria Widen Role in Mideast.
[4] Vgl. parteimarx.org BLogbuch 1 2015: „Charlie“, der Salafismus und wir Deutschen.
[5] Vgl. parteimarx.org BLogbuch 2 2010 Aus Anlaß des 9/11 – Rassenkrieg oder Klassenkampf.
[6] Die arabische Abkürzung Daesh bedeutet ins Englische übersetzt: Islamic State in Irak and Syria (ISIS), häufig auch Islamic State in Irak and in the Levante (ISIL) und auf Arabisch: ad-daula al-islamija fil-Iraq wa ash-Sham = der Staat des Islam im Irak und im Sham (als Ash-Sham wird ein Gebiet bezeichnet, das von der irakisch-syrischen Grenze bis zum Mittelmeer reicht). Was die Salafisten zu originären Faschisten macht, ist nicht allein der bei den Kolonialvölkern des Nahen Ostens und Nordafrikas anzutreffende Anti-Judaismus und sind nicht allein die seinerzeit engen politischen Kontakte des islamischen Klerus und der arabischen Handelsbourgeoisie zu Nazi-Deutschland als der Feind ihrer Feinde, Frankreich, England, USA. Hierbei wird der aus dem Konkurrenzverhältnis zwischen Arabern und Juden in der nahöstlichen Kolonialgesellschaft entspringende reaktionäre Anti-Judaismus einfach mit dem europäischen Antisemitismus gleichgesetzt. (Hamed Abdel-Samad: Der islamische Faschismus. Eine Analyse, München 2014). Die Gemeinsamkeiten des Salafismus mit dem deutschen Nationalsozialismus sind aber nicht nur historischer, sie sind vor allem ideologischer Natur. Beide Formen des Faschismus sind als Reaktion auf eine Revolution, der Oktoberrevolution und der Arabischen Revolution, d.h. als revolutionäre Konterrevolution aus ihnen jeweils hervorgegangen; beide betreiben die Konterrevolution mit revolutionären Mitteln und sozialen Versprechungen; dabei wird ihren Anhängern die Rückkehr zu früheren, längst untergegangenen Solidargemeinschaften als rückwärtsgewandte Utopie einer völkischen Gemeinschaft, der germanischen bzw. der frühislamischen, vorgegaukelt. Beiden revolutionären Konterrevolutionen ist schließlich gemeinsam, daß sie heute wie vor 80 Jahren als Antwort auf eine große Weltwirtschaftskrise entstanden sind und als deren Verursacher die Juden bzw. mit diesen zusammen auch alle Anders- und Ungläubigen verantwortlich machen und dies mit der Forderung verknüpfen, sie aus der Gesellschaft ausschließen und kollektiv zu eliminieren.
[7] FAZ 25.11.2015 Assad nach Den Haag. Das Abkommen von Dayton vor 20 Jahren – eine Blaupause für den Frieden in Syrien.
[8] Al Arabiya (English) 10.11. 2015 Syrian Army breaks ISIS siege of key airbase.
[9] Al Arabiya (English) 05.10.2015 NATO to Russia: Stop striking Syrian Opposition; Al Arabiya (English) 23.11.2015 SNC [Syrian National Coalition]: Russian airstrikes on ISIS doesn‘t go beyond 6% of its targets.
[10] Syrian National Coalition Newsletter 21.10.2015 FSA Commander: Russian Airstrikes failed to give Assad upper hand.

[11] BLogbuch 1 2012 Eine offene Antwort auf einen (ungenannt bleiben müssenden) (Zeit-) Genossen.
[12] Anfang November wurde bekannt, daß Widerstandsgruppen in Ghouta, einem Vorort von Damaskus, Angehörige der Alawiten, die gemeinhin als Sympathisanten und Nutznießer des Assad-Regimes gelten, in Käfige gesteckt und diese weit sichtbar auf öffentlichen Plätzen ausgestellt haben, um Assad und die russische Luftwaffe davon abzuhalten, die Bombardierung dieser Stadtteile fortzusetzen. Auf seiner Europareise rief der Präsident der Syrischen Nationalen Koalition die Widerstandsgruppen auf, derartige Verzweiflungstaten sofort einzustellen.
Syrian National Coalition Newsletter 07.11.2015: »The Syrian Coalition urges the Free Syrian Army and all rebel factions to respect international laws and abstain from illegal reactions despite how the Assad regime and all its allies commit of war crimes, genocide and crimes against humanity. … President Khoja also stresses the sanctity of Syrian human blood and respect of Syrians‘ dignity and their rights which have long been violated by the Assad regime with the support of his allies. He regrets the international community’s failure to put an end to these serious violations against the Syrian people.«
Siehe auch: FAZ 05.11.2015 Krieg der Käfige. Alawiten als menschliche Schutzschilde gebraucht.
[13] parteimarx.org BLogbuch 1 2011: Auswirkungen der Krise der kapitalistischen Produktionsweise auf die arabischen Länder und den Rest der Welt.
[14] FAZ 16.11.2015 Tausende, die Frankreich hassen. Sämtliche Terroristen, die in jüngster Zeit Anschläge geplant oder verübt haben, waren dem französischen Geheimdienst bekannt. Nach den Attentaten von Paris fordert die Opposition Erklärungen für die mangelhafte Überwachung radikalisierter Muslime im eigenen Land.
FAZ 17.11.2015 Gegen Terroristen und für Flüchtlinge; FAZ 16.11.2015 Worauf deutet der Waffenfund in Bayern?
Die türkische ‚Sicherheitsbehörden‘ haben, wie anläßlich des G 20 Gipfels in Antalya bekannt wurde, mehrfach vor dem 13. November auf einen der an dem Pariser Massaker beteiligen Islamisten, der sich in der Türkei aufhielt, hingewiesen, ohne eine Antwort aus Paris zu erhalten. Ebenso folgte auf den Zufallsfund von wahrscheinlich für Paris bestimmten Waffen bei einem bereits am 5. November auf der Autobahn in Bayern kontrollierten Waffenhändler aus Montenegro keinerlei Reaktion von seiten der französischen Behörden.
[15] FAZ 16.11.2015 Ehrgeiziger Plan. Die Anschläge von Paris haben zum positiven Ergebnis der Syrien-Konferenz beigetragen.
[16] FAZ 24.11.2015 An der türkischen Grenze; FAZ 24.11.2015 Bitte draußen bleiben!. Kurswechsel in Ankaras Flüchtlingspolitik?
[17] Vgl. EINspruch 15.10.2015.
[18] FAZ 06.11.2015 Regime verdient an Entführungen. Zehntausende Zivilisten in Syrien seit 2011 verschwunden.
BLogbuch 1 2014 Revolution und Konterrevolution in Europa.
[19] FAZ 01.10.2015 Assads blutige Herrschaft. Ein Syrer stemmt sich gegen das Vergessen. Siehe auch: www.n-tv.de/politik/Frankreich-ermittelt-gegen-Assad-article16039536.html
[20] Laut einer Reuters-Meldung vom 24.11.2015 durchsuchte eine Antiterror-Einheit in Arigat in den Pyrenäen das Anwesen des “weißen Emirs“, der als Sponsor früherer islamistischer Anschläge verdächtigt worden war und der Kontakt zu den Pariser Salafisten gehabt haben soll.
[21] Assads Dialektik gleicht einem Nullsummenspiel, bei dem keine der einander bekämpfenden Seiten, sondern derjenige gewinnt, der das Spiel veranstaltet. In dieser Dialektik gibt es auch keine Aufhebung der Gegensätze, weil diese bereits vor Spielbeginn erfolgt ist.
[22] FAZ 26.11.20
15: Von Splittern und Balken; FAZ 26.11.2015: Merkel: Wir stehen solidarisch an der Seite Frankreichs.
Aus den Debatten über den Bundeswehreinsatz gegen den Islamischen Staat in Syrien wird der Abgeordnete der Partei Die Linke Dietmar Bartsch mit den Aussprüchen zitiert:
»Terror bekämpft man nicht mit Krieg. Es gibt keine militärische Lösung für den Kampf gegen den Terror«, und »Jeder im Bombenhagel getötete Zivilist bringt gegebenenfalls zehn neue Selbstmordattentäter hervor.« Will Bartsch vor einer möglichen Enthauptung als Ungläubiger mit den Islamofaschisten über die Rettung seines Kopfes in Verhandlung treten? Oder im Stil Assads den erwarteten Angriff des IS auf andere lenken? Und wer wäre das dann? Als Radikalpazifist sollte er, wenn er konsequent wäre, dem IS dann auch gleich die andere Wange hinhalten! Dieselbe Argumentation wurde von Sarah Wagenknecht im Bundestag am Tag der Abstimmung vorgetragen, die sonst eher militanteren Ansichten zuneigt; ein geschickter Schachzug, an dem unverkennbar der Schattenfraktionsvorsitzende Gysi zu erkennen ist.
[23] In Interviews hat Assad mehrfach zu erkennen gegeben, daß sich ‚der Westen‘ nicht zu sicher fühlen sollte. In einem von Al Jazeera wiedergegebenen Interview (Al Jazeera
English vom 15.09.2015) mit einem russischen Presseorgan erklärt Assad: »If you are worried about them [refugees], stop supporting terrorists,“ he said.« Klarer kann man sich nicht ausdrücken, wenn jeder weiß, welcher Art „Terroristen“ damit gemeint sind. In einem Interview mit einer iranischen Zeitung (wiedergegeben von der Syrischen Presseagentur SANA vom 06.10.2015), wird Assad noch konkreter. Auf die Frage, welche Botschaften er an die Staaten richten würde, die den Terrorismus unterstützen, ist seine Antwort, daß der Terrorismus zu ihnen kommen werde. Früher sei das eine Drohung gewesen, heute sei es in den europäischen Ländern eine Realität: »It is known that a large number of terrorists have infiltrated those immigrants, and now they are in those European countries.« Man könne nun mal keinen Skorpion in die Tasche stecken. Sie (die Europäer) werden das eines Tages einsehen.

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